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Blut spenden: Krempel die Ärmel hoch, du wirst gebraucht!

Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, werden in Niedersachsen 2.300 Blutspender gebraucht – und zwar täglich. Das DRK veranstaltet deshalb das ganze Jahr über Blutspendeaktionen, die die Leute dazu motivieren sollen, ihre Ärmel hochzukrempeln. Das Dilemma: In Zeiten von Corona, Hochwasser und Hitzesommer steigt der Bedarf an Blutkonserven, die Bereitschaft der Menschen Blut zu spenden, nimmt hingegen ab. Wir erklären dir, warum es so wichtig ist, regelmäßig Blut zu spenden, wie eine Blutspende überhaupt abläuft und ob wir in Zukunft mit künstlichem Blut rechnen können.

Redakteurin VGH Wiebke Knoche JetztLosleben
von Wiebke Knoche6 August, 2021
Blutpräparate mit Blut
Das Wichtigste in 60 Sekunden

Nur knapp 3 % der Deutschen spenden regelmäßig Blut. Viel zu wenig, um langfristig Versorgungsengpässe zu vermeiden. Weil Blutspenden häufig von einem Tag auf den nächsten gebraucht werden und nicht lange aufbewahrt werden können, ist es wichtig, häufiger als einmal die Ärmel hochzukrempeln. In der Regel dauert eine Blutspende nicht länger als eine Stunde, ist schmerzlos und kann bis zu drei Menschen helfen. Das gespendete Blut wird nicht nach Übersee verschifft, sondern kommt direkt bei uns in Deutschland, meist sogar in der Region, zum Einsatz oder wird in der Pharmazie zur Herstellung von Medikamenten verwendet. Spender können somit sichergehen, dass jeder Milliliter beim Patienten ankommt.

„Im Moment fehlen uns Spender“, sagt Markus Baulke, Sprecher des DRK-Blutspendediensts in Niedersachsen und Bremen. Grund hierfür: Die durch Corona verschobenen Therapien in den Krankenhäusern werden aktuell nachgeholt, weshalb der Blutbedarf extrem hoch ist. Andererseits machen sich die Lockerungen der Pandemie-Einschränkungen auf den Spendeterminen bemerkbar. „Wenn das Freizeitangebot wieder da ist, gerät die Blutspende gerne mal in den Hintergrund“, weiß Baulke. Die zuletzt hohen Temperaturen tun ihr Übriges. Geschwitzt wurde in den letzten Wochen lieber im Freibad anstatt auf dem Blutspendetermin. 

Kleiner Piks, große Wirkung

Im Schnitt kommen die Blutspender in Niedersachsen und Bremen 1,86-mal zur Blutspende. „Würden wir diesen Wert auf 2-mal kriegen, hätten wir keine Probleme mehr in der Blutversorgung“, erklärt Baulke. Oder anders gesagt: Kämen die 250.000 Menschen, die jährlich zur Blutspende gehen, durchschnittlich 0,14-mal häufiger, hätte das DRK rund 35.000 Blutpräparate mehr zur Verfügung – Konserven, die Leben retten. Vor allem, wenn man weiß, dass die Blutpräparate just in time verwendet werden. 

„Ein Blättchen-Präparat hält nur vier Tage. Das heißt wir können kein riesiges Lager an Blutpräparten aufbauen“, sagt Baulke. Im Gegenteil: In der Realität ist es meist so, dass eine Blutspende heute reinkommt und morgen bereits wieder weg ist. In der Krebstherapie könne es beispielsweise sein, dass pro Behandlung bis zu 30 Thrombozyten-Konzentrate in kürzester Zeit gebraucht werden. Bedeutet: Man braucht mehr als 30 Spender für eine erkrankte Person. „Damit die Kliniken ganzjährig mit Blut versorgt und saisonale Schwankungen ausgeglichen werden können, ist es enorm wichtig, dass die Menschen regelmäßig zur Spende kommen“, sagt der Experte. 

Das DRK arbeitet deshalb kontinuierlich daran, den Blutspende-Prozess möglichst angenehm und spenderfreundlich zu gestalten. Bedeutet: Termine werden zu Uhrzeiten angeboten, die sich möglichst gut in den Terminkalender integrieren lassen und die Orte, an denen die Blutspende stattfindet, sollen gut erreichbar sein. „Wir möchten, dass die Spender sich wohlfühlen und der Blutspendetermin keine stressige Angelegenheit ist“, sagt Markus Baulke. Dazu gehöre auch, dass der Termin bequem per App oder online reserviert werden kann. 

Kannst du die folgenden Fragen mit "JA" beantworten?

  • Fühlst du dich gesund und fit? 
  • Bist du über 18 und nicht älter als 69 Jahre? 
  • Wiegst du mehr als 50 kg? 

Glückwunsch, dann darfst du Blut spenden!

Bestandteile des Blutes
Mann auf Liege macht eine Blutspende
Untersuchung der Blutspende im Labor
Blutspende Ampullen für Untersuchung

Diese Blutspende-Arten gibt es

Erfüllst du die Voraussetzungen für eine Blutspende? Dann nichts wie los zum nächsten Spendetermin oder ins Blutspendezentrum. Du kannst dich übrigens entscheiden, ob du Vollblut, Plasma oder einzelne Blutbestandteile spenden möchtest. Gebraucht wird alles! Wir erklären dir kurz die wesentlichen Unterschiede:  

Vollblutspende

Bei einer klassischen Blutspende werden dir ca. 500 ml Vollblut aus der Armbeuge entnommen. Das dauert in der Regel etwa 10 Minuten. Frauen dürfen 4x und Männer 6x im Jahr Vollblut spenden. Zwischen zwei Blutspenden sollten normalerweise 12 Wochen liegen, mindestens aber 8 Wochen, sodass der Blutverlust wieder ausgeglichen werden kann. Du selbst wirst kaum merken, dass deinem Körper etwas Blut fehlt. Eine Vollblutspende kann übrigens bis zu drei Menschen helfen, da aus der Vollblutspende drei Präparate (Erythrozyten, Thrombozyten und Plasma) gewonnen werden und die Empfänger ganz gezielt die Komponenten des Blutes erhalten, die sie benötigen. 

Plasma-Spende

Das Plasma ist der flüssige Teil deines Blutes, der insgesamt 55 % deines gesamten Blutes ausmacht. Bei der Plasmaspende wird das Blut, das dir entnommen wird, mit Zellseparatoren in seine einzelnen Bestandteile aufgetrennt. Entnommen wird nur das Plasma, die anderen Blutbestandteile werden im Rahmen des Spendevorgangs zurück in deinen Körper geführt. Da dein Körper bei der Plasmaspende nur auf die Blutflüssigkeit verzichten muss und diese generell schneller nachgebildet wird, ist die Spende insgesamt schonender. Deshalb darfst du im Jahr auch bis zu 60x Blutplasma spenden. Zwischen zwei Plasmaspenden müssen allerdings mindestens zwei Tage liegen. Und: Vor einer Plasmaspende solltest du wenigstens einmal Vollblut gespendet haben, um zu wissen, dass du die Blutspende gut verträgst. Trinke vor deinem Termin ausreichend und verzichte möglichst auf fettiges Essen – das beeinträchtigt nämlich die Qualität deines Plasmas. Grundsätzlich gilt das aber für jede Art der Blutspende. Die Plasmaspende dauert etwas länger als die Vollblutspende, ca. 45 bis 60 Minuten. 

Thrombozyten-Spende

Die Thrombozyten sind die kleinsten Zellen des menschlichen Körpers mit wichtiger Funktion: Sie stärken deine Immunabwehr. In einem Liter Blut schwimmen 250 Millionen der kleinen Blutplättchen. Bei der Thrombozytenspende werden nur die Blutplättchen aus dem Spenderblut benötigt. Die Spende verläuft ähnlich wie die Plasmaspende: Deine Vene wird punktiert und du wirst mit einem Apheresegerät verbunden, in dem dein Blut geschleudert und in seine festen und flüssigen Bestandteile aufgeteilt wird. Die Thrombozyten werden gesondert gesammelt, der Rest deines Blutes wird mithilfe der Maschine zurück in den Blutkreislauf geleitet. Eine Thrombozytenspende dauert in der Regel zwischen 60 und 90 Minuten und ist alle 14 Tage möglich. Innerhalb von 12 Monaten darfst du maximal 26-mal Thrombozyten spenden.

Erythrozyten-Spende

Die roten Blutkörperchen versorgen deinen Körper mit Sauerstoff. Erythrozyten-Spenden werden vor allem von Menschen benötigt, die viel Blut verloren haben. Als Spender musst du die allgemeinen Voraussetzungen einer Blutspende erfüllen und solltest über 70 kg wiegen. Ansonsten verläuft die Erythrozyten-Spende ähnlich wie die Plasma- und Thrombozytenspende. Sie dauert knapp 30 Minuten und pro Jahr darfst du maximal dreimal Erythrozyten spenden. 

Leben retten kann so einfach sein

Tut die Blutentnahme weh? Kommt mein Körper mit dem Blutverlust klar? Und wie läuft die Spende vor Ort ab? Keine Frage – die Blutspende-Premiere ist eine aufregende Sache. Damit du weißt, was auf dich zukommt, haben wir den Ablauf einmal für dich nachgezeichnet.

1. Der Check-In

Hast du noch nie Blut gespendet, giltst du als Neuspender und wirst bei deinem Blutspendetermin zuerst einmal im DRK-Spendesystem erfasst. Anschließend bekommst du einen Fragebogen ausgehändigt, in dem du verschiedene medizinische Fragen beantworten musst. „Damit wird sichergestellt, dass die Blutspende sowohl für den Spender als auch für den Empfänger kein Risiko darstellt“, sagt Markus Baulke. Hier geht es zum Beispiel darum, ob du regelmäßig Medikamente nimmst oder ob du in den vergangenen Monaten außerhalb Deutschlands unterwegs warst. „Der Fragebogen ist extrem wichtig, da man nicht alles im Labor nachweisen kann“, so Baulke.

2. Vorfühlen am Laborplatz

Hast du den Fragebogen vollständig und ehrlich ausgefüllt, geht´s zur nächsten Station: Dem Laborplatz. Dort wird dein Hämoglobin-Wert gemessen. Hämoglobin ist ein wichtiger Bestandteil deines Blutes, der für den Sauerstofftransport zuständig ist. Ist dein Hb-Wert zu niedrig, darfst du kein Blut spenden. Bei Frauen sollte der Wert nicht unter 12 g/dL liegen, bei Männern gilt ein Hb-Wert unter 13 g/dL als zu niedrig. Doch kein Grund zur Panik: Ein leicht erniedrigter Hämoglobin-Wert ist nicht immer direkt auf eine Erkrankung zurückzuführen. Frauen haben beispielsweise während ihrer Menstruation häufig niedrigere Werte. „Der Teamarzt vor Ort hilft, das Ergebnis einzuordnen und gibt Tipps, was jetzt zu tun ist“, erklärt Baulke. Der Arzt gibt übrigens auch das finale Go, bevor es zur Blutspende geht.

3. Jetzt wird gespendet

Bist du körperlich und psychisch bereit für die Spende, kann der Blutspendeprozess eingeleitet werden. Du darfst es dir jetzt auf einer Liege gemütlich machen, damit deine Vene punktiert werden kann. Bei einer Blutspende werden immer 500 Milliliter Blut abgenommen. In der Regel dauert das nicht länger als zehn Minuten und ist – abgesehen von einem kurzen Piks beim Einstich – schmerzlos. Nach der Spende erfährst du, welche Blutgruppe du hast. Außerdem wird deine Blutspende gründlich auf Infektionskrankheiten untersucht. „Wird hier etwas Auffälliges entdeckt, bekommt der Spender innerhalb kürzester Zeit Bescheid“, so Baulke.

Nachdem das Blut entnommen wurde, solltest du noch kurz liegen bleiben. „Die Stammspender rennen meist direkt los“, lacht Baulke, „wir empfehlen jedoch, sich langsam aufzusetzen, den Schwindel zu checken und sich bei einem kleinen Imbiss zu stärken.“ Insgesamt solltest du für eine klassische Blutspende ca. eine Stunde Zeit einplanen. 

Solltest du vor Ort oder auf dem Heimweg widererwartend Kreislaufprobleme bekommen und ungünstig stürzen, bist du mit der privaten Krankenversicherung gut abgesichert. Sie übernimmt alle anfallenden Behandlungskosten und greift auch, wenn es zu anderen Verletzungen oder Erkrankungen kommt, die mit der Blutspende in Zusammenhang stehen. 

Private KrankenversicherungDer Rundum-Schutz für Blutspender

Der Weg des Blutes

Was passiert eigentlich mit dem gespendeten Blut? „Gerade die nachwachsenden Generationen haben einen hohen Anspruch, was Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimaziele betrifft“, sagt Markus Baulke. Deswegen sei der DRK-Blutspendedienst mehr denn je gefordert, für Aufklärung und Transparenz zu sorgen. „Es ist uns wichtig zu zeigen, dass die Blutspende in Deutschland bleibt und nicht irgendwo anders hin verschifft wird. Wir helfen aber natürlich aus, wenn ein Kollege aus anderen Bundesländern anruft und fragt, ob wir Blutpräparate übrighaben“, so Baulke. 

Eingesetzt werden die Spenden zur therapeutischen Behandlung in Krankenhäusern. Da der therapeutische Bedarf an Plasma geringer ist als der gespendete Vorrat, wird der Überschuss an die Pharmazie weitergegeben. „Mit dem Plasma werden dann lebenswichtige Medikamente hergestellt, die wiederum therapeutisch eingesetzt werden“, erklärt Baulke. Am Ende – und das sei entscheidend – komme somit jede Blutspende beim Patienten an. „Wo wir es schaffen, das richtig zu kommunizieren, steigt auch die Spendebereitschaft“, ist sich Markus Baulke sicher.

Experte für Blutspende Markus Baulke
Experte für Blutspende Markus Baulke

Blutspenden ohne Diskriminierung

Obgleich die meisten wissen, wie wichtig die Blutspende ist, scheitert es noch viel zu häufig am regelmäßigen Ärmel hochkrempeln. „Ich war doch letztes Jahr erst bei der Blutspende“ oder „Ich habe aktuell gar keine Zeit“ sind klassische Ausreden, die den Weg zur Blutspende immer wieder blockieren. Brauchen wir eine Spendepflicht, die uns dazu zwingt, Gutes zu tun? „Nein“, findet Markus Baulke, „die Blutspende muss immer freiwillig sein, denn es gibt Menschen, die vertragen sie nicht oder andere, die aus medizinischen Gründen nicht spenden dürfen.“ Eine Spendepflicht hätte zur Folge, dass jeder verpflichtet ist, sich zu erklären, warum er nicht spenden darf. „Davon halte ich nichts“, so der Sprecher des DRK. 

Mindestens genauso wenig hält er von einem Blutspendeverbot für homosexuelle und bisexuelle Männer. Diese dürfen in Deutschland bislang nur Blut spenden, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex mit einem Mann hatten. Vor 2017 waren sie sogar vollständig von einer Spende ausgeschlossen. Begründet wurde dies bislang mit einem erhöhten Übertragungsrisiko für Infektionskrankheiten wie HIV. Doch das soll sich jetzt ändern: Geplant ist, dass homosexuelle Männer, die in einer monogamen Beziehung leben oder bereits verheiratet sind, künftig Blut spenden dürfen. Und auch alle anderen sollen in Zukunft nicht länger zwölf, sondern nur noch vier Monate vor einer Blutspende auf Sex verzichten müssen. Der Nachweis darüber erfolgt über eine Selbstauskunft. „Ein Schritt in die richtige Richtung“, findet Baulke. „Es ist wichtig, dass diese Diskussion entstanden ist und nun auch politisch geführt wird.“ Die Veränderung, die kommen soll, werde beim DRK direkt umgesetzt.

Künstliches Blut: Blutersatz der Zukunft?

In Medienberichten wird immer wieder einmal von künstlichem Blut gesprochen. Und tatsächlich wird in Laboren weltweit eifrig daran geforscht, das wertvolle Organ künstlich herzustellen. „Mit einem Durchbruch können wir in absehbarer Zeit aber nicht rechnen“, sagt Markus Baulke. Und wenn, dann koste ein Milliliter Blut vermutlich Tausende von Euros. Ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Menschen problemlos regelmäßig 500 ml ihres Blutes abgeben könnte – und zwar kostenlos. Das Gefühl, Leben zu retten, gibt es gratis dazu. 

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