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Weltweit Niedersachsen: Italien in Hannover – ein Stück Heimat im Herzen Deutschlands

Die Italiener treffen sich vor allem beim Essen: ein großes Klischee, das in Hannover nicht nur voll zutrifft, sondern auch ein Zeichen erfolgreicher Völkerverschmelzung ist. Wir treffen Santo Vitallaro und Chiara Pareo, die uns einen Einblick in ihr Stückchen Heimat geben.

Redakteurin Charlotta Witte OEVB
von Charlotta Witte28 Februar, 2022
Das Wichtigste in 60 Sekunden

Knapp 750 000 Menschen aus anderen Ländern leben nach Angaben des Landesamts für Statistik in Niedersachsen – Anlass genug, um ein wenig in ihre Lebenswelten einzutauchen. Deshalb besuchen wir in unserer Reihe „Weltweit Niedersachsen“ die jüdischen, argentinischen, italienischen, polnischen oder japanischen Communities – und stellen euch ihre Lieblingsorte, Speisen und Protagonisten vor.    

Fragt man Santo Vitellaro nach der schönsten Stadt der Welt, fällt die Antwort eindeutig aus: „Für mich ist das Hannover. Mir geht’s hier richtig gut.“

Santo Vitellaro

Zehn Jahre lang arbeitete Vitellaro als Lehrer an einer Schule in Wolfsburg – aber umziehen kam für ihn nie in Frage, stattdessen pendelte er täglich hin und zurück. Hannover habe viele Vorzüge, sagt Vitellaro: Die Stadt ist überschaubar und angenehm zum Wohnen, nach 40 Jahren hier kennt er sich bestens aus, sein Job macht ihn glücklich – und die Hannoveraner findet er überaus freundlich. „Ich habe in Hannover noch nie gemerkt, dass ich Ausländer bin“, sagt der Italiener.

Nähme man die Aussage etwas zu wortwörtlich, wäre sie fast schwer zu glauben: Schon am Telefon meldet er sich mit einem herzlichen „Buonasera“, streut hier und da ein „Mamma mia“ ein – etwa, wenn ihm etwas nicht sofort einfällt – und belebt die Unterhaltung mit einer für Deutsche eher untypischen Nonchalance. Santo Vitellaros Eltern kamen als Gastarbeiter nach Deutschland. Er selbst ist seit mehreren Jahrzehnten eine wichtige Säule der italienischen Gemeinschaft in Hannover – obwohl es die Community streng genommen nicht so richtig gibt.

Vitellaro ist Italienischlehrer und seit 20 Jahren Vorsitzender des „Comitato Assistenza Scolastica Italiana“, kurz Co.As.Sc.It.

Der Verein kümmert sich vor allem um die schulische Förderung italienischer Kinder in Hannover und Niedersachsen. Er organisiert Kurse und Nachhilfe, aber auch Angebote für erwachsene Italiener, die neu in Hannover sind und in der deutschen Arbeitswelt Fuß fassen möchten. Den Verein gibt es seit 40 Jahren – und inzwischen ist er zu einer informellen Anlaufstelle für bürokratische Probleme aller Art geworden, etwa mit Behördenschreiben oder der Wohnungssuche. „Oft ruft mich jemand an, der meine Nummer von Freunden bekommen hat: ‚Herr Vitellaro, Sie kennen sich doch aus, könnten Sie mir helfen?‘“, lacht er. Auch wenn es nicht zu den Aufgaben des Vereins gehört, ist das Büro von Vitellaro immer auf. „Wir helfen viel, es gibt ja kaum Alternativen“, sagt er.

Eine italienische Community?

Über 3 000 Menschen in Hannover haben die italienische Staatsbürgerschaft, über 1 500 mit doppelter Staatsbürgerschaft kommen hinzu. Doch italienische Treffpunkte, Veranstaltungen und Anlaufstellen sind rar. „Ich finde es schade, dass Italiener nicht so zusammenfinden“, sagt Vitellaro. „Es gibt keine richtige Organisation, die ein Treffpunkt für alle wäre, wo man mit Problemen hingehen, aber auch zusammen feiern könnte. In der spanischen oder türkischen Community funktioniert das aus irgendeinem Grund viel besser“, sagt er.

Die kulturellen Angebote sind überschaubar. Seit 1947 besteht die Deutsch-Italienische Kulturgemeinschaft e.V., die zu den ältesten deutschen Vereinen gehört und manchmal Lesungen oder Konzerte organisiert. Hin und wieder wird ein italienisches Filmfest ausgerichtet. An acht Schulen in Hannover können Schüler Italienisch lernen, es gibt noch einen italienischen Fußballverein – und für die Katholiken die Kirche an der Marschnerstraße. Das Co.As.Sc.It. unter Vitellaros Vorsitz organisiert für die Familien der betreuten Kinder auch mal Theaterstücke, Weihnachtsfeiern mit Tombola, Bingo und Panettone – oder etwa einen Filmabend zum 500. Geburtstag von Dante Alighieri. „Bei uns funktioniert das gut. Man merkt, dass die Leute Lust darauf haben und mitmachen“, sagt er. Abgesehen davon sei es ruhig um die Italiener in Hannover. Meist würden sie sich beim Essen treffen, erzählt Vitellaro.

An italienischen Restaurants fehlt es nämlich nicht, auch wenn Vitellaro, der selbst gerne kocht, die meisten noch nicht getestet hat. Eine Empfehlung gibt er dennoch, nämlich für das Botticelli: „Etwas hochpreisiger, aber sehr gutes Essen.“ Vor drei Jahren hat auch die Supermarkt-Kette Andronaco eine Filiale in Hannover eröffnet. „Viele Italiener treffen sich da, trinken vor dem Einkaufen noch einen Kaffee im Bistro oder essen eine Pizza – die ist sehr gut da.“ Auch der italienische Supermarkt Rossini hat ein Bistro, in dem es Pizza und laut Vitellaro sehr guten Wein gibt.

Noch mehr Authentizität und ein größeres Angebot an italienischen Köstlichkeiten findest du natürlich in Italien. Doch wer kulinarische oder kulturelle Reisen in andere Länder plant, muss mit Unsicherheiten rechnen. Besonders ärgerlich wird es, wenn du kurz vor oder nach Reiseantritt erkrankst. In diesem Fall kann eine Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung dafür sorgen, dass du nicht auf deinen Kosten sitzen bleibst. Auch Mehrkosten für deine Anreise, die sich zum Beispiel aus einer Zugverspätung ergeben, werden übernommen.

Schwieriger ist es, wenn du im Ausland auf ärztliche Versorgung angewiesen bist: Auch hier können hohe Kosten schnell die Urlaubslaune verderben. Mit einer entsprechenden Reisekrankenversicherung bist du geschützt – und musst dir keine Sorgen darüber machen, ob die gesetzliche Krankenkasse deine medizinische Behandlung erstattet oder nicht.

Reiserücktritts- und ReiseabbruchversicherungRettet vielleicht nicht die ganze Reise, dafür aber deinen Geldbeutel.

Multikulturalität und die Kunst

Dass die italienische Community in Hannover nicht so aktiv ist, hat aber auch einen anderen Grund: Integration. Die allermeisten Italiener sprechen Deutsch, viele auf muttersprachlichem Niveau. Sie sind hier geboren oder jung eingewandert und bewegen sich in deutschen – oder multikulturellen – Kreisen. „Meine Söhne sind mit Deutschen, Türken, Spaniern und Russen befreundet – sie fragen nicht mehr nach Nationalität“, sagt Vitellaro. Sein Sohn Nino etwa ist ein in der Szene bekannter Tätowierer, der sich nicht als Italiener vermarktet. Eine Zeit lang hat die Immigration aus Italien außerdem stark abgenommen, obwohl sie inzwischen wieder ansteigt: „In den letzten Jahren sind viele Italiener gekommen“, weiß Vitellaro – die meisten aus Arbeitsgründen. „Vor allem Intellektuelle und Künstler verlassen Italien oft, weil die Perspektiven für sie überschaubar sind“, erzählt er.

Chiara Pareo

Doch auch die Neuankömmlinge der letzten Jahre bewegen sich immer öfter in multikulturellen Kreisen, als dass sie spezifisch nach Landsleuten suchen würden. So geht’s auch Chiara Pareo. Sie kam 2017 nach Deutschland und tanzt seitdem am Staatsballett Hannover.

„In Deutschland ist es ein richtiger Job, in Italien wird Ballett eher als Hobby angesehen“, sagt sie. Acht der 28 Tänzer aus ihrer Truppe sind italienischer Abstammung. „Sie waren mir eine große Hilfe und Unterstützung, vor allem ganz am Anfang“, erzählt Chiara. Ansonsten ist die 24-Jährige jedoch neugieriger darauf, Deutsche und Menschen aus aller Welt kennenzulernen – sie selbst spricht in Deutschland vor allem Englisch.

Wenn sie dennoch Lust auf etwas Italien bekommt, geht sie mit Freunden ins Trattoria Parma. „Das ist ein richtiger Italiener, kein Fake“, betont sie. Die Pizza von Francesca und Fratelli steht bei ihr ebenfalls oben auf der Liste – ansonsten empfiehlt sie das Ombra für guten italienischen Kaffee.

Viel Zeit zum Ausgehen hat sie allerdings gar nicht, denn Chiara probt gerade für ihre nächste Premiere am 11. Februar: Drei zeitgenössische Ballettstücke in einem. So wie Vitellaro bedauert, dass die italienische Community nicht aktiver ist, bedauert Chiara, dass nicht mehr junge Menschen zum Ballett gehen: „Ballett hat eben noch einen angestaubten Ruf. Aber wir machen keine langweiligen Sachen – versprochen!“  

Kurz & Knapp

Italienisches Leben in Hannover

Die Deutsch-Italienische Kulturgemeinschaft e.V. besteht seit 1947 und gehört damit zu den ältesten Vereinen Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Der DIK organisiert Lesungen, Vorträge oder auch mal Kochseminare, meist im italienischen Konsulat.

Foto: U.S. Figli d'Italia Hannover 09

Das italienische Schulbetreuungskomitee Co.As.Sc.It. Hannover e.V. organisiert Förderkurse für italienisch-stämmige Schüler in Hannover und Niedersachsen, sowie Aktivitäten und Kurse, die das Erlernen der italienischen Sprache und Kultur fördern.

Sport verbindet: Der in Hannover-Badenstedt ansässige italienische Fußballverein U.S. Figli d'Italia Hannover 09 spielt in der 4. Kreisklasse.

Italienisch Essen & Trinken

Adesso

Foto: Adesso Hannover

Schnell übersieht man das schmucke Bistro in der Listerstraße 2, dabei ist es inzwischen eine kleine Institution in Hannover. Geführt wird das Restaurant von der Familie Locacciato, die aus Sizilien stammt. Wie alle Restaurants hatten auch sie mit Corona zu kämpfen und mussten für ein ganzes Jahr schließen, doch hat das Bistro seit August 2021 wieder auf, wenn auch nur abends an Wochentagen, ab 17.30 Uhr.

Trattoria Parma 

Die Wirtin Marina Piva stammt aus der Norditalien, ihr Kleidungsstil ist genauso berüchtigt wie ihre Küche. In der Bandelstraße 2 gibt es, wie der Name verheißt, Spezialitäten aus Parma – und köstliche Pasta in allen Variationen. Geöffnet ist Sonntag bis Donnerstag, 18 bis 22 Uhr sowie Freitag und Samstag von 18 bis 23 Uhr.

 La Forchetta

Foto: La Forchetta Hannover

Am Geibelplatz 1 wird authentisch italienische Küche serviert, mit frischen Zutaten, Fantasie und Lust auf Innovation: Hier landet auch mal Überraschendes auf dem Tisch – und die Speisekarte wechselt saisonal. Geöffnet ist Mittwoch bis Sonntag zwischen 17 und 22.30 Uhr.

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