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Umweltfreundlicher Festivalbesuch: Grüne Gäste: So geht Nachhaltigkeit auf dem Festival

Wer am Montagmorgen den Campingplatz verlässt, dem bietet sich ein Bild, das man wohlwollend als Chaos bezeichnen könnte. Ist man realistisch, würde man es vermutlich Komplettzerstörung nennen. Denn nicht nur die Körper der Festivalbesucher sind nach vier Tagen Zeltleben und Feierei geschunden: Auch der Zeltplatz wurde in Mitleidenschaft gezogen und die Regel „Verlasse den Ort so, wie du vorgefunden hast“ scheint dort nicht zu gelten. Riesige, grasig-zertretene Weiten und so weit das Auge reicht… Müll. Zusammengefallene Pavillons, halbaufgegessene Dosenravioli, Brotdosen, kaputte Campingstühle – das meiste absichtlich vergessen. Fehlt eigentlich nur noch Tumbleweed (ja, so heißt das Zeug aus Cartoons und Western), das symbolisch durch die Zerstörung fegt.

Redakteurin Annika Adler
von Annika Adler24 Juni, 2022
Das Wichtigste in 60 Sekunden

Wer am Montagmorgen den Campingplatz verlässt, dem bietet sich meist ein Bild der Verwüstung. Umweltbewusste Festivalgänger legen mehr Wert auf Nachhaltigkeit: Sie fahren mit den ÖPNV zum Gelände, reparieren kaputte Campingausrüstung, anstatt sie liegen zu lassen und nehmen nur so viel mit, wie sie brauchen. Einweggeschirr und Pappbecher sind ebenfalls ein No-Go. Damit sparst du am Ende nicht nur CO2, sondern auch Geld!

Kein Spaß – weder für Veranstalter noch Umwelt. Denn Zelte und andere Plastik-Überbleibsel müssen nicht nur aufgesammelt werden, sondern bestehen auch meist aus Erdöl basierten Kunststoffen. Deren Entsorgung ist eine Verschwendung wertvoller Ressourcen und sorgt gleichzeitig für noch mehr CO2. Eine Belastung, die im Gegensatz zu vielem anderen im Alltag ohne Probleme vermeidbar wäre.

Der meiste Müll der Festivalbesucher kommt dabei rund ums Camping zusammen. Ein Tipp, den wir deshalb bereits vorwegschicken können: Bei Eintagesfestivals, auf denen du nicht campst, kannst du besonders grün feiern. Das geht zum Beispiel beim Ferdinands Feld auf dem Flugplatz Rotenburg/ Wümme. Hier gibt’s über 12 Stunden diversesten Elektro auf die Ohren – und das ganz ohne Camping-Muss. Auf unserer Eventseite findest du viele weitere Infos zum Festival, z.B. wo du dir kostenlos Glitzer und Flechtfrisuren abholen kannst und wie du ganz easy Zutritt zu einer exklusiven Stage bekommst. 

Du willst mehr erfahren?Grüner Festivalbesuch: auf dem Ferdinands Feld kein Problem!

5 Tipps für einen umweltfreundlicheren Festivalbesuch

Jedes dritte Zelt wird statistisch gesehen auf dem Zeltplatz zurückgelassen – dass das nicht nachhaltig ist, kannst du dir vermutlich denken. Doch es gibt noch andere Punkte, an denen du ansetzen kannst, um deinen Festivalbesuch umweltfreundlicher zu gestalten.

1. Reise mit Bus und Bahn

Ja, ja, mit dem Auto ist es viel bequemer. Aber versuch mal so zu denken: Du sparst dir Benzin, Parkplatz-Warterei und musst gleichzeitig darauf achten, dass du nicht zu viel Krimskrams einpackst – umweltfreundlicher Minimalismus quasi. Außerdem sind öffentliche Verkehrsmittel ein wunderbarer Ort, um bereits vor Festivalbeginn andere motivierte Gäste kennenzulernen (und eine zukünftige Zeltnachbarschaft mit dem ersten Dosenbier zu besiegeln). Die meisten Veranstaltungen bieten zudem kostenlose Shuttleverbindungen vom nächstgelegenen Bahnhof an. Teilweise ist sogar die Hinreise mit der Bahn im Ticketpreis inbegriffen oder zumindest vergünstigt.

2. Leihe dir Campingausrüstung und repariere, was kaputt geht

Nicht jeder besitzt ein Zelt, einen Schlafsack oder einen großen Rucksack. Komplette Equipment-Neukäufe sind aber trotzdem nur selten nötig. Sicher gibt es im Freundes- und Bekanntenkreis einige Dinge, die du für ein paar Tage ausleihen kannst (das spart übrigens auch Platz auf dem eigenen Dachboden oder im Keller). Lass deine kaputte Campingausrüstung außerdem nicht einfach auf dem Festivalgelände liegen. In Niedersachsen und Bremen gibt es jede Menge sogenannter Repair Cafés, in denen du Zelte, Luftmatratzen oder Schlafsäcke ganz einfach reparieren kannst. Hier findest du heraus, wo die nächste Reparaturstation ist.

3. Kaufe haltbares Essen und kalkuliere die Menge richtig

Oft scheint es vor Festivalbeginn schwierig einzuschätzen, was und wie viel Essen wirklich nötig ist. Versuche vor allem darauf zu achten, dass deine Lebensmittel auch bei Hitze oder Regen haltbar bleiben, denn verdorbenes Essen ist noch ärgerlicher als übrig gebliebenes. Konzentriere dich ansonsten auf das Wesentliche. Foodshare-Stationen, festivaleigene Supermärkte oder in Laufdistanz gelegene Einkaufsmöglichkeiten können dir Sicherheit bieten, wenn doch mal etwas nachgekauft werden muss. Bei Ersteren kannst du nicht nur kostenlos Essen mitnehmen, sondern auch alles, was über bleibt, mit den verbliebenen Gästen teilen. Welche Lebensmittel besonders für deinen Festivalbesuch geeignet sind, kannst du in unserem Festival-Survival-Guide.

4. Nutze möglichst viele biologisch abbaubare Produkte

Besonders wenn es um Duschutensilien, Zahnputzzeug oder andere Dinge geht, die potenziell in den Boden sickern können, solltest du darauf achten, nachhaltige Naturprodukte zu verwenden. Geld, Müll und Platz im Rucksack kannst du darüber hinaus sparen, indem du dich mit anderen absprichst und klärst, wer welche Utensilien mitbringt. So könnt ihr euch Sonnencreme und Co. teilen. Was du dann doch selbst mitbringen willst, kannst du in kleine Behälter abfüllen, anstatt alle Produkte in Reisegrößen zu kaufen.

Wenn du Glitzer-Fan bist, sollte der unbedingt biologisch abbaubar sein. Denn das Mikroplastik, das du so übers Gelände verteilst, ist fast unmöglich zu entsorgen. Noch besser: Besorg dir z.B. Konfetti, das Saatgut beinhaltet. So kannst du nicht nur angemessen feiern, sondern auch die Biodiversität stärken (funktioniert auch außerhalb von Festivals).

5. Bring haltbares Geschirr und Besteck mit

Unmengen an Müll auf Festivals entstehen durch Einweggeschirr und -besteck. Das meiste davon kannst du gerade mal für eine Mahlzeit verwenden (und ganz ehrlich: Die Messer funktionieren doch eh nie). Wenn du dir einfach einmal ordentliches Reisebesteck aus Metall oder Holz zulegst, sparst du über die Festivalsaison vermutlich sogar Geld – vom Abfall ganz zu schweigen. Auch wiederverwendbare feste Plastikbecher und -teller (erinnere dich an deinen letzten Kindergeburtstag) sind nachhaltiger. So vermeidest du außerdem die Menge an Pappe, die du bei allem Essen, was Soße beinhaltet, unweigerlich vom aufgeweichten Teller mitisst.

Die meisten Imbissbuden kannst du übrigens beten, dein Essen unverpackt auf deinem mitgebrachten Teller zu servieren

Noch mehr tun: #sotrashandsoclean

Im Sommer 2017 war Katrin Rieber zum ersten Mal Teil eines Festival-Aufräumteams. „Ich war schockiert und inspiriert zugleich, als ich sah, wie viel Material nach einem Festival auf dem Campinggelände zurückbleibt“, erklärt die Gründerin von tentation.

Viele intakte Zelte, Isomatten und Schlafsäcke würden von gemeinnützigen Organisationen gesammelt und für sinnvolle Zwecke verwendet, kaputte Zelte jedoch blieben unbrauchbar. Die riesigen Mengen Zurückgelassenes boten sich also perfekt zum Recyceln an: Das wetterfeste, eigentlich hochwertige Material sei viel zu wertvoll, um einfach auf dem Müll zu landen, betont Katrin Rieber. „Ich sammelte einen Kofferraum voll mit Zelten und begann im Atelier mit meinen Studien, entwickelte eine erste Kollektion.“

Ihre Idee: Das Team von tentation kooperiert mit Festivals und sammelt im Nachgang hinterbliebene Zelte, Planen oder Luftmatratzen, um deren Materialen wieder in den Kreislauf zurückzuführen. Aus ihnen werden Regenmäntel, Windjacken, Bodybags oder Rucksäcke.

Nachdem der perfekte Start in den Festivalsommer 2020 durch die Pandemie vereitelt wurde, hielt sich Riebers Unternehmen durch Crowdfunding über Wasser. Nun, in 2022, kam dann der erste große Auftritt bei Rock am Ring. Was dort gesammelt wurde, wird in den nächsten Monaten zu neuem Leben erweckt. Hier könnt ihr euch anschauen, wie das Ganze vermutlich mal aussehen wird – noch ist der Shop nämlich nicht online. Es heißt also erst mal: geduldig sein und den Umweltschutz in die eigene Hand nehmen!

Wie das auch außerhalb der Festivalgrenzen funktioniert und du zum Waste-Warrior werden kann, kannst du in diesem Artikel nachlesen.

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