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Secondhand in Niedersachsen und Bremen: Deine Vintage-Schatzkarte: Hier geht’s zu den besten Finds

Die 45 Quadratmeter Gemütlichkeit, die ich mein Zuhause nenne, sind ein Sammelsurium aus verschiedenen Leben: ein Schreibtisch voller Kinderkritzeleien, der von den Vorbesitzern aussortiert wurde, ein Teppich, den mein alter Mitbewohner nie zurückverlangt hat und ein Tischchen, diverse Bücher und meine Lieblingsvase von Ursula. Ursula ist eine Frau, die mit über 80 noch an Univorlesungen teilnahm, deren Wohnzimmerwände vollends von Bücherregalen verdeckt wurden und neben deren Sofa ein edles Bartischchen mit teurem Cognac stand, den sie mir angeboten hat. Bis heute schleicht sich nach einem Blick auf meine Vase meistens ein Grinsen in mein Gesicht, weil ich an sie denke.

Redakteurin Annika Adler
von Annika Adler9 Februar, 2022
Das Wichtigste in 60 Sekunden

Die Jagd nach Vintage-Schätzen macht Spaß, aber erfordert Ausdauer und einen prallen Geldbeutel. Wer Schnäppchen sucht, braucht die richtige Taktik – mit den passenden Online-Suchbegriffen, lokalen Kleinanzeigen und Auktionen kommt man weit. Ansonsten gilt: Nicht von Chaos abschrecken lassen, denn gerade dort finden sich häufig die Goldgruben.

Die Vase, die Bücher, das Tischchen, sie verbinden uns – irgendwie. Das ist der Charme, der Secondhand-Lieblinge ausmacht. Dass Vintage außerdem oft schöner und qualitativ hochwertiger ist als ein Neukauf, macht das Ganze noch attraktiver. Überlaufene Secondhandshop-Ketten oder Vintage-Möbel aus den 70ern für mehrere tausend Euro sind deshalb keine Seltenheit mehr. Doch einige Schnäppchen und seltene Highlights gibt es noch immer – man muss nur wissen, wo und wie man danach sucht. Unsere Vintage-Schatzkarte zeigt dir den Weg.

Des Kaisers nicht ganz so neue Kleider: Stores und Tauschangebote

Dass Secondhandshops per Definition dunkel, chaotisch und tendenziell muffig sind, ist schon lange Geschichte. Ebenso wie die wild gemusterten Hemden, bunten Trainingsjacken und Bandshirts aus den 80ern, sind auch sie wieder in.

Das beweisen Konzepte wie das von Defibrillator in der Bremer Neustadt. Andreas Friedrich und Lucas Konradt sind eigentlich Betreiber der Drittel Bar. Nach dem Gastro-Shutdown und wegen der weiterhin unsicheren Zukunftsaussichten, haben sie eine Kehrtwende vollzogen. „Nach leblosen Corona-Wochen haben wir die Drittel Bar wieder zurück ins Leben geholt und sie kurzerhand zum Secondhandstore umfunktioniert“, erklären sie. Doch in der Großen Annenstraße 108 sind nicht nur die Räumlichkeiten vielseitig, auch die Auswahl lässt keine Wünsche offen: Vintage-Pieces, Markenkleidung und Klassiker wie Levi‘s Jeans findest du hier ebenso wie günstige Teile und haufenweise Accessoires.

Einen Vorteil haben unhippe Secondhandläden jedoch: Sie sind wahre Schnäppchengruben. Das Geld, das du hier sparst, erarbeitest du dir durch stundenlanges Wühlen, Kleiderstangen abklappern und „auf gut Glück“-anprobieren. Doch es lohnt sich – besonders wenn du Vintage-Basics wie Lederjacken oder Fellmäntel im Auge hast. Für solche Teile zahlst du bei gemeinnützigen Läden wie den Oxfam Deutschland Shops oft nur einen Bruchteil – und tust gleichzeitig etwas Gutes, indem du ihre entwicklungspolitische Arbeit unterstützt. Die Shops sind zum Beispiel in Oldenburg, Bremen, Hannover, Braunschweig und Göttingen vertreten. Alternativ gibt’s zum Beispiel von der Caritas Bremen die Klederschnoor (plattdeutsch für Wäscheleine). Hier kosten alle Teile zwischen einem und zehn Euro.

Tipps für Secondhand-Shopping im Internet

Von Plattformen wie Vinted, Mädchenflohmarkt, Depop (für besondere Teile und Upgecyceltes) oder Vestiaire (für Designer-Secondhand) hast du sicher schon einmal gehört. Hier kannst du in wenigen Schritten online nach gebrauchten Schätzen stöbern. In den letzten Jahren sind jedoch besonders im Internet die Preise nach oben geschossen. Online-Preisvergleiche geben Verkäufern die Möglichkeit, den aktuellen Wert ihrer Teile genau einzusehen – der schaukelt sich entsprechend nach oben. Mit Stichwörtern wie „90s“ oder „Streetwear“ kommst du deshalb nicht weit. Versuche deine Suchbegriffe stattdessen so allgemein wie möglich zu halten und lass den Vorschub „Vintage“ direkt weg. Das bedeutet zwar langes Scrollen und Aussortieren, bietet dir aber auch die Möglichkeit, Schätze zu bezahlbaren Preisen abzustauben – von Verkäufern, die sich mit dem Hype noch nicht auskennen.  

Neben klassischen Secondhandshops können auch Kleidertausch-Events interessant sein. Hier wirst du nicht nur los, was du nicht mehr brauchst – du kannst den leeren Platz auch direkt mit neuen Teilen füllen, an denen sich andere schon sattgesehen haben. Auf Kleidertausch.de werden die nächsten Termine unterschiedlicher Organisatoren gesammelt: Für Hannover kannst du dir zum Beispiel den 19. März in den Kalender schreiben. Dann findet im Kulturtreff Plantage eine Kleidertauschparty statt. Die Regeln: Jeder darf 10 gewaschene Teile und 5 Accessoires mitbringen und kann dafür 15 neue Lieblinge wählen. Das Ganze ist kostenlos.

Auch der Mädchenarbeitskreis Braunschweig organisiert zweimal jährlich eine entsprechende Veranstaltung – speziell für junge Frauen. Ausmisten, tauschen und quatschen kannst du 2022 am 20. Mai und am 23. September.

Besonders für fahrbare Untersätze: Versteigerungen

Versteigerung kennst du nur von zerschredderten Banksy-Kunstwerken und Ebay? Dann solltest du deinen Vintagejäger-Horizont unbedingt erweitern. Denn Niedersachsen und Bremen sammeln in ihren Fundbüros, Polizeirevieren und Zollämtern über die Jahre haufenweise gefundene oder beschlagnahmte Gegenstände. Abgesehen von Schlüsseln und Brieftaschen werden die nach einigen Jahren versteigert, wenn sie nicht abgeholt werden. Deine Chance ein Schnäppchen zu machen, denn die entsprechenden Online-Portale und Veranstaltungen haben nur wenige auf dem Schirm – obwohl besonders KFZ, Mopeds oder Fahrräder hier weit unter Wert unter den Hammer kommen.

Im virtuellen Auktionshaus Zoll-Auktion von Bund und Ländern findest du im Umkreis von Hannover zum Beispiel ein ehemaliges Feuerwehrfahrzeug aus den 90ern, einen Vintage Mini Cooper oder die Fahrräder aus dem Hannoveraner Fundbüro. Auch die Polizei Hannover hat einen digitalen Fahrradkeller, in dem du nach Rennrädern und Co. stöbern kannst.

Vintage-Räder sind schwer zu bekommen – und schwer zu behalten.

Damit die Versicherung im Falle eines Diebstahls zahlt, solltest du dir schon direkt nach dem Kauf einige Daten notieren. Welche, erfährst du in diesem Video.

Fahrrad geklaut? Wer zahlt jetzt? - Wo ist mein Fahrrad?! Ob Philipp da helfen kann?

In Bremen werden die Versteigerungen noch live durchgeführt: Das Fundbüro veröffentlicht die entsprechenden Termine auf seiner Webseite und in der Tagespresse, die nächsten finden im Frühling 2022 statt. Abseits institutioneller Stellen kannst du auch das Auktionshaus Weser am Hastedter Osterdeich 241 besuchen. Sieben Auktionen werden dort im Jahr veranstaltet – die angebotenen Stücke kannst du vorab online einsehen.

Wenn du dir rechtzeitig zum Start der neuen Moped-Saison am 1. März noch einen fahrbaren Vintage-Untersatz zulegen willst, bist du auf Plattformen wie Catawiki genau richtig. Als Onlinemarktplatz für besondere Objekte werden dort europaweit Raritäten im Internet gelistet – von Scheunenfunden über DDR-Maschinen bis hin zur heißgeliebten Retro-Vespa. Aber nicht nur den Kauf deines Mopeds kannst du online erledigen: Auch die hierzulande verpflichtende Versicherung ist problemlos online abschließbar. Wenn du den VGH Mopedrechner verwendest, ist das Ganze innerhalb von Minuten erledigt und deine Kennzeichen werden dir bequem nach Hause geschickt.

MopedversicherungAb 1. März geht’s los: neue Kennzeichen, Vintage-Fahrspaß.

Auf die richtige Taktik kommt es an: Kleinanzeigen

Wer sich schon mal auf die Suche nach Vintage-Möbeln gemacht hat, der weiß: Ebay Kleinanzeigen ist das Fass ohne Boden, in dem man zwischen Porzellan-Hässlichkeiten und deckellosen Tupperdosen-Sammlungen häufig Highlights entdeckt.

Doch auch hier hat der Vintage-Hype Einzug gehalten. Einige Anbieter sind nur darauf aus, mit allem, was älter als 20 Jahre ist, Geld zu verdienen. Die Preise für bestimmte Teile, wie zum Beispiel Holzmobiliar im Mid-Century Stil, bewegen sich deshalb in Bereichen jenseits von Gut und Böse. Auch hier gilt hinsichtlich der Suchbegriffe: Weniger ist mehr. Anstatt nach „Vintage“, „Rattan“ oder „Wiener Geflecht“ zu suchen, versuche es mit allgemeinen Stichwörtern wie „Stuhl“, „alt“, „Holz“ oder „Geflecht“. So findest du Verkäufer, die ihre Artikel einfach loswerden möchten, sich des Marktwertes bestimmter Stile, Materialien oder Designer aber nicht bewusst sind.

Ansonsten lohnt es sich, ab und zu einen Blick in nachbarschaftliche Kleinanzeigen zu werfen – ob beim digitalen Schwarzen Brett für Bremer oder anderen Portalen wie nebenan.de. Dort werden dir speziell Angebote und Gesuche von Leuten aus deinem Viertel angezeigt. Nach der Registrierung musst du entsprechend deine Adresse verifizieren – andere Nutzer wissen dann, dass ihr tatsächlich Nachbarn seid.

Besonders bei den Lieblingen, die wir nur schweren Herzens anderen überlassen, hilft es, einen solchen persönlichen Bezug zum Käufer zu haben. Wenn der zukünftige Besitzer direkt um die Ecke wohnt, können wir uns sicherer sein, dass wir das Lieblingsmöbel, die Vespa aus der Jugendzeit oder die Uhr für Bastler in gute Hände abgeben. Auf Nachbarschaftsportalen findest du deshalb regelmäßig Schnäppchen, die du im anonymeren Teil des Internets so nicht bekommen hättest.

Auch auf Verschenk-Portalen sind ab und zu Vintage-Schätze versteckt. Bei Free Your Stuff kannst du nach Teilen Ausschau halten, die kostenlos in deiner Nähe abzugeben sind. Häufig wurden auch inoffizielle Facebookseiten für spezielle Städte eingerichtet, zum Beispiel Free Your Stuff Bremen oder Hannover.

Chaos birgt Schätze: Flohmärkte & Gebrauchtwarenläden

Bei den besten Flohmärkten und Gebrauchtwarenläden (quasi Secondhandshops für alles außer Kleidung) verhält es sich wie mit Forrest Gumps Pralinenschachtel – man weiß nie, was man kriegt.

Denn in diesem Fall gilt tatsächlich: je chaotischer, desto besser. Schicke Vintage-Flohmärkte mit professionellen Händlern und vorsondierten Waren bergen ebenso wenige Überraschungen wie gut sortierte Gebrauchtwarenläden. In den meisten Fällen sind sie teuer, schnell überlaufen und danach leergeräumt.

Wahre Schatzsucher wagen sich auch ins chaotische Dickicht und werden für ihre Mühe belohnt: günstigere Preise, versteckte Einzelstücke und weniger Konkurrenz. Einen Überblick über die anstehenden Flohmärkte in Niedersachsen kannst du dir zum Beispiel bei Marktcom oder Flohmarktheld verschaffen. Bremen hat sogar seinen eigenen Veranstaltungskalender für Flohmarktfans.

Und was die Gebrauchtwarenläden angeht: In Dithmar’s Kaufhaus in Hannover findest du genau das Sammelsurium an Einzelstücken, das du suchst.

Das Bremer Pendant dazu ist das Kaufhaus Hemelingen – mit Speis und Trank werden ausdauernde Shopper im angrenzenden Café Werner versorgt.

Auch der Gebrauchtwarenladen mit dem einfallsreichen Namen „Second-Hand-Shop – An- und Verkauf aller Art“ in der Bremer Überseestadt lässt genau das Chaos vermuten, das einen guten Vintagejäger anzieht. Also ab auf die Lauer!

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