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Kryptowährungen: 1,6 Millionen im Wallet: So geht anlegen

Micha ist kein Zocker, nicht im klassischen Sinne und nicht im Krypto-Sinne. Mit 29 hat er das erste Mal investiert, das war 2017. Seitdem sind 20.000 Euro seines Ersparten in Kryptowährung geflossen – heute sind daraus 1,6 Millionen worden. Im Interview erklärt er uns, wie das ging.

Redakteurin Annika Adler
von Annika Adler28 Dezember, 2021

Micha kommt ursprünglich aus dem Bereich der Fotografie und des Kommunikationsdesigns. Über Umwege wurde er zum Projektmanager im Marketing, eine Veranlagung zur IT hatte er schon immer.

2017 erzählte ihm ein Kollege, dass er Kryptowährung gekauft hatte – Ethereum, mittlerweile die zweitstärkste Kryptowährung der Welt. Seitdem hat er viele Stunden seines Lebens diesem Thema gewidmet, es zu seinem Hobby gemacht. Detektiv spielen nennt er das Durchforsten und Analysieren der aktuellen Projekte und Entwicklungen. Mit der Zeit, die er investiert, arbeitet er auf eine zukünftige, finanzielle Unabhängigkeit hin – und ist auf einem sehr guten Weg.

Wie es anfing

JetztLosleben: Erinnerst du dich noch an deinen ersten Berührungspunkt mit Kryptowährung?

Micha: Die Begriffe Kryptowährung und Bitcoin, die waren mir schon früher geläufig, durch alte Freunde. Da habe ich immer nur mitbekommen, dass es höher geht, höher geht, höher geht. Aber so richtig damit befasst hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht. Erst 2017, als mir der Kollege/ Freund von Ethereum erzählt hat. Das sei viel besser als Bitcoin – daraufhin sind wir ins Gespräch gekommen. Im August 2017 habe ich mir dann das erste Ethereum gekauft. Aber auch nur ein bisschen, um reinzukommen. 100 Euro, die ich gerade noch erübrigen konnte. Dann hat es mich irgendwie gepackt. Der Kurs ging ein bisschen hoch, also habe ich noch etwas mehr investiert. Ab da habe ich regelmäßig das, was ich vom Gehalt so abknuspern konnte, in Krypto gesteckt. 

Das Krypto-1x1

Was ist Kryptowährung?

Kryptowährung ist ein digitaler Vermögenswert, der ohne Mittelsmänner von A nach B verschoben werden kann. Klassische Überweisungen laufen über mehrere zentrale Stationen, meist Banken, hinweg. Transaktionen mit Krypowährung sind dezentral ohne diese Abhängigkeit, Aufsicht oder Mitwirkung von außen möglich, hier gibt es nur noch A und B.

Welcher Mechanismus steckt dahinter?

Das Ganze wird durch die Blockchain-Technologie ermöglicht, die erstmals bei Bitcoin implementiert wurde. Die Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, in der alle Transaktionen in Blöcken festgehalten werden. Laut Micha kann man sich das so vorstellen: „Da sind ganz viele Schreibtische und hinter jedem sitzen Leute mit Registerbüchern. Jeder Block der Blockchain läuft auf allen Schreibtischen gleichzeitig ab und jeder schreibt zeitgleich in sein Buch, was in diesem Block passiert ist. Sprich: ‚A hat einem Rezipienten B diese Menge an Bitcoin gesendet.‘ Durch dieses Prinzip, bei dem ganz viele Stellen gleichzeitig schreiben, wird das Ganze fälschungssicher. Würde jetzt irgendein Ganove an einem Schreibtisch hocken und sagen: ‚Ah, der hat mir jetzt aber statt einem Bitcoin zwei Bitcoin geschickt‘, dann würde das so häufig gegengeprüft werden, dass man diese Abweichung in den Registereinträgen sofort erkennen würde.“

Ethereum hat diesen Mechanismus um Bedingungen ergänzt – und wurde so quasi zur nächsten Evolutionsstufe nach Bitcoin. Bedingungen, das kann zum Beispiel heißen, festzulegen, dass bei einer Transaktion von A nach B, automatisch ein kleiner Betrag an C geschickt wird. Das Geld wurde programmierbar. Diese sogenannten Smart Contracts haben Ethereum zur zweitgrößten Währung hinter Bitcoin gemacht. 

Proof of Work vs. Proof of Stake

Das Aufschreiben von Blocks, das Micha beschreibt, wird durch z. B. Mining ermöglicht. Das funktioniert über das Lösen von Rechenaufgaben. Zum Validieren der Transaktionen werden mathematische Aufgaben gelöst, die wiederum Rechenleistung, also eine Art Aufwand bzw. Energie benötigen. Dieses Prinzip nennt sich „Proof of Work“. Im Gegenzug für diese Arbeit bekommen die Personen, die in Michas Metapher hinter den Schreibtischen sitzen, als Belohnung einen gewissen Teil an Bitcoin.Bei anderen Kryptowährungen funktioniert das Aufschreiben der Blocks auf Basis eines „Proof of Stake“ Algorithmus. Nutzer hinterlegen ihre Anteile an einer Kryptowährung (Staking) und erhalten dann die Chance, Transaktionen auf der Blockchain zu validieren. Ihre hinterlegten Token gelten als Garantie für die Rechtmäßigkeit dieser Validierung. Im Gegenzug erhalten Nutzer dafür einen bestimmten Prozentsatz an Zinsen.

JetztLosleben: Was steht für dich als Motivation hinter solchen Investitionen?

Micha: Also für mich geht es primär um die Vermögensgenerierung. Das Ganze ist in der Vergangenheit immer in Wellen verlaufen: Es ging mal steil nach oben, es ging mal steil nach unten, aber grundlegend war schon eine steigende Tendenz erkennbar. 

Trotzdem ist es eben auch ein verdammt risikoreiches Asset. Im Moment macht es noch einen sehr, sehr großen Teil meines Portfolios aus, weil ich ein risikofreudiger Mensch bin und Chancen darin sehe. Langfristig ist das Ganze für mich eher ein Baustein, es hat für mich einen Platz in der Vermögenserhaltung. Denn was Bitcoin so wertvoll macht, ist natürlich der Mechanismus dahinter, aber eben auch, dass es nur eine begrenzte Anzahl an Bitcoin gibt. Im Moment sind 19 Millionen im Umlauf, es wird maximal aber nur 21 Millionen Bitcoin geben. Das macht es einem begrenzten Rohstoff wie Gold ähnlicher und schützt so auch vor Inflation. 

Wenn man sein Geld nicht anlegt und nur auf dem Konto behält, verliert man bei einer Inflation von vier Prozent und niedrigen Zinsen de facto nur.

Ich erhoffe mir von diesem Geld, irgendwann das arbeiten zu können, auf was ich Lust habe. Weg von 9 to 5 – wobei das bei mir sowieso eher 7 to 7 ist. Ich will mein eigenes Ding machen und nicht von irgendwelchen Gehältern abhängig sein. Und natürlich möchte ich das nicht nur mir ermöglichen, sondern auch meiner Partnerin. Ich hole auch gerne mal Freunde mit ins Boot, weil ich eben denke, dass das eine coole Sache ist und man dann gemeinsam an einem Strang ziehen kann.

JetztLosleben: Wie viel deiner Zeit beschäftigst du dich denn mit dem Thema?

Micha: Bei mir ist es extrem, grundsätzlich schon so 3 Stunden am Tag. Das ist ja mehr als nur Bitcoin oder Ethereum, da gibt es Projekte wie Sand am Meer. Natürlich braucht es Zeit, die auszusieben und zu schauen, was sie so können. Aber für mich ist gerade das ein ganz großer Spaßfaktor, das ist so ein bisschen wie Detektivarbeit: immer recherchieren, Informationen durchforsten und so. Es ist eine Mischung aus dieser Arbeit und der Suche nach Bestätigung auf Twitter oder in anderen sozialen Medien. Klar sind das eigentlich Echochambers, in denen sich alle nur gegenseitig bestärken, aber wenn dann alle eine Sache cool finden, in die man investiert hat, denkt man sich eben: „Super, ich habe die richtige Entscheidung getroffen“ und holt sich eine Runde Dopamin ab.

JetztLosleben: Drei Stunden täglich, das klingt stressig.

Micha: Ja, Stress ist es auf jeden Fall. Vor allem gibt es manchmal Token-Vorverkäufe und der Markt ist rund um die Uhr offen... Letztens habe ich mir den Wecker auf zwei Uhr nachts gestellt, bin an meinen Rechner, habe ein paar Coins gekauft, bin wieder schlafen gegangen. Als Außenstehender würde ich wahrscheinlich denken: „Oh Gott… und was für ein unzusammenhängender Wuscht!“ Da gehört so viel dazu, das ist so unüberschaubar wie ein Wollknäuel, das man abgerollt und einfach hingeworfen hat. Aber wenn man es entwirrt, steckt es voller Möglichkeiten.

Die richtige Strategie

Jetztlosleben: Diese komplexen Zusammenhänge zu entwirren, ist keine leichte Sache. Wie hast du dir dein Wissen angeeignet?

Micha: Sobald mich etwas packt, bin ich einfach jemand, der sich da komplett reinfuchst. Ich hatte das auch schon beim Brotbacken. Mein neuestes Faible ist ein ziemlich komplexes 3D-Programm. Aber das Informieren über Krypto ist auch mir schwergefallen. Denn auf YouTube findet man eigentlich nur diese Menschen, die alles hypen. Die finden dann eine Shitcoin wie Shiba Inu oder Safe Moon und hypen sie, weil sie das Ding selbst schon gekauft haben. Dann machen sie YouTube Videos, drängen ihre vielen Follower dazu, zu kaufen, treiben damit den Kurs hoch und dann verkaufen sie selbst wieder. Das ist sehr gefährlich. 

Solche Kaufempfehlungen, gerade auf YouTube, sollte man unbedingt hinterfragen!

Dass solche Maschen möglich sind, geht eben, weil das Krypto-Universum unreguliert ist. Das hat alles Vor- und Nachteile.

Ich selbst habe mit Reddit-Foren angefangen. Jetzt ist es vermehrt Twitter, wo ich mir meine eigene Bubble zusammenbaut habe, in der es wertvolle Informationen gibt. Aber ich tausche mich auch auf Discord mit Freunden aus, die schon viel länger dabei sind als ich. 

JetztLosleben: Was ist deine Strategie, wenn es um‘s Investieren geht?

Micha: Also vorab: Ich bin kein Trader, ich sehe mich eher so als mittel- bis langfristiger Investor. Ich suche mir ein gutes Projekt, von dem ich denke, dass es Potenzial hat und dann halte ich es auch mindestens ein Jahr lang, bevor ich überhaupt daran denke, Gewinne zu realisieren. Mit diesem „Elon Musk hat gerade über Dogecoin getwittert, ich muss sofort Dogecoin kaufen, denn jetzt geht es hoch und dann verkaufe ich es wieder“ sind schon viele auf die Schnauze gefallen.

Man weiß nie, was der Markt macht. Man denkt vielleicht, man weiß es. Aber dann kommt alles irgendwie anders. Deshalb muss man viel Erfahrung haben, um zu traden.

Meine Strategie ist stattdessen: Unten rein, warten, warten, warten, und dann irgendwann wieder raus. 

JetztLosleben: Neue Währungen schießen überall aus dem Boden, mittlerweile gibt es mehr als 12.000. Woran machst du fest, welche sich lohnen?

Micha: Ich achte darauf, dass die Coins einen vernünftigen Use Case haben. Also Projekte aus der Krypto-Welt, die gewisse Probleme lösen oder zumindest angeblich lösen. Klar kann man auch mit Shitcoins, deren Idee nicht durchdacht ist und die keinen Use Case haben, Gewinne einfahren. Aber das ist dann wirklich wie Lotto, reines Gamblen. Auch die Tokenomics müssen stimmen. Manche Preise sind viel zu überbewertet für das, was man da eigentlich einkauft. Es kann auch sein, dass im Moment noch relativ wenige Coins im Umlauf sind, aber Coin-Emissionen geplant sind – und dann gibt es nach vier Jahren auf einmal zehnmal so viele davon. Das sind Sachen, die man dann im Blick haben muss.

JetztLosleben: Hast du ein Erfolgs-Beispiel, bei dem sich deine Strategie bezahlt gemacht hat?

Micha: Ja, bei Terra Luna zum Beispiel. Da bin ich mal durch eine Recherche drauf gestoßen. Use-Case-mäßig war es so, dass es in Südkorea ein System gibt, mit dem Menschen dort mit einer App bezahlen können, bei der eigentlich im Hintergrund die Blockchain arbeitet.

Die Transaktionsgebühren sind dadurch niedriger, weil alles automatisiert ist und schneller geht. Die Menschen und Geschäfte, die das professionell benutzen, sparen dadurch unglaublich an Gebühren und Nutzer bekommen Rabatte, z. B. auf einmal dreißig Prozent auf’s Tanken. Also ein Payback System, nur in cool – nicht wie bei uns, wo man Punkte sammeln muss. Und erstaunlicherweise hatte die App damals, als ich sie gefunden haben, 2,5 Millionen Nutzer in Südkorea. So viele Leute, die am anderen Ende der Welt mit einer App bezahlen, die auf Blockchain läuft, das hast du sonst nie. Und trotzdem hatte sie hier niemand auf dem Schirm und die Kryptowährung Luna war auf der Top-Liste noch irgendwo auf Platz 200 oder so. Aber Luna basiert auf „Proof of Stake“, man schließt also seine Anteile weg und bekommt dafür Anteile der Transaktionen, die in diesem Netzwerk passieren. Und die Nutzer bezahlen ja ständig innerhalb dieses Netzwerks. 

Bis zu dem Zeitpunkt habe ich in meinem Portfolio versucht, immer relativ sicher zu halten: ein bisschen Ethereum, ein bisschen Bitcoin. Aber da habe ich einfach meine eigenen Regeln gebrochen und tatsächlich ein Drittel meines Portfolios da reingeshiftet. Heute ist Luna auf Platz 9, das war also ein guter Riecher.

JetztLosleben: Was bedeutet das konkret in Zahlen?

Micha: Ich hatte damals, also vor einem guten Jahr, als ich mich entschlossen habe, mich auf Luna zu fokussieren, achttausend Euro. Da habe ich für irgendwo zwischen zwanzig und fünfzig Cent pro Coin gekauft. Jetzt gerade liegt der Preis bei knapp siebzig Euro. Das ist eine Wertsteigerung um das Zweihundertfache. Also es hat sich schon gelohnt.

JetztLosleben: Gab es Projekte, bei denen das Ganze nach hinten losgegangen ist? Wie minimierst du deine Risiken?

Micha: Na klar, auf jeden Fall. Aber deswegen habe ich eigentlich meine Regeln. Normalerweise versuche ich, die Risiken methodisch zu minimieren – so gut es bei Krypto eben geht. Wenn sich neue Projekte auftun, investiere ich erstmal ein kleines bisschen und schaue, was passiert. Ansonsten versuche ich mein Risiko zu streuen. Denn wenn man in ein relativ risikoreiches Projekt, das relativ neu ist, investiert, kann es passieren, dass man morgens aufwacht und das Ding ist fünfzig Prozent nach unten gegangen. Aber es kann eben auch sein, dass es fünfzig Prozent nach oben gegangen ist. Solche Coins, die diese Fünfzig-Prozent-Moves machen, machen nur einen sehr geringen Anteil meines Portfolios aus. Ein Teil ist im mittleren Segment und der größte Teil ist aufgrund des Wachstums mittlerweile automatisch in diesem sichereren Segment gelandet. 

Das Ergebnis

JetztLosleben: Was macht du mit den Gewinnen, reinvestieren oder irgendwann beiseitelegen?

Micha: In den letzten Monaten habe ich angefangen, Teile der Position aufzulösen. Einfach, weil es wahnwitzig wäre, es nicht zu tun. Man muss das Ganze in Relation setzen: Was hat man rein, was ist daraus geworden? Deshalb setze ich mir Preisschwellen, bei denen ich dann ansetze und etwas auf die Seite lege. 

Insgesamt habe ich knapp 20.000 Euro investiert, daraus sind 1,6 Millionen geworden. Davon habe ich bisher 18 Prozent realisiert.

Man muss aber wirklich sagen, dass diese zentrierte Wette auf die Luna-Geschichte sich dabei am meisten bewährt hat.

Ein heißes Thema ist im Moment außerdem Decentralised Finance. Sprich, dass man verschiedene Strategien wie Bausteine aneinanderstecken kann und sich dann überlegt: Was mache ich jetzt mit meinem Geld? Wie verteile ich? In welche Strategie stecke ich das, um z. B. irgendwelche Sachen zu farmen? Hier kann man sich Geld leihen, wenn man dies als Sicherheit hinterlegt, dann kann ich mir davon wiederum das kaufen und dann damit wieder farmen und so weiter… Damit sollte man sich auf jeden Fall näher befassen, auch wenn das Ganze sehr chaotisch wirkt.

Du siehst, mit den richtigen Investitionen in Kryptowährung kannst du schnell ein kleines Vermögen aufbauen. Aber wohin damit? Mit dem VGH Niedersachsen Tresor hast du die Möglichkeit, einmalig ab 10.000 Euro in deine private Altersvorsorge zu stecken – ein Aspekt deines Lebens, bei dem du dich erstmal absichern solltest, bevor du weitere Risiken eingehst. Dank professionellem Fondmanagement musst du dir außerdem keine Sorgen über Kursentwicklungen machen. Bei Rentenbeginn kannst du dann entscheiden, ob du dir dein Kapital als eine lebenslang garantierte Rente, in einer Summe oder als Mix aus beidem auszahlen lassen möchtest.

VGH NiedersachsenTresorEndlich den Kopf frei für’s Alter

Welche Anfänger sollten investieren und wie?

JetztLosleben:Solche Gewinne erhoffen sich natürlich viele, trotzdem hast du auch die Kehrseite der Medaille schon betont. Würdest du jedem empfehlen, in Kryptowährung zu investieren?

Micha: Ich denke da an meine Mutter. Die hat letztens gefragt, ob’s denn gut läuft mit Krypto. „Ja, läuft gut“, habe ich geantwortet. Ob sie da auch was investieren soll? „Kannst du schon machen“, habe ich gesagt. "Ja, aber ich will nicht, dass es weg ist." Und das ist genau das Ding. Ich bin da thematisch drin und ich kenne die Risiken, deswegen kann ich auch Vollgas geben. Aber das ist wie im traditionellen Portfolio: Da hat man irgendwelche Einzelaktien mit hohem Risiko, ETFs mit ein bisschen weniger und dann vielleicht noch Anleihen oder sowas.

Für manche Menschen könnte Bitcoin oder Kryptowährung an sich einfach einen kleinen Portfolio-Hochrisikoanteil ausmachen. Denn dadurch, dass es so viele Wachstumsmöglichkeiten gibt, kann dieser kleine Risikoanteil – auf 10-Jahres-Sicht betrachtet – den kompletten Rest outperformen. 

Deshalb frage ich immer nach der Risikoschwelle, wenn Leute zu mir kommen und mich um Rat bitten. Wer wie meine Mutter bloß nichts verlieren will, dem empfehle ich etwas ganz anderes als jemandem, der Anfang zwanzig ist und schnell Geld machen möchte. 

Ich glaube, für die breite Masse ist Kryptowährung lediglich als Baustein des Portfolios zu sehen. Dass jetzt alle Leute Krypto kaufen sollen und müssen, weil es das Tollste ist und immer nur nach oben geht, das ist eine Utopie und das ist Quatsch. Es kann ja nicht immer nur nach oben gehen. Wenn du morgens aufwachst und der Markt ist abgerutscht und du hast fünfundzwanzig Prozent weniger im Portfolio… Damit musst du umgehen können. 

Die Steuer nicht vergessen

Nicht alles, was du an Gewinnen mit Kryptowährung erzielst, kannst du dir einfach auszahlen lassen – zumindest nicht, ohne Steuern zu zahlen. Grundsätzlich gilt bei Coins eine Haltefrist von einem Jahr, ab dann kannst du steuerfrei gegen andere Coins bzw. in Euro umtauschen. Unterhalb dieses Jahres zahlst du Einkommenssteuer auf den erzielten Gewinn. Wenn du deine Assets allerdings zum Staking oder Lending einsetzt, erhöht sich die Haltefrist auf zehn Jahre. Auf die Erträge daraus musst du allerdings so oder so Einkommenssteuer zahlen, sobald du sie erhältst. Willst du diese Erträge wieder veräußern, verhält es sich wie bei normalen Coins: ein Jahr Frist bis du steuerfrei realisieren kannst.

JetztLosleben: Was sollten Neueinsteiger unbedingt noch wissen?

Micha: Es gibt viele Anlaufstellen, bei denen man sein Geld in Kryptowährung umtauschen kann. Sogenannte Börsen, die sind zentral. Wenn du aber auf einer Börse kaufst und die Kryptowährung dann auf dieser Börse liegen hast, gehört sie rein theoretisch gar nicht dir, weil die Börse sie ja für dich hält. Wenn die jetzt denkt: „Oh, jetzt haben genug User ihr Geld hier deponiert“ und den Abflug macht, guckt man ganz schön doof aus der Wäsche. Selbst wenn die Börse nur für dich staket, kann sie deine Gewinne abschöpfen. Es gibt so einen Spruch: 

Not your keys, not your coins.

Also: Die Coins möglichst zügig von diesen zentralen Börsen runterschaffen und ins eigene Wallet packen – am besten ist übrigens ein Hardware-Wallet. Dort können die privaten Schlüssel für Transaktionen offline abgespeichert werden, da es sich um ein echtes, physisches Medium wie einen USB-Stick handelt. Das ist um einiges sicherer.

Die Sache mit der Ökobilanz und die Zukunft des Marktes

JetztLosleben: Bitcoin hat ebenso wie Etherium und andere „Proof of Work“ Coins eine ziemlich schlechte Ökobilanz. Wie gehst du damit um?

Micha: Also erstmal: Ich bin auch kein Freund dieses hohen Energieaufwands. Eines der häufigsten Gegenargumente ist immer: „Ja, aber wieviel verbraucht denn so ein Bankensystem an Strom? Wieviele Hochhäuser werden dafür gebaut? Und wieviel Strom fressen die? Wieviel Energie wird aufgewendet, um das Bankensystem am Laufen zu halten?“ Dazu kommt, dass China die Miner mehr oder weniger aus dem Land getrieben hat, weil sie eben viel zu viel Energie verbrauchen. Jetzt sind sie größtenteils in Amerika, wo es sehr viele Initiativen gibt, diesen Strom, der zur Bitcoin Gewinnung gebraucht wird, zumindest grüner zu gestalten – also dass er aus erneuerbaren Energien kommt. 

Warum viele Kryptowährungen eine schlechte Ökobilanz haben

Das Problem ist der Mechanismus dahinter, der „Proof of Work“ Algorithmus. Denn die mathematischen Gleichungen, die gelöst werden müssen, um die Transaktionen auf der Blockchain zu validieren, werden immer schwieriger. Sonst wäre beispielweise die maximale Anzahl an 21 Millionen Bitcoins schon längst erreicht gewesen. Das heißt, zu Beginn des Systems waren solche Rechnungen noch relativ einfach zu bewältigen, mittlerweile braucht es dafür riesige Server mit enormer Rechenleistung. So entstehen regelrechte Farmen voller Rechner, deren Grafikkarten rechnen und rechnen und rechnen. Dieses Rechnen kostet enorme Mengen Strom, laut Cambridge Centre for Alternative Finance beanspruchen die Bitcoin-Rechner schätzungsweise 120 Terawattstunden Strom pro Jahr – das ist mehr als die Niederlande.

Aber ich bin nicht wirklich Fan des Mechanismus, der hinter Bitcoin steckt. Bei Coins die auf „Proof of Stake“ aufbauen, ist der Stromverbrauch wesentlich geringer. Da gibt es irgendwo vielleicht hundert Validatoren und jeder Validator entspricht einem Server – also im Vergleich schwindend gering. Ethereum läuft übrigens im Moment noch über „Proof of Work“, aber da tut sich was. Es wurden schon Pläne geschmiedet, damit das Ganze zu „Proof of Stake“ übergehen kann – das bedeutet auch weniger Energieverbrauch. 

JetztLosleben: Was denkst du, wie sich der Markt in den nächsten Jahren entwickeln wird?

Micha: Naja, man kriegt ja jetzt schon mit, dass mit der Zeit immer mehr klassische Finanzunternehmen in den Markt strömen. Zum Beispiel Banken aus Amerika, die ihren Kunden den Zugang zu Bitcoin ermöglichen wollen. Das Ganze wird viel institutioneller, glaube ich. Es fließt mehr und mehr Geld in den Markt, dadurch verschwindet irgendwann auch die Volatilität – zumindest im Mainstream. So wird sich die Krypto-Welt dem traditionellen Finanzmarkt immer mehr angleichen. Klar, noch stecken wir in den Kinderschuhen, aber das wäre meine Prognose.

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