Die bekanntesten Lost Places in Niedersachsen

Abenteurer, Historiker und Fotografen lieben sie: Die bröckelnden Fassaden, das überwuchernde Gras, zersplitterte Scheiben und diese unheimliche Stille. Willkommen in der Welt der Lost Places. Leerstehende Fabrikhallen, alte Krankenhäuser oder sogar ganze Dörfer ziehen Urban Explorer, kurz Urbexer, magisch an. Wie und wo du hier in Niedersachsen mit diesem wunderbaren Hobby anfangen kannst, liest du hier.

Das erfährst Du in diesem Artikel

Wir wissen:

Die Überschrift des Artikels ist ein Widerspruch in sich. Schließlich besagt der Ehrenkodex der Urban Explorer, die genauen Standorte niemals öffentlich preiszugeben oder danach zu fragen. Aus Angst vor Vandalismus und davor, die Authentizität der historischen Atmosphäre zu zerstören. Doch im Laufe der Zeit sickert natürlich doch die eine oder andere Adresse durch.

Das Heidedorf Lopau

Inmitten der idyllischen Lüneburger Heide liegt der größte Truppenübungsplatz Europas. Und direkt daneben befindet sich ein kleines, verlassenes Dorf namens Lopau: Ein echtes Highlight unter den Lost Places in Niedersachsen. Mitte der 70er Jahre, damals lebten nur noch 62 Menschen hier, begann das Militär das Areal um Lopau Stück für Stück zu erschließen. 1980 war es dann endgültig so weit: Der Truppenübungsstandort Munster Nord benötigte eine weitere Schießbahn und die Anwohner mussten umgesiedelt werden, die Gefahr eines Fehlschusses war schlicht zu groß. Doch obwohl menschliches Treiben hier längst der Vergangenheit angehört, erzählen die übrig gebliebenen Gebäude als stumme Zeugen davon. Ein alter Bauernhof, die Dorfschule und verfallene Wohnhäuser. Doch Obacht, wenn du in Lopau auf die Suche nach verlorenen Seelen gehen willst, dann solltest du das Gelände nur betreten, wenn die Schranke zum Areal geöffnet ist, denn andernfalls übt das Militär, und das Betreten kann lebensgefährlich sein. Für einige Tage im Jahr dient ein altes Gehöft Pfadfindern als Vereinsheim. Auch für deine Wanderung ist Lopau eine hervorragende Rast, denn es liegt inmitten des wunderschönen Lopautals, hier herrscht Ruhe pur – wenn nicht gerade die Panzer schießen.

Anreise

Mit dem Auto parkt man am Klostergut Wulfsode und legt die letzten Kilometer zu Fuß zurück. Die genauen Koordinaten hier.

Der Niederländische Pavillon

Ein wenig traurig ist es schon: Vier Jahre wurde das Schmuckstück der Expo 2000 in Hannover geplant und gebaut. Knapp 20 Jahre später gleicht es einer Ruine. Die dem Gebäude zugrundeliegende architektonische Vision, die auf 9.000 qm Grundstücksfläche umgesetzt wurde, und als Symbolbild für die niederländische Bauart konzipiert war, begeisterte 18 Millionen Besucher. Mit übereinander gestapelten Landschaften demonstrierte das Architekturbüro MVRDV, wie sich ganz nach niederländischer Manier auf kleinem Raum viel Platz schaffen lässt. Die Konstruktion türmte sich 40 Meter in die Höhe und war damit das höchste Gebäude auf dem Gelände. Heute ist das einstige Kunstwerk eher als cooler Fotospot zu genießen. Darauf wild herumklettern solltest du nicht. Davor posen kommt jedoch gut!

Anreise

Das Expogelände in Hannover erreichst du zum Beispiel mit der Bahn vom Hauptbahnhof mit der Linie 6 oder 16 Richtung Messe Ost bis Endstation Expo-Plaza.

Der Freizeitpark Kirchhorst

Die Achterbahnen aus Kirchhorst wurden verkauft. Sie beglücken nun Touristen nahe Rom oder in den USA. Weniger Wertvollem kannst du bei einer Lost-Place-Tour im Freizeitpark Kirchhorst beim langsamen Verfall zusehen. Es war ein kurzes Leben: Mitte der 70er Jahre eröffnete der Park in der Nähe des Heideparks in Soltau. Die nahe Konkurrenz wurde ihm zum Verhängnis. Nur 10 Jahre nach der Eröffnung machte er die Pforten wieder dicht. Ein Ausflug zum Freizeitpark erfordert jedoch recht viel Vorstellungsvermögen. Viel steht hier nicht mehr.

Anreise

Der Park liegt am östlichen Rand des Ortsteils Kirchhorst an der Bundesstraße 3. Hier musst du entweder mit dem Auto anreisen oder von Hannover mit der S6 Richtung Burgdorf fahren. Anschließend geht es mit dem Bus 640 für 10 Minuten weiter bis zur Station Kirchdorf Blumenhorst.

Das Gülden Quartier in Bremen

Das Güldenareal, die Produktionsstätte des gleichnamigen Bremer Schnapsproduzenten, steht seit 1999 leer. Seitdem verfallen die Gebäude, da Käufer und Stadt keine Einigung finden. Geplant war, die alte Fabrik abzureißen und stattdessen Wohnraum zu schaffen. Doch bislang hat sich noch immer nichts getan. Besichtigen kannst du das Gelände nur von außen. 2009 zog hier eine Paintball-Halle ein, was eine sportliche Gelegenheit bot, das Areal zu betreten. Im Frühjahr 2019 musste diese doch schließen. Was nun passiert? Es bleibt spannend!

Anreise

Es befindet sich in der Gr.-Sortillen-Str. am Rande der Bremer Neustadt. Das Betreten des Geländes ist jedoch momentan untersagt. Urban Explorer sollten jedoch die Ohren steif halten.

Die Geisterstation von Hannover

Streng genommen ist die Geisterstation kein richtiger Lost Place, denn ohne Führung kommt man hier nicht hin … Allerdings wollten wir dir dieses Juwel trotzdem nicht vorenthalten. Denn zumindest die Atmosphäre hier ist sehr „Lost Spacig“. Kurz ein wenig zur Geschichte: In den 1970er Jahren, als der Raschplatz einem kompletten Umbau unterzogen wurde, baute man ebenfalls einen unterirdischen Teil der D-Linie. Dieser wurde jedoch nie fertiggestellt und befindet sich seitdem im Rohbau. Ganz ausgeschlossen ist die Nutzung jedoch nicht, die oberirdische Lösung war zur damaligen Zeit schlicht die bessere Variante. Für alle Verkehrsplanungs-Interessierten ist der Besuch hier ein absolutes Highlight.

Anreise

Die Station befindet sich unter dem Hauptbahnhof. Der Zugang ist nur über eine geführte Tour möglich.

Welche Regeln gelten für Urban Explorer?

  • Der Grundsatz der Urbexer Community besagt: Nimm nichts mit außer Fotos und hinterlasse nichts weiter als Fußspuren.
  • Die Orte öffentlich zu verraten oder danach zu fragen ist nicht gerne gesehen.
  • Begib dich nicht in offensichtliche Gefahrenzonen. Militäranlagen wie in Lopau, die in Betrieb sind, solltest du in jedem Fall meiden. Einsturzgefährdete Gebäude ebenso!
  • Respektiere Privatgelände, alles andere ist und bleibt ein Einbruch!

Sicher unterwegs

Auch wenn du auf dem Weg zu neuen Lost Spaces immer auf der Hut bist: Ganz ungefährlich ist dieses Hobby nicht. Ob versteckte Baumwurzel, Scherbenhaufen oder der stehen gelassene Stacheldraht: Mit der privaten Unfallversicherung der VGH bist du immer auf der sicheren Seite, was schwerwiegende Verletzungen angeht. Du kommst aus Bremen oder Bremerhaven? Hier findest du alle Infos zur privaten Unfallversicherung der ÖVB.

Ein Angebot der
VGH ÖVB

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