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Wohnung finden

Wohnst du schon oder suchst du noch?

„Hamburger mit Lagerkoller sucht WG!“ – als ich mich kürzlich durch den Wohnungsmarkt wühlte, begegnete mir eine Anzeige mit diesem Titel. Da hat sich jemand einen Spaß erlaubt, war ich mir sicher. Als ich das Inserat genauer las, stellte ich jedoch schnell fest: Hier meint es einer ernst. So schnell wie möglich, Lage egal, Hauptsache Berlin – der Typ schien es eilig zu haben. Pünktlich zum Studien- und Ausbildungsbeginn suchen in Deutschland wieder viele junge Leute ein WG-Zimmer oder eine Wohnung. Gerade in der Stadt ist das jedoch nicht immer ganz einfach. Auf ein Gesuch kommen oft mehrere hundert Bewerber. Wir geben dir Tipps, wie du die passenden Quadratmeter im Wohnungsmarkt-Dschungel findest und sie auch bekommst.

Redakteurin VGH Wiebke Knoche JetztLosleben
von Wiebke Knoche27 Juli, 2021
Gemeinsames Essen mit den neuen Mitbewohnern
Das Wichtigste in 60 Sekunden

Zwischenmiete, WG-Casting, absurde Mieten – Wohnungssuche ist nur selten ein Vergnügen. Die besten Buden werden meist unter der Hand weitergegeben, alle anderen sind schlecht gelegen oder viel zu teuer. Wir geben dir Tipps, wie du auch ohne Connections die passende Wohnungsanzeige findest, auf was du im Anschreiben an den Vermieter achten solltest und wie sich das WG-Casting entspannt meistern lässt. Außerdem erfährst du, welche Versicherungen du beim Auszug von zuhause unbedingt abschließen solltest. 

Der Schlachtplan: Was suchst du überhaupt?

Es ist wenig sinnvoll sich durch den Wohnungsmarkt zu wühlen, wenn man die eigenen Vorstellungen und Grenzen noch nicht für sich definiert hat. Natürlich gibt es immer auch Spielraum, aber es hilft, sich im Vorfeld zu überlegen, nach was man eigentlich sucht. Am besten nimmst du Stift und Zettel zur Hand und klärst folgende Dinge für dich:

  • Ort und Lage: Neben der Stadt kannst du auch Stadtteile eingrenzen, die für dich in Frage kommen.
  • Größe: Soll es lieber die lebendige 4er-WG oder das Ein-Zimmer-Appartement sein? Je nachdem, wie und mit wem du wohnen möchtest, ergibt sich meist automatisch auch die Größe der Wohnung. Hier geht es weniger um die Quadratmeterzahl, sondern eher um die Anzahl der Zimmer und den Schnitt der Wohnung.
  • Ausstattung: Wie wichtig sind dir Dinge wie ein Balkon oder eine Badewanne? Und muss es ein Altbau sein?
  • Kosten: Wie viel Geld möchtest du monatlich für deine Miete ausgeben? Hast du noch kein eigenes Einkommen, sind deine Möglichkeiten wahrscheinlich begrenzter. Verdienst du bereits, solltest du nicht mehr als ein Drittel deines Netto-Einkommens für die Wohnung ausgeben.
  • No-Gos: Was geht gar nicht? Auch Ausschlusskriterien solltest du notieren.

Betreff: Suche Wohnung...

Kennst du nicht gerade jemanden, bei dem in nächster Zeit Quadratmeter frei werden oder hast Connections zu einem Immobilienmakler, der dir eine Bude vermitteln kann, wird die Wohnungssuche mitunter schnell zu einer zeit- und nervenfressenden Tätigkeit. Um das zu vermeiden, solltest du dich möglichst breit aufstellen und alle Optionen ausschöpfen. Der Schlachtplan lautet: Alles auf einmal probieren, um bald auf einen Mietvertrag anstoßen zu können.

Social Media Kanäle

Warum nicht mal die Reichweite von Facebook und Co. voll ausschöpfen? Wir wissen alle, dass sich Nachrichten in den Sozialen Medien rasant verbreiten können. Am besten du gestaltest eine kreative Anzeige, verlinkst möglichst viele (virtuelle) Freunde und schon kann sich deine Wohnungssuche durch die digitale Welt schlängeln. Natürlich solltest du das obligatorische „sharing is caring“ nicht vergessen. Übrigens: Es gibt auch verschiedene Facebook-Gruppen, in denen WG-Zimmer und Wohnungen inseriert werden.

Glöckchen aktivieren

Du musst nicht immer alles selbst machen. Manchmal reicht ein Häckchen an der richtigen Stelle und du bekommst passende Wohnungsangebote direkt in dein Mail-Postfach serviert oder deine vorgefertigte Nachricht wird automatisch an potenzielle Vermieter verschickt. Auf der Plattform housy kannst du dein persönliches, anonymes Suchprofil erstellen und den Algorithmus für dich nach passenden Wohnungsangeboten suchen lassen. Sagt dir die vorgeschlagene Wohnung zu, musst du nur noch auf „Ja“ klicken und kannst direkt mit dem Vermieter chatten. WoLoHo hat es sich zum Ziel gesetzt, anderen zu helfen und versendet wöchentlich einen Newsletter voller Jobs, Wohnungen und anderer Angebote. Auch hier lohnt sich ein kostenloses Abo.

Die gute alte Litfaßsäule

Neben den unzähligen Nachhilfeangeboten, Kleinanzeigen und vermissten Katzen, bieten Straßenlaternen sowie schwarze Bretter im Supermarkt oder der Uni sicherlich auch noch ein Plätzchen für dein Wohnungsgesuch. Am besten druckst du dein Gesuch aus und platzierst deine Handynummer oder E-Mail-Adresse mehrfach darauf, sodass andere Leute sie sich abreißen und dich später erreichen können. Besonders praktisch ist es, wenn du deine Suchanzeige in dem Viertel aushängst, in das du auch ziehen möchtest.

Zeitungsannoncen

Klingt oldschool, kann sich aber als Glücksgriff entpuppen. Schaltest du eine Wohnungsanzeige in einer Zeitung erreichst du ein ganz anderes Publikum als im Internet. Gerade Rentner stöbern häufig sehr aufmerksam durch den Annoncen-Teil. Gut möglich, dass unter ihnen jemand ist, der von einer freien Wohnung weiß oder vielleicht sogar selbst ein Zimmer zu vermieten hat. Das kommt gar nicht so selten vor: Denn während jüngere Leute häufig nach Wohnungen suchen, leben ältere Menschen auf besonders vielen Quadratmetern. Das Wohnungsangebot für junge Menschen beschränkt sich hingegen größtenteils auf Mikro-Appartements, Tiny-Houses oder ein Zimmerchen in der Wohngemeinschaft.

Warum also nicht beide Wohnsituationen gewinnbringend zusammenführen? Oft sind Senioren dankbar, einen Teil ihres Hauses an Studenten oder Auszubildende untervermieten zu können. Natürlich ist das nicht für jeden etwas, aber bis auf den Verzicht auf Hauspartys und nächtelange Küchengespräche, kann diese Wohnform auch Vorteile haben. Häufig ist die Miete in solchen Fällen vergleichsweise gering oder du wohnst mitunter kostenlos, weil du im Gegenzug bei der Gartenarbeit oder beim Einkauf hilfst. Eine Win-Win-Situation.

Spread the News

Last but not least: Erzähle so vielen Menschen wie möglich von deiner Wohnungssuche. Sei es der Barkeeper im Club oder die Mutter deiner besten Freundin – je mehr Augen für dich Ausschau halten, desto besser. Ziel ist es, dass man zuerst an dich denkt, wenn irgendwo etwas frei wird.  

Wohnung finden und Leute aufmerksam machen
Wohnung finden indem man bei älteren Leuten anfragt
Social Media nutzen um eine wohnung zu finden
Wohnungsanzeigen in der Zeitung finden

Das Anschreiben: Mach Promo für dich selbst

Das Anschreiben an Vermieter oder zukünftige WG-Mitbewohner ist zwar nicht so förmlich wie ein Bewerbungsschreiben, verfolgt aber einen ähnlichen Zweck: Jetzt musst du überzeugen! Wer eine Wohnung braucht, muss sich mit Menschen gut stellen, die er vermutlich nie kennenlernen wollte und an denen er auch kein allzu großes Interesse hat. Makler, Vermieter und Vormieter haben aber nun einmal, was man braucht: eine Wohnung. 

Wie das Anschreiben konkret aussieht, hängt davon ab, an wen es geht. Bewirbst du dich für ein WG-Zimmer, musst du zukünftige Mitbewohner überzeugen und darfst ruhig etwas kreativer werden. Hier kommt es vor allem auf vier Persönlichkeitsmerkmale an:

  1. Ordentlichkeit aka „Ich kann mich gut an den Putzplan halten und räume hinter mir auf.“
  2. Lockerheit aka „Für ein entspanntes Getränk und einen Schnack in der Küche bin ich immer zu haben.“
  3. Special-Fact aka „Ich kann fünf Sprachen sprechen und jonglierend Einrad fahren.“
  4. Anpassung aka „Ich wollte immer schon vegan leben.“

Bewirbst du dich hingegen auf eine Wohnung, die von einer Wohnungsgesellschaft oder dem Vermieter direkt vermittelt wird, spielen die genannten Dinge keine Rolle. Für deine Selbstvermarktung sind hier vor allem drei Sachen wichtig:

  1. Zuverlässigkeit
  2. Zahlungsfähigkeit
  3. Sauberkeit

Hast du beispielsweise den Plan, die nächsten Jahre nicht mehr umzuziehen, solltest du das unbedingt erwähnen. Gleiches gilt, wenn du gemeinsam mit dem Partner eine Wohnung suchst. Seid ihr schon lange zusammen, kann der Vermieter auf ein sicheres und langes Mietverhältnis hoffen. Auch einen gut bezahlten Job solltest du nicht verschweigen, denn der zeigt Bonität und bestätigt, dass du dir die Wohnung auch wirklich leisten kannst. Natürlich schadet es nicht, wenn du auch ein bis zwei persönliche Eigenschaften oder Hobbys preisgibst. So stichst du mit etwas Glück aus der Masse an Bewerbungen hervor und bei einem möglichen Kennenlernen habt ihr gleich ein Gesprächsthema.

Das gehört nicht ins Anschreiben

Denk daran: Du willst überzeugen, solltest aber weder Dinge verheimlichen, noch lügen. Bist du aktuell arbeitssuchend, dann solltest du das auch ehrlich angeben. Früher oder später wird der Vermieter es ohnehin erfahren. Gleiches gilt, wenn du ein Haustier mit in die Wohnung bringen möchtest oder ein Instrument spielst, das man auch mal zwei Wände weiter hören kann. Wer solche Sachen offen kommuniziert, schafft eine gute Vertrauensbasis. Ansonsten solltest du dein Anschreiben möglichst sachlich halten. Verzichte auf lange Ausführungen – in der Regel reicht eine viertel bis halbe Seite vollkommen aus.

Hotel Mama adé: Diese Versicherungen brauchst du jetzt

Mit dem Auszug aus dem Elternhaus und dem ersten eigenen Mietvertrag, solltest du auch in Sachen Versicherung einiges beachten. Klingt öde? Muss es nicht – mit diesen zwei Versicherungen geht nichts schief. Und falls du doch mal unsicher bist oder fachlichen Rat brauchst, unterstützt und informiert dich dein Berater vor Ort, damit du optimal versichert bist.

  • Private Haftlichtversicherung:

Mietest oder kaufst du eine Wohnung, solltest du Verantwortung für die damit verbundenen Risiken übernehmen. Rammst du beim Einzug versehentlich mit deinem Spiegel eine Macke in die Wand im Treppenhaus oder verschüttest Wasser über dem Laptop deines Mitbewohners, ist das ein klassischer Fall für die Haftpflichtversicherung. Diese schützt dich nämlich finanziell vor Schäden an anderen Personen oder deren Gegenständen und ist deshalb ein Must-Have, wenn du von zuhause ausziehst. Die Familienversicherung greift hier übrigens nur noch, wenn du nicht älter als 25 Jahre bist und dich in Ausbildung oder Erststudium befindest.

  • Hausratversicherung:

Bist du bei Schäden gegenüber Dritten auf der sicheren Seite, ist das bereits die halbe Miete. Mindestens genauso wichtig ist es nun, die eigenen Sachen vor den kleinen Missgeschicken des Alltags abzusichern. Diebstahl, Feuer oder ein Rohrbruch sind Gefahren, auf die du selbst kaum einen Einfluss hast, die aber große finanzielle Folgen haben können. Vielleicht hast du dir mit deinem Umzug auch einige neue Möbel angeschafft? Umso wichtiger, dass du eine Versicherung abschließt, die dich vor hohen Kosten schützt.

HausratversicherungSchütze, was dir lieb und teuer ist
  • Mietrechtsschutz

Stell dir vor, dein Vermieter kündigt dir ohne besonderen Grund oder du erhältst plötzlich eine aus deiner Sicht ungerechtfertigte Mieterhöhung. Manche Vermieter nutzen die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, um Druck auf ihre Mieter auszuüben. Willst du für dein Recht kämpfen, bleibt häufig nur der Weg zum Anwalt. Der weiß, welche Möglichkeiten du bei Streitigkeiten mit deinem Vermieter hast und unterstützt dich. Allerdings kostet das meist viel Geld. Gut, wenn du in solchen Fällen auf einen Mietrechtsschutz zurückgreifen kannst. Dieser ist Teil einer privaten Rechtsschutzversicherung. Als Besitzer oder Mieter einer Wohnung ist der Baustein „Wohnen“ eine gute Wahl. Die Versicherung deckt unter anderem auch Kosten ab, die bei einem gerichtlichen Verfahren entstehen.

Die Besichtigung: So meisterst du die Massenveranstaltung

In deutschen Großstädten arten Wohnungsbesichtigungen regelmäßig zu Massenveranstaltungen aus. Dass irgendwo ein Zimmer frei ist, erkennst du nicht selten an der langen Schlange vor der Eingangstür. Nein, hier gibt es keine Gratis-Limo, hier geht es um viel mehr. An einem Mittwochabend schieben sich dann gut und gerne mal 50 Anwärter zeitgleich durch eine Wohnung, die (natürlich) allen total gut gefällt. Hast du Glück, darfst du die Wohnung alleine besichtigen, kannst dich aber auf einen engen Zeit-Slot einstellen, der damit endet, dass du dem nächsten Bewerber die Klinke in die Hand gibst.

Vor Ort wirst du voraussichtlich nicht auf den Vermieter selbst, sondern auf einen Makler oder den Vormieter treffen. Jetzt heißt es: performen! Diese Personen haben eine wichtige Rolle bei der Wohnungssuche, da sie ihren Eindruck von dir sowie deine vollständigen Unterlagen an den Vermieter weiterleiten. Stell dich deshalb gut mit ihnen. Lehnst du Forderungen, die der Vormieter äußert, sofort ab, kannst du davon ausgehen, dass deine Chancen auf die Wohnung sinken. Gleiches gilt, wenn du mit scannendem Blick durch die Zimmer streifst und jedes nicht ordentlich zugespachtelte Loch in der Wand kritisch beäugst. Das Erfolgsprinzip lautet: Bindung aufbauen und Makel kleinreden. Absagen kannst du die Wohnung immer noch.

Wichtige Unterlagen für die Wohnungsbesichtigung

  • Kopie des Personalausweises
  • Gehaltsnachweise (ggf. Bürgschaft der Eltern)
  • Schufa-Bonitätsauskunft
  • Ggf. persönliches Anschreiben und Lebenslauf

WG-Casting: So wirst du der neue Mitbewohner

Auch auf ein WG-Zimmer kommen oft hundert Bewerber. Wer davon der richtige ist, entscheidet sich meist bei einem WG-Casting. Wirst du in die WG eingeladen, um dich vorzustellen, ist die erste Hürde bereits geschafft. Auf das Casting solltest du dich vorbereiten: Notiere dir wichtige Eckdaten aus der WG-Anzeige, frage nach einer Handynummer eines Mitbewohners (für den Fall, dass du den Weg nicht findest) und informiere dich, bei welchem Namen du klingeln musst.

Einen ersten Eindruck davon, wie die WG tickt, bekommst du häufig bereits in der Anzeige. Auf dieser Grundlage kannst du dir im Vorfeld schon mögliche Gesprächsthemen überlegen. Hobbies, Essen und das allgemeine Leben in der WG sind immer eine gute Ausgangslage für das erste Kennenlernen. Versuche auf die Leute, die dir ihre Wohnungstür öffnen, einzugehen. Sei offen, stelle Fragen und zeige dein Interesse. No-Go: Bringe auf keinen Fall deine Eltern mit zum Casting – das wirkt unselbständig. Auch auf kleine Mitbringsel solltest du besser verzichten.

Casting-Spielchen

Wie das erste Kennenlernen aussieht, ist von WG zu WG unterschiedlich. Manchen reicht ein Gespräch in der Küche, um dich kennenzulernen, andere nehmen das Wort „Casting“ sehr ernst und prüfen dich auf Herz und Nieren. Es kann passieren, dass du mit unangenehmen Fragen oder Tests herausgefordert wirst. Hier gilt: Du musst weder Saufspielchen noch Putzwettbewerbe über dich ergehen lassen. Verbiege dich nicht und mach nur das mit, wobei du dich wohlfühlst und was du selbst als angemessen und lustig empfindest. Solche Spielchen sagen bereits viel darüber aus, ob du und die WG überhaupt zusammenpassen.

Bist du total begeisterst von der WG und würdest am liebsten direkt einziehen? Dann kannst du das am Abend nach der Besichtigung oder am nächsten Tag in einer kurzen Mail oder Whatsapp-Nachricht ruhig noch einmal ehrlich sagen. Jetzt darf es auch mal ein kleiner Trick sein: Hast du einen Toaster oder eine neue Kaffeemaschine, die du mit in die WG bringen kannst, dann sag das! Was beim ersten Kennenlernen eher schleimig wirkt, erhöht in einer nett verpackten Nachricht deine Chancen. Und dann hilft nur noch: Abwarten und Däumchen drücken bis der Mietvertrag im Briefkasten landet.

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