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Vanlife in Spanien: Ab nach Spanien: ein Reisebericht

Stell dir vor, du liegst im Bett und plötzlich regnet es rein. Genau das ist uns in Nordspanien passiert, als plötzlich die Dachluke unseres Campervans “Giu” undicht war. Warum wir trotzdem seit einem knappen halben Jahr glücklich in unserem Zuhause auf Rädern durch Spanien reisen? Welche Tipps wir für euch haben und welche Orte ihr in Spanien nicht verpassen solltet? Das verraten wir euch in unserem Reisebericht!

von Lennart und Lina24 September, 2021
Pärchen Lina und Lennart küsst sich am Meer vor Campervan Giu
Das Wichtigste in 60 Sekunden

Lina und Lennart aus Niedersachsen haben sich vor rund zwei Jahren dazu entschieden, das Backpacker-Leben gegen das Vanlife einzutauschen. Jetzt sind sie unterwegs in Spanien und verraten uns ihre Lieblingsorte, Do’s vor jeder Fahrt und Dont’s beim Wildcampen, damit der Traum vom Vanlife im Zuhause auf vier Rädern nicht zum Albtraum wird.  

Anfang des Jahres haben wir unsere Wohnung und unsere Jobs gekündigt und sind im April zu unserer großen Reise aufgebrochen. Aus einer 120 m²-Wohnung, sind wir in unser 6 m² kleines, rollendes Zuhause auf vier Rädern, mit den notwendigsten Dingen eingezogen. Minimalistisch und befreit ging es für uns ohne Erwartungen und Pläne in ein selbstbestimmtes Leben Richtung Süden. Weshalb wir das ausgerechnet jetzt gemacht haben? In einem Alter, wo andere Kinder bekommen und sich ein Eigenheim kaufen? Wir wollten nicht bis zur Rente warten und riskieren, dass wir beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen so ein großes Abenteuer verpassen.

Mädchen und Hund leben im ausgebauten Camper das Vanlife
Süßer Hund lebt das Vanlife im Campervan Giu
Ausgebaute Küche in Campervan für entspanntes Vanlife
Blick in den ausgebauten Campervan Gui von Lina und Lennart

Erst ein paar Tage vor der Abfahrt haben wir uns für Spanien als großes Ziel für unsere Reise entschieden. Das gute Wetter, die traumhaft schöne Landschaft, aber auch die Situation im Blick auf Covid19 waren für unsere Entscheidung ausschlaggebend. Als die Fahrt begann, waren wir erleichtert, aufgeregt und voller Vorfreude. Doch dass wir in diesem Moment schon etwas sehr Wichtiges vergessen hatten, merkten wir erst nach gefährlichen zwei Stunden auf der Autobahn in Frankreich. Mit 120 km/h sind wir mit einer groß geöffneten Dachluke über die Autobahn gefahren. Die Dachluke hat zum Glück gehalten und ist nicht abgerissen. Der Start unserer großen Reise hätte also auch nach hinten losgehen können – Glück gehabt!

Vor jeder Abfahrt ist bei uns Folgendes zu beachten:

  • Hund (und natürlich uns) anschnallen
  • Alle Fenster und Dachluken verschließen
  • Schubladen schließen (mit Magneten oder Kugelschnappern)
  • Alle losen Dinge verstauen

So unwichtig sich das im ersten Moment auch anhören mag, umso wichtiger sind diese kleinen Vorbereitungen vor der Abfahrt. In den letzten Monaten mussten wir herumfliegendes Obst und Gemüse, gerissene Gitarrenseiten und ausgelaufenes Wasser beseitigen. Außerdem ist unser kleiner Gaskocher während der Fahrt aus dem Schrank gefallen und auf dem Boden in mehrere Teile zersprungen. Schon kleinste Schlaglöcher bringen unseren Camper ordentlich zum Schaukeln.

Wäscheleine im Campervan

In Spanien angekommen wurden wir von grauen Wolken und Regen begrüßt. Als Norddeutsche waren wir das eigentlich gewohnt, aber das hatten wir uns auf jeden Fall anders vorgestellt. Doch wie sagt man so schön? „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung!“. Also zogen wir unsere Regenjacken und Outdoor-Hosen an und erkundeten die grüne Natur an den Ausläufern der Pyrenäen.

Da wir eine Standheizung verbaut haben, mussten wir uns über Feuchtigkeit und Kälte in unserem Camper zum Glück keine Sorgen machen. Die Heizung nutzen wir übrigens nicht nur zum Heizen und Entfeuchten des Innenraums, sondern auch zum Haare trocknen. Lina legt sich dazu einfach kurz vor den Luftausströmer, ein Föhn wird dadurch überflüssig.

Costa Brava – Die Wilde Küste

Nachdem wir die ersten Tage nutzten, um anzukommen und unsere Akkus wieder aufzuladen, fuhren wir weiter Richtung Ostküste. Dass Spanien nicht nur große Sandstrände zu bieten hat, zeigt die „Costa Brava“. Übersetzt bedeutet das die „wilde Küste“ und sie macht ihrem Namen wahrlich alle Ehre. Die Costa Brava ist bekannt für die sehr engen, kurvigen und teils steilen Straßen der Küste entlang, sodass es so manchem schonmal etwas übel werden kann. Der Ausblick auf das Meer und die Berge machen jedoch jedes Unwohlsein schnell wett. Zudem sind hier zahlreiche Radfahrer*innen unterwegs, daher ist besonders beim Überholen Vorsicht geboten. Diese Gegend zählt zu einem unserer Highlights der Reise durch Spanien, da die steilen Klippen und wunderschönen Strandbuchten der Costa Brava einfach magisch sind!

Tipps für die Stellplatzsuche

  • Satellitenfunktion bei Google Maps
  • Die App park4night
  • Locals fragen oder Empfehlungen von anderen Reisenden nutzen

Mit vielen neuen Eindrücken ging es für uns an der Küste entlang weiter in Richtung Süden. Wir haben einen Tag in Barcelona verbracht und uns die nostalgische Altstadt angeschaut. Durch die Pandemie war es in den kleinen Gassen fast menschenleer, die Atmosphäre dagegen hat uns dankbar erfüllt. 

Vanlife Pärchen umarmt sich in der Natur am Wasser

Normalerweise halten wir uns in Städten eher selten auf. Wir lieben die Ruhe und Vielfalt der Natur und suchen uns daher eher Stellplätze an abgelegenen Orten. So kam es an einem Stellplatz im Naturgebiet Ebro Delta dazu, dass wir inmitten von hunderten Flamingos standen. Es waren die ersten Flamingos, die wir je in der Wildnis gesehen haben. Für uns ein weiteres großes Highlight unserer Reise!

Wildcampen in Spanien

Das Wildcampen bzw. so genannte „Freistehen“ ist in Spanien generell möglich und wird meist geduldet. Allerdings geht jede Region damit unterschiedlich um. Bislang haben wir auf unserer Reise ausschließlich gute Erfahrungen mit der Policiá und der Guardia Civil gemacht. Damit hohe Strafen beim Wildcampen vermieden werden, ist folgendes zu beachten:

  • Parke nicht direkt auf Dünen, Ackerflächen oder in Naturschutzgebieten
  • Verhalte dich respektvoll gegenüber Anwohner*innen, Landwirt*innen und der Polizei
  • Nutze die Natur nicht als Toilette (mehr dazu weiter unten)
  • Halte Abstand zu den dort lebenden Tieren, bitte nicht füttern
  • Verlasse den Stellplatz sauber
  • Baue kein Camp (z. B. Stühle, Tisch, Markise) auf
  • Parke nicht auf Auffahrkeilen
  • Entsorge dein Grauwasser nicht in der Natur

Nur, wenn wir Vanlifer uns respektvoll verhalten, ist das freie Reisen im Campervan möglich. In Portugal wird das Freistehen für Wohnmobile und Campervans seit Anfang 2021 hart bestraft. Der Grund ist der viele Müll, der von vielen Menschen am Strand oder in den Dünen hinterlassen wurde. Zudem wurde die Natur dort so sehr als Toilette genutzt, dass die Bereiche um die schönen Stellplätze voller Fäkalien und mit benutztem Klopapier überseht sind. Hier in Spanien mussten wir leider auch die Erfahrung machen, dass Wälder und Dünen an gut besuchten Stellplätzen von Fäkalien verschmutzt sind und nicht mehr zu begehen sind.

Die beste Lösung für dieses Problem ist eine eigene Toilette. Die Auswahl an Campervan-Toiletten ist riesig. Es gibt Chemietoiletten, günstige Eimer mit Klobrille und -Deckel, aber auch Klapptoiletten, die wenig Platz wegnehmen. Unser Favorit ist die Trockentrenntoilette. Diese ist zwar etwas teurer im Kauf (selbstbauen deutlich günstiger), überzeugt uns aber immer wieder. Sie ist einfach zu handhaben und es entstehen kaum unangenehme Gerüche. Das Beste an einer Trockentrenntoilette ist, dass sie bei der Verwendung mit biologisch abbaubaren Säcken am umweltfreundlichsten ist. In „Giu“ nutzen wir diese seit Beginn unserer Reise und sind wirklich sehr zufrieden. Ohne unsere „TTT“ werden wir nicht mehr losfahren! 

Wichtig: Fäkalien sind Rest- kein Biomüll und gehören dementsprechend entsorgt.

Falls dafür der Platz absolut nicht ausreicht, bietet dir ein (Klapp-)Spaten die Möglichkeit, die Fäkalien zumindest zu vergraben. Das Toilettenpapier sollte aber auch dann mitgenommen und im Müll entsorgt werden!

10 Dinge, die wir beim Vanlife nicht mehr missen möchten:

  1. Magnethaken
  2. Handfeger
  3. Picknickdecke
  4. Auffahrkeile
  5. (Trockentrenn-) Toilette
  6. Dachluke
  7. Thermomatten
  8. Feuerlöscher
  9. Moskitoschutz
  10. Wasserwaage

Nächster Halt: Andalusien

Nach einer eindrucksvollen Zeit an der Ostküste Spaniens sind wir auf direktem Wege in den Süden Richtung Málaga gefahren. Linas Großeltern waren damals dort. Also haben wir sie mit einem Besuch überrascht. Auf der Fahrt haben wir die Vielfalt Spaniens entdeckt. Die Landschaft aus wilden Buchten mit steilen Felsen wechselte zu langen weißen Sandstränden, Feldern und Weiden. Wir sind in Andalusien angekommen!

Hund auf Stand up Paddle Board zeigt den Alltag im Vanlife

Als die schöne Familienzeit vorbei war, sind wir in der Camperhochburg Südspaniens angekommen: Tarifa. Aufgrund der Windbedingungen ist Tarifa vor allem bei Kitesurfern weltbekannt. Da man kilometerweit direkt am Strand parken kann, ist die Anzahl an Campervans riesig. An diesem wunderbaren Ort haben wir ganze fünf Wochen verbracht. Für uns war es eine Zeit der Gemeinschaft, der Ruhe und der Freiheit. Beachball und Yoga, Pizza zum Strand bestellen und tiefsinnige Gespräche machten aus unserer Gruppe von sieben Campern einen eingeschweißten Freundeskreis.

Das Highlight hat uns gleichzeitig auch zum Nachdenken gebracht. Vom Strand aus kann man die Küste von Marokko sehen. Tarifa ist der südlichste Punkt auf dem europäischen Festland und nur ca. 15 Kilometer von Afrika entfernt. Während wir täglich Sommer, Sonne und Strand genießen durften, begaben sich gleichzeitig zahlreiche Menschen auf eine gefährliche Flucht nach Europa.

Den schrecklichsten Tag unserer Reise haben wir ebenfalls in Tarifa erleben müssen. Unsere kleine Hündin Fiby hat unbemerkt am Strand etwas Hochgiftiges gefressen, sodass sie nach kurzer Zeit fast bewusstlos in unseren Armen lag. Durch eine starke Infusion beim Tierarzt und viel Ruhe, ging es ihr nach einer Woche zum Glück wieder gut. Der Schock sitzt heute noch tief.

Ab in den Norden!

Nach einer aufregenden Zeit in Spaniens Süden haben wir uns mit einem Zwischenstopp in der Gegend um Granada, auf den Weg in Richtung Nordspanien gemacht. Zwei Wochen sind wir durch das Landesinnere gefahren und haben Lagunen und Wasserfälle bestaunt. In dieser Zeit haben wir unsere Leidenschaft für das Wandern entdeckt. Wanderfans sollten sich die Wege rund um die Sierra Nevada bei Granada merken! Da wir das Land im Juli durchquert haben, waren 40° C fast alltäglich. Ohne die Hitze wären wir noch länger an den großen, türkisfarbenen Seen geblieben und hätten die ein oder andere Wanderung mehr genossen. Hierhin kehren wir definitiv nochmal zurück!

Vanlife Freunde sitzen abends zwischen Campervans und Lichterketten
Tätowiertes Vanlife Mädchen küsst Hund in Campervan
Pärchen mit Hund wandert in Bergen beim Camping
Campervan steht vor Steinwand in Granada

Der Norden von Spanien kühlte uns mit seinen Temperaturen um die 20° C sowie seinem wechselhaften, regnerischen Klima extrem ab. Nach einem kurzen Stopp in der schönen Stadt San Sebastian fuhren wir deshalb weiter in den Westen. Der Sonne entgegen.

Unsere 5 Lieblingsorte:

  • Costa Brava (z. B. die Altstadt von Tossa de Mar)
  • Tarifa
  • Los Picos de Europa
  • Sierra Nevada
  • Galizien (Surferstrände)

Viele Kilometer haben wir in dieser Zeit hinter uns gelegt. Sorgen um unser Fahrzeug mussten wir uns bisher zum Glück keine machen. Durch unsere Camperversicherung konnten wir uns beruhigt auf das Fahren konzentrieren. Bei einem möglichen Schaden wären wir auf der sicheren Seite und müssten uns (fast) um nichts kümmern. Dennoch waren wir froh, als wir heile in der Nähe von Vigo angekommen sind.

Camper- und WohnwagenversicherungEntspannt und sicher die Welt entdecken

Seit Ende Juli befinden wir uns jetzt schon im grünen Galizien und genießen die Zeit am Meer. Wir haben einen naturbelassenen Stellplatz gefunden, an dem wir ganze zwei Wochen standen. Doch nicht nur durch die schöne Natur wurde die Zeit an diesem Platz unvergesslich. Von unserem Camper aus beobachteten wir mehrmals, wie eine Gruppe von Delfinen an der Küste entlang schwamm – direkt vor unseren Augen. Diese hautnahe Begegnung werden wir nie wieder vergessen.

Für uns geht es im September über Portugal wieder zurück in den Süden von Spanien. Dort werden wir den Herbst verbringen und tiefer in die Kultur von Andalusien eintauchen. Wir sind schon gespannt, welche neuen Abenteuer auf uns warten und welche tollen Menschen wir treffen werden. Ihr könnt uns hier auf Instagram folgen.

Good to know:

  • Spanische Einwohner*innen freuen sich darüber, wenn man versucht, Spanisch mit ihnen zu reden (ein paar Basics vorher einzustudieren kann Freu(n)de machen)
  • Spanien ist hundefreundlich, manchmal muss man etwas suchen, aber es gibt überall tolle Strände, an denen Hunde auch in der Hauptsaison toben dürfen. Lediglich im Restaurant sind Hunde nicht gerne gesehen (Außenbereich kein Problem)
  • Bio Lebensmittel kann man in Spanien nur in bestimmten Supermärkten kaufen (z. B. Lidl) oder in speziellen Bioläden. Das Angebot ist noch nicht so groß wie in Deutschland
  • Grillen auf Holzkohle ist in Spanien im Hochsommer verboten. Daran sollte sich gehalten werden, sonst drohen hohe Strafen oder schlimmer noch: Brände
  • In Spanien spricht man nicht nur spanisch, sondern z. B. auch Gallego (Galizisch), Catalán (Katalanisch) und Vasco (Baskisch)

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