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Tiny House: Kleine Häuser, großer Trend

Was ist das überhaupt, so ein Tiny House? Platztechnisch gesehen: Nicht sehr viel. Maximal 37 Quadratmeter, aber in der Regel kleiner. Logisch, dass es innen drin wahnsinnig effizient zugeht. Denn alles was ein Leben so braucht, muss hier reinpassen. Ihre Bedeutung für die Lösung der drohenden Raumproblematik in Großstädten oder auch in Punkto nachhaltiges Bauen, ist dagegen in den letzten Jahren immens gewachsen.

Trend in Deutschland steckt in den Kinderschuhen

Halten die Mini-Häuser in Deutschland oft noch als Experimentierfeld her, sind sie in den USA spätestens seit der Finanz- und Immobilienkrise im Jahr 2008 ein breit akzeptiertes Wohnmodell. Aber selbst wenn die kleinen Häuser nach Notlösung klingen, sind sie wohl auch deshalb ins Trendbewusstsein gerutscht, weil in und mit ihnen gezeigt wird, wie sich Minimalismus in Höchstform umsetzen lässt. Denn wer sich für das Leben im Tiny House entscheidet, kann gar nicht anders als sich auf das Wesentlichste zu beschränken. Die Gleichung viel Platz gleich viel Lebensqualität wird im Tiny Home zugunsten der persönlichen Freiheit (auch von teuren Krediten fürs Eigenheim) aufgegeben.

 

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Die Tiny Home Problematik

Doch, so gut die Idee erstmal klingt: Bevor du jetzt in den nächsten Baumarkt rennst und dir dein Eigenheim einfach selbst zimmerst (Anleitungen dazu gibt es im Netz schließlich genug) eine Vorwarnung: Die größte Schwierigkeit im Vergleich zur USA sind die hierzulande geltenden Bauvorschriften. Denn Haus ist nach deutschem Recht gleich Haus. Egal ob 100qm oder nur 10qm. Das rechtliche Schlupfloch der Amerikaner, das Haus durch Räder mobil zu machen und somit die Bestimmungen für ein Haus zu umgehen, gilt in Deutschland nicht. Was du wissen musst:

Variante A: Das Tiny Home als Haus

Wenn du dein Haus nicht als verkappten Anhänger auf Rädern, sondern als „richtiges“ Haus bauen willst, musst du dich dazu an die zuständige Gemeindeverwaltung wenden. Hier kannst du dich umfassend informieren, denn Planungsrecht ist Sache der Länder und kann nur zum Teil allgemein beantwortet werden. Fest steht jedoch, dass du trotzdem eine Baugenehmigung brauchst, die nach der ersten Begutachtung noch vom Landratsamt abgesegnet werden muss. Außerdem ist es ratsam, sich mit den potentiellen Nachbarn des Grundstücks bekannt zu machen und die Baupläne zu präsentieren. Tipp: Du denkst, dass sich eine Baugenehmigung leichter in der Pampa bekommen lässt? Das kann ein Irrtum sein. De Facto ist es leichter in einem bereits gut besiedelten Gebiet nach möglichen Freiflächen zu suchen. Grund dafür ist die Änderung des Flächennutzungsplans und die Erstellung eines Bebauungsplans, was beides kostspielig und aufwendig ist, da er viele weitere Akteure auf den Plan ruft.

Variante B: Das Tiny House auf Rädern

Nur wenn das Fundament des Hauses mit dem Erdboden verbunden ist, gilt ein Tiny Home im Sinne des Gesetzes als Haus. Bei den mobilen Heimen, die entweder aufgebockt sind oder als Anhänger wie ein Wohnwagen fortbewegt werden können, handelt es aus Sicht des Gesetzgebers nicht um eine bauliche Anlage. Hier greift dafür die Straßenverkehrsordnung, die wiederum aber reglementiert, dass das rollende Haus nicht mehr als vier Meter hoch, 2,55 Meter breit und 3,5 Tonnen schwer sein darf. Das Tiny House wird dann als Wohnwagen klassifiziert und wird demnach genauso versichert, versteuert und behandelt. Wie auch beim Wohnwagen gilt: Einfach hinstellen ist im öffentlichen Raum ohne Zugfahrzeug nicht länger als zwei Wochen erlaubt. Auf dafür genehmigten Flächen, wie Campingplätzen sowie Wochenend- und Ferienhausgebieten darf jedoch bis zu vier Monate gewohnt werden. Doch Hand aufs Herz: Wer länger bleiben will, muss sein Tiny Home früher oder später abstellen und sich eine Baugenehmigung holen.

 

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Nur ein Netz Trend?

Wie sich zeigt, ist das Tiny House, trotz der Begeisterung für einen ökologischen, minimalistischen und individuellen Lebensstil immer noch nicht ganz in der realpolitischen Planung  angekommen. Noch bremsen vielerorts Bauschriften die Ausbreitung der Tiny Homes. Jedoch wächst die Idee weiter und so finden sich bereits zahlreiche Pilotprojekte, die daran arbeiten das größte Problem, den Mangel der in Frage kommenden Stellflächen, im großen Stil zu beheben. Eine erste Siedlung in Deutschland gibt es bereits in Mehlmeisel in der Nähe von Nürnberg. In Hannover wurde jüngst über die europaweit größte Tiny-House-Siedlung diskutiert und auch in NRW und Bremen gibt es entsprechende Vorhaben. Ebenso für die Aufwärtsbewegung des Trends spricht die Verbreitung der Anbieter, so konnte man jüngst bei Tchibo Kleinsthäuser erwerben. Die Seite tiny-house.de, bietet außerdem eine Stellplatzbörse an.

Lohnt sich das Tiny House für mich?

Statt alles aufzugeben und komplett in ein Tiny Home zu ziehen, solltest du am besten vorerst eine Probezeit im Zwergen-Häuschen buchen. Hier kannst du checken, ob du dir überhaupt vorstellen kannst, dich soweit zu „downsizen“. Allerdings kann das Abenteuer Tiny House, auch bloß für eine zwischenzeitliche Nutzung in Frage kommen. Vielleicht hast du vor, nur am Wochenende in die Natur zu fahren, oder brauchst Platz für deine Kreativität. Am besten ist, es in Kontakt mit anderen Tiny-Häuslern zu treten, ebenfalls stehen dir auch die Tiny-House-Anbieter mit Rat und Tat zur Seite.

Tiny House auf Grünfläche
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Versicherungsberatung für dein Tiny House

Schaffe, Schaffe Häusle bauen: Wenn du dir den Traum vom eigenen Haus erstmal erfüllt hast, dann weißt du einmal mehr, was dir lieb und teuer ist. Für den besten Versicherungsschutz für deine eigenen vier Wände, frag einfach in einer VGH-Vertretung in deiner Nähe nach weiteren Infos. Du kommst aus Bremen oder Bremerhaven? Hier findest du einen Berater der ÖVB in deiner Nähe.

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