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Crowdfunding-Projekte: Niedersachsen und Bremen besser machen

Klimaprojekte und Businessideen der Zukunft unterstützen? Das geht zum Beispiel mit Crowdfunding. Denn Niedersachsen und Bremen sind die Heimat zahlreicher Ideengeber und kreativer Köpfe, deren Ziel es ist, die Welt – oder zumindest eure liebsten Bundesländer – nachhaltiger und sozialer zu gestalten. Und du kannst deinen Teil dazu beitragen! Wir stellen die Köpfe hinter einigen erfolgreichen Crowdfunding-Projekten vor und beleuchten den Weg hin zu einer erfolgreichen Kampagne.

Lisa Vogt Redakteurin JetztLosleben VGH
von Lisa Vogt14 Januar, 2022
Das Wichtigste in 60 Sekunden

Die meisten Ideen brauchen finanzielle Mittel – die viele Kreative, Gründer oder Umweltaktivisten nicht haben. Über Crowdfunding lässt sich dieses Problem lösen. Das ist der Grundgedanke von Plattformen wie „Startnext“ oder „Kickstarter“, wo Projekte eingestellt und von Internetnutzern finanziert werden können. Crowdfunding setzt auf die Schwarmintelligenz: Meist kann jeder mit einem kleinen Betrag mitmachen – und Ideen von morgen zur Umsetzung verhelfen.

Kevin Marcinkowski, Getback2theroots

Beinahe hätte es geklappt: Über 14.000 Euro hat Kevin Marcinkowski auf der Plattform Startnext eingesammelt. Der Plan des Bremers: einen Unverpackt-Laden zu eröffnen.

Getback2theroots“ sollte saisonale und regionale Produkte in Bio-Qualität anbieten, fairen Handel und nachhaltige Landwirtschaft unterstützen, lange Lieferketten vermeiden und Arbeitsplätze bieten. Zudem wollte der Trainer und Ernährungsberater, der auch mit Jugendlichen und Geflüchteten arbeitet, im Laden Workshops über Ernährung, Gesundheit und Nachhaltigkeit durchführen – alles Themen, die ihm am Herzen liegen. Eine Investorin hatte er bereits, die Crowdfunding-Aktion sollte eine Ladenfläche samt Inneneinrichtung, Lebensmittel-Spender und ein Kassensystem finanzieren. „Allein die Spender kosten um die 8.000 Euro“, erzählt Kevin. Um die 60.000 Euro würde die Eröffnung des Ladens insgesamt kosten. Deswegen setzte er auf die Macht der Crowd.

Crowdfunding: Die Gruppenfinanzierung

Die Idee hinter Crowdfunding, auch Schwarmfinanzierung genannt, ist simpel: Viele Menschen (die Crowd) finanzieren (funding) gemeinsam ein Projekt, eine Idee oder ein Unternehmen. Über Plattformen wie Kickstarter, Startnext oder Indiegogo rufen Gründer, Vereine, Aktivisten oder Kreative zum Spenden für Startups, Kunstprojekte oder Nischenprodukte auf. Laut einer Umfrage des Crowdfunding-Barometers 2020 hat sich bereits jeder sechste Bundesbürger an einem Crowdfunding-Projekt beteiligt. Rund 13.000 Projekte wurden allein auf Startnext bislang erfolgreich finanziert, mit einer Gesamtsumme von über 128 Millionen Euro.

Schwarmfinanzierung ist eine gängige Alternative zum Bankkredit, insbesondere bei innovativen Produkten, die mit einem gewissen Risiko verbunden sind – oder Projekten, bei denen der Umweltnutzen oder der soziale Aspekt wichtiger sind als Profit. Wie zum Beispiel beim Umweltschutz-Projekt „Immerbunt“, das 70.000 Quadratmeter Ackerfläche in ökologische Blühwiese umwandelt und damit Lebensraum für bedrohte Insekten schafft. Über 17.000 Euro hat das Team eingesammelt, rund 300 Unterstützerinnen und Unterstützer haben mitgemacht. „Immerbunt“ ist in Oldenburg gestartet, weitere Städte sollen bald bepflanzt werden – ebenfalls mit Crowd-Support.

Bekommst du Lust, deine eigene Idee für ein besseres Morgen in Angriff zu nehmen? Eine entsprechende Unternehmensgründung bedarf jeder Menge Verantwortung, wenn du möchtest, dass dein Projekt langfristig erfolgreich ist. Damit du die Motivation auf der Papierkram-Odyssee nicht verlierst, unterstützen dich unsere Berater lokal und unverbindlich dabei, den Überblick über deine Versicherungsangelegenheiten zu behalten – oder ihn dir zunächst mal zu verschaffen.

BeratersucheDamit du dich ganz auf deine Idee konzentrieren kannst.

Auch das Projekt von Kevin war wie für Crowdfunding geschaffen. Der Knackpunkt: Es war das Frühjahr 2021. Corona war in vollem Gange, die Impfung für die meisten Menschen in weiter Ferne. „Normalerweise arbeite ich an Schulen, Unis oder in Fitnessstudios und treffe täglich sehr viele Menschen“, erzählt der Bremer. Ihnen hätte er von seinem Vorhaben erzählen, eine Broschüre in die Hand drücken können. „Das ging alles wegen Corona nicht mehr. Mein ganzes Netzwerk war eingebrochen.“ Stattdessen verteilte er Flyer überall, wo er konnte – und fand heraus, dass es ohne persönlichen Kontakt nicht sonderlich viel bringt. Kevins Schwester, die ihren Job wegen der Pandemie verloren hatte, bewarb die Aktion zwar die ganze Zeit über Social Media, „aber dafür braucht man viele Follower – oder viel Geld.“ Auch die Bank, die ihm vorher ein Darlehen zugesichert hatte, wollte aufgrund der Pandemie erstmal abwarten. „Corona hat viele Bremer hart getroffen – viele Läden in der Innenstadt mussten schließen. Das war alles schwierig“, erzählt er.  

Dennoch schaffte es Kevin, auf Startnext 14.000 Euro einzusammeln. Umso ärgerlicher für ihn, von diesem Geld nicht einen Cent gesehen zu haben. Die Regeln der Plattform besagen nämlich: Wird das angegebene Mindestziel nicht erreicht, fließt das ganze Geld an die Crowd zurück. Und beim Mindestziel hatte Kevin optimistischerweise 20.000 Euro angegeben. „Ein großer Fehler“, sagt er. „Eigentlich wollte ich 5.000 angeben und 20.000 als Maximalziel – aber dann war es zu spät und ich konnte es nicht mehr ändern.“ Der Traum vom eigenen Laden rückte erstmal in weite Ferne.

Sozialunternehmen kommen besonders gut an

Isabel Winarsch, maesh

Für Isabel Winarsch war Crowdfunding hingegen ein absoluter Erfolg. Mit ihrer Crowdfunding-Aktion finanzieren Winarsch und ihre Mitstreiterinnen die Gründung von maesh – einem Sozialunternehmen, das Werbebannern eine zweite Chance gibt. „Werbebanner haben eine sehr geringe Wirkungszeit. Nach ein paar Wochen landen sie im Sondermüll und werden teils verbrannt.“ Aus dem Material designen und produzieren die Frauen bei maesh stylische Taschen, Rucksäcke und Portemonnaies und beleben zugleich die ziemlich tote Textilindustrie in Deutschland: Die Entwicklung, Prototypen-Fertigung und die Produktion – all das passiert in Hannover.

maesh ist aus dem gemeinnützigen Unternehmen „Unter einem Dach“ hervorgegangen, das Geflüchteten Praktika, Ausbildungen oder Sprachkurse vermittelt oder bei Bewerbungen hilft. Dazu gehört auch eine Nähwerkstatt, aus der die maesh-Näherinnen stammen. Das Projekt ist also lokal, sozial und nachhaltig – wie gut das bei der Crowd ankommt, zeigte sich bei Startnext.

CEOs Isabel (3. v.l.), Eleni (4. v.l.) und Gesellschafterin Maggie (2. v.r.) mit dem Team der "Unter einem Dach"-Nähwerkstatt

„Wir hatten erst gehofft, zumindest 5.000 Euro zu erreichen“, erzählt Isabel. Am Ende wurden es über 40.000 – die Hälfte von der Crowd, die andere durch den Mitwirken-Contest, das die erfolgreichsten Crowdfunding-Projekte fördert.

maesh belegte den 3. Platz. „Wir waren komplett überrascht“, sagt Isabel. Nun gilt es, das Label zu etablieren, damit sie am Markt bestehen, dauerhaft Arbeitsplätze sichern und faire Löhne zahlen können.

Alten Teilen ein neues Leben einhauchen, das ist auch das Motto von évoRetrofit. Mit dem Umbau-Kit des jungen Unternehmens lassen sich klassische Vespas zu modernen Elektro-Flitzern umbauen. Der Technologie-Entwickler aus Hannover ist im Bereich emissionsfreie Antriebe tätig und rüstet auch Busse oder etwa Müllwagen auf Elektro um.

Thomas Rölle, évoRetrofit

Ihre Idee, auch die klassische Vespa zu elektrifizieren, ist auf der Höhe der Zeit: „Viele Menschen haben eine Vespa seit ihrer Jugend noch in der Garage stehen, aber der alte Verbrennungsmotor funktioniert nicht mehr oder ist laut und stinkt“, sagt der Geschäftsführer Thomas Rölle. „Wir wollten daraus ein modernes Fahrzeug machen und zugleich den Vintage-Charakter behalten.“ Um in großer Stückzahl in die Produktion gehen zu können und Reichweite zu generieren, hat das Team sich fürs Crowdfunding entschieden. „So haben wir die Produktion quasi von den späteren Kunden vorfinanzieren lassen.“ Die bekamen für rund 3.000 Euro ein Umbau-Kit und stylishe Aufkleber, die sie als erste Unterstützer ausgewiesen haben.

Am 1. März beginnt die neue Saison für alle Mopedfahrer. Ob bereits auf Elektro umgerüstet oder noch klassisch mit Verbrennungsmotor: Versichert werden müssen die Lieblinge auf jeden Fall. Deine Mopedversicherung kannst du ganz einfach online abschließen – dein Kennzeichen schicken wir dir bequem nach Hause. Dasselbe gilt übrigens auch für E-Scooter!  

Mit viel Einsatz die Crowd umschwärmen

Sich zurücklehnen und das Geld fließen lassen – so einfach ist es natürlich nicht. „Zwischendurch war unsere Kampagne ein wenig stagniert“, erzählt Sarah Schiebel, die bei évoRetrofit Öffentlichkeitsarbeit macht und die Kampagne online begleitet hat.

„Wir wussten, dass es gut ankam: Alle, die das entdeckten, waren begeistert. Also haben wir alles gegeben.“ Das Team von évoRetrofit trat mit Vespa-Clubs in Kontakt, leistete Überzeugungsarbeit, besuchte Events und schaltete jede Menge Online-Werbung. „Es war ganz schön viel Arbeit – aber es hat sich gelohnt“, sagt Schiebel. Am Ende kamen 156.903 Euro auf Kickstarter zusammen, knapp ein Drittel mehr als erhofft.

Viel Arbeit hat auch das maesh-Team in ihre Kampagne gesteckt. „Wir haben unser ganzes Netzwerk aktiviert“, sagt Isabel. „Ich habe allein um die 800 Leute angeschrieben – einfach alle, die ich kannte.“ Sie empfiehlt: Telefonieren und persönlich ansprechen statt Massenmails verschicken. „Persönlicher Kontakt ist wichtig“, sagt sie.

„Auch online haben wir viel mit Videos gemacht, Zwischenerfolge gefeiert, mit Tanzeinlagen als Dankeschön, und einfach jede Chance genutzt, um Aufmerksamkeit zu generieren.“ Einmal bewerben reiche nicht, sagt sie. „Natürlich will man nicht übertreiben, aber wenn die Idee stimmt, darf jeder davon erfahren. Wenn die Menschen merken, dass da jemand mit Leidenschaft und Engagement dahintersteht, ist die Chance auf Unterstützung auch viel höher.“

Das Engagement der Crowd ist zugleich auch ein guter Test, wie das eigene Produkt oder Vorhaben ankommt, eine Art Marktanalyse. Das hat auch Kevin gemerkt. Nachdem beim Crowdfunding doch eine beachtliche Summe zusammenkam – und die Pandemie-Situation sich entspannt hatte – bekam er doch noch eine Bestätigung von der Bank. Nun möchte er die Kampagne nochmal starten, diesmal mit einer niedrigeren Summe und mehr persönlichem Einsatz. Im Frühjahr 2022 hofft er, den Laden doch noch eröffnen zu können – mit dem Support der Crowd. Du willst Teil davon werden? Dann kannst du sein Projekt hier unterstützen.

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