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Vorsicht, Falle: Die größten Gefahren beim Online-Shoppen

Unendliche Weiten hat Niedersachsen zwar nicht, aber bis zum nächsten coolen Laden musst du möglicherweise trotzdem eine ganz schöne Strecke zurücklegen – vor allem, wenn du auf dem Land lebst. Warum also nicht online einkaufen? Im Netz ist die Auswahl ohnehin größer. Verschiedene Studien zeigen, dass nahezu alle deutschen Internetnutzer ab 14 Jahren mindestens einmal im Jahr online shoppen gehen, viele von ihnen sogar deutlich öfter. Kein Wunder, dass so ein Boom auch Kriminelle anlockt und damit das Risiko erhöht wird, beim virtuellen Shoppen in eine Internet-Falle zu tappen. Wir zeigen dir, welche Tipps du beim Online-Kauf beachten solltest, um auf der sicheren Seite zu sein – und was du tun kannst, falls du doch an einen unseriösen Anbieter geraten bist.

Die Bestellung – Worauf solltest du achten?

Schon bei der Bestellung kann so einiges schief gehen. Bei der Vielzahl an Anbietern gibt es natürlich auch große Preisunterschiede. Um hier einen ersten Überblick zu gewinnen, helfen Preisübersichten über verschiedene Online-Shops oder Preissuchmaschinen, wie zum Beispiel Idealo. Doch der Preisvergleich gestaltet sich nicht immer so einfach. Viele Online-Shops überraschen mit versteckten Zusatzkosten, wie hohen Versandkosten oder Bearbeitungsgebühren. Auch Garantieverlängerungen oder Transportversicherungen verstecken sich gern als Extraposten im Warenkorb. Diese müssen zwar eigentlich aufgelistet sein, verstecken sich aber auch gern etwas. Daher die Empfehlung: Beachte bei jedem Bestellschritt mögliche Optionen und bestelle sie bei Bedarf ab.

Kleiner Tipp: Es kann sinnvoll sein, einen günstigen Artikel (z.B. für 2 €) mitzubestellen, um eine Preisschwelle zu erreichen und so teure Versandkosten von z.B. 5 € zu sparen.

Erste Schritte für sicheres Online-Shopping

Du bist dir nicht sicher, ob dein Online-Einkauf reibungslos von statten geht, weil du zum Beispiel noch keine Erfahrung mit einem bestimmten Online-Shop gemacht hast? Befolge in dem Fall diese drei Punkte für einen sicheren Einkauf:

Händler überprüfen: Triffst du beim Online-Einkauf auf einen Anbieter, den du noch nicht kennst oder der dir irgendwie suspekt vorkommt, dann checke ihn per Suchmaschine ab. Findest du vielleicht Erfahrungsberichte von unzufriedenen Kunden? Wichtige Daten, zum Beispiel der vollständige Name, die Anschrift und schneller Kontaktmöglichkeiten des Anbieters sowie unter Umständen die Unternehmensform, der Geschäftsführer, die Handelsregisternummer und die Umsatzsteuer-ID müssen im Impressum der Homepage stehen. So ist es jedenfalls für Online-Shops mit Sitz in Europa vorgeschrieben.

Gütesiegel beachten: Auszeichnungen und Zertifikate deuten auf einen vertrauenswürdigen und kundenfreundlichen Online-Händler hin. Doch Vorsicht: Manche Betreiber werben damit zu Unrecht oder verwenden Fantasie-Siegel. Bist du dir unsicher, dann recherchiere im Internet, ob es das Siegel wirklich gibt. Verlässliche Gütesiegel sind zum Beispiel: TÜV SÜD, Trusted Shops, EHI Siegel und Internet Shopping Gütesiegel ips.

Zahlungsarten: Die meisten seriösen Händler bieten die Möglichkeit, die Ware im Nachhinein per Rechnung zu zahlen. Anders als bei Vorkasse kannst du auf diese Weise sichergehen, dass die Ware überhaupt und in ordnungsgemäßem Zustand bei dir ankommt. Zudem musst du so keine Kreditkartendaten im Internet preisgeben. In der Regel hast du 30 Tage Zeit, um die Rechnung zu begleichen, wenn keine andere Frist vereinbart wurde. Sollte der Händler dies nicht anbieten, gibt es sicher noch einen anderen Anbieter, der unter Umständen etwas teurer ist, dafür aber eine seriöse, sichere Zahlungsweise hat.
Auch bei Nachnahme kann es zu Problemen kommen, wenn man die Ware annimmt und hinterher feststellt, dass sie beschädigt oder falsch ist. Grundsätzlich steht der Absender zwar in der Haftungspflicht, auch wenn du es nicht sofort bemängelt hast – allerdings ist der im Betrugsfall schwer bis gar nicht erreichbar oder sogar unbekannt. Sei dir vor Bezahlung sicher, dass du das Paket wirklich bestellt hast und bitte im Zweifel um einen neuen Zustellungsversuch oder das Hinterlegen in der zuständigen Filiale. Auf einen Zahlungsbeleg als Nachweis solltest du bei Annahme außerdem nicht verzichten.

Die Lieferung kommt nicht – Was kannst du tun?

Der Online-Shop wirkte seriös, der bestellte Artikel war als „sofort lieferbar“ gekennzeichnet. Also hast du zugeschlagen und auch direkt bezahlt. Und jetzt wartest du schon eine gefühlte Ewigkeit auf dein Paket. In der Regel erhältst du eine Versandbestätigung des Händlers per E-Mail, die einen Link zur Paketnachverfolgung beinhaltet. Darüber nachzuschauen sollte dein erster Versuch sein. Wenn du keine Bestätigung erhalten hast, frage zunächst beim Händler nach, ob er deine Bestellung schon verschickt hat. Sollte die Lieferung auf dem Versandweg abhanden gekommen sein, ist er nämlich zu einer erneuten Lieferung verpflichtet, sofern es sich bei deiner Bestellung nicht um ein Unikat handelt. Hat der Shop deine Bestellung noch nicht auf die Reise gebracht, überprüfe noch einmal die angegebene Lieferzeit ganz genau, auch das Kleingedruckte. Ist sie überschritten, forderst du den Händler schriftlich per Brief, Fax oder E-Mail zur Lieferung auf und setzt ihm eine Frist. Eine Woche ist eine realistische Zeitspanne dafür. Trudelt dann immer noch nichts ein, kannst du vom Kaufvertrag zurücktreten und unter Umständen dein Geld zurückverlangen. Auch das teilst du dem Verkäufer schriftlich mit und setzt ihm dabei wieder eine Frist, bis zu der das Geld auf deinem Konto sein soll. Du kannst dabei durchaus anmerken, dass du deine Ansprüche mit anwaltlicher Unterstützung durchsetzen wirst, wenn dir der Betrag nicht fristgerecht zurückgezahlt wird. Auch ein Einklagen der Lieferung ist bei konkretem Lieferwunsch grundsätzlich möglich.

Augen auf beim Online-Einkauf: Die wichtigsten Tipps

Widerrufsrecht nutzen: Beim Online-Shopping hast du in der Regel 14 Tage lang ein Rückgaberecht. Die Uhr tickt ab dem Tag, nachdem du die gekaufte Ware vollständig erhalten hast. Entpuppt die sich als zu groß, zu klein oder gefällt sie dir einfach nicht, darfst du innerhalb dieser Frist ohne Angabe von Gründen schriftlich widerrufen. Anschließend muss der Rückversand innerhalb von 14 Tagen erfolgen, insofern es nicht anders vereinbart wurde. Gesetzlich muss dir der Kaufpreis inklusive regulär anfallenden Hinsendekosten erstattet werden. Wurde bei Vertragsschluss nicht auf etwaige Rücksendekosten hingewiesen, gilt dies auch für anfallende Rücksendekosten.

Schnäppchen aus China: Vor allem chinesische Händler bieten ihre Waren vergleichsweise günstig an. Mittlerweile gibt es chinesische Plattformen wie AliExpress oder Gearbest, die sich auch direkt an deutsche Kunden wenden. Wer auf solchen Seiten einkauft, sollte neben den Einfuhrgebühren aber noch beachten, dass die Beschreibungen oft in schlechtem Deutsch verfasst sind und nicht unbedingt den Spezifikationen des Produkts entsprechen. Die Lieferzeit kann mitunter sehr lang sein und es werden nicht unbedingt alle gängigen Zahlungsmethoden akzeptiert. Auch Bedienungsanleitungen auf Deutsch, deutsche Menüoptionen oder Netzteile bleiben oft aus. Ein Umtausch eines Kleidungsstücks in eine andere Größe kann hier zu einem langwierigen und teuren Prozess werden – denn nicht immer übernimmt der Verkäufer die Rücksendekosten.

eBay-Auktionen: Auch auf der Auktionsplattform eBay gibt es leider einige Verkäufer, die gegen die Richtlinien verstoßen. Ein beliebtes Mittel, um den Preis künstlich hochzutreiben, ist das Bieten auf die eigene Auktion mit einem Dritt-Account. Dies ist offiziell verboten. Wenn du den Verdacht hast, dass es sich um einen Selbstbieter handelt, weise das Online-Auktionshaus darauf hin. Ein guter Hinweis dafür sind Bewertungen verschiedener früherer Kunden. Noch schlimmer ist es, wenn du etwas ersteigert und bezahlt hast, die Lieferung aber ausbleibt. Mahne zunächst den Verkäufer per Nachricht über die Plattform an. Wenn er nicht reagiert, melde den Vorfall an eBay. Das geht direkt aus der Übersicht deiner gekauften Artikel. Für die gängigen Bezahlmethoden gibt es einen Käuferschutz, den du maximal 30 Tage nach dem spätestens in Aussicht gestellten Liefertermin in Anspruch nehmen kannst. Dann wird dir der gezahlte Betrag zurückerstattet.
Checkliste der Verbraucherzentrale Niedersachen: Diese Aufklärungsaktion fasst relevante Punkte in einem Erklärvideo und einer PDF-Checkliste zusammen.

Die Ware hat eine Macke – Was kannst du tun?

Und wenn du den Artikel tatsächlich bekommen hast, er aber ramponiert eintrifft? Für solche Fälle verschanzen sich manche Transportunternehmen hinter einer Klausel in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Darin heißt es, dass du Schäden beim Empfang melden musst. Tust du das nicht, würden deine Schadensersatzansprüche verfallen. Keine Sorge, dieser Passus ist nichtig. Geht beim Versand etwas kaputt, ist grundsätzlich der Online-Händler in der Pflicht. Was der Lieferdienst sagt, ist somit egal. Am besten machst du ein Foto von dem demolierten Stück und setzt den Versender von dem Malheur in Kenntnis. Den Transporteur solltest du ebenfalls informieren.

Unsere VGH-WG kann ein Lied von dubiosen Online-Angeboten singen. Ein schillerndes Angebot wird zum absoluten Reinfall. Lass’ dich nicht veräppeln.

Online-Shopping: Junges paar am Rechner, Mann hält Kreditkarte bereit
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Wenn nur noch der Anwalt hilft …

Du hast den Versender mit wütenden E-Mails oder Einschreiben eingedeckt, doch er weigert sich beharrlich, seinen Teil des Deals zu leisten? Er liefert weder die Ware noch überweist er das Geld zurück. Oder er weigert sich, Ersatz für die beim Transport beschädigte Ware bereitzustellen. Dann bleibt dir nur, dir fachmännischen Beistand zu suchen. Der richtige Rechtsanwalt für den Job ist einer, der sich mit dem Thema Online-Shopping und Betrug im Internet gut auskennt. Ein Fachmann für Online-Handel kann dir direkt sagen, wie deine Aussichten in einem möglichen Rechtsstreit stehen und ihn für dich übernehmen.

Hier findest du mehr Infos zu deinem Rechtsschutz bei der VGH und ÖVB (für alle aus Bremen und Bremerhaven).

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