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Der Moped-Guide: 45 km/h Freiheit

45 km/h sind nicht die Welt. Sie sind gerade schnell genug, um ambitionierte E-Bike-Fahrer zu überholen und gerade langsam genug, um auf der Landstraße unangenehm aufzufallen. Und doch sind sie für viele mehr. 45 km/h können der erste Schritt in Richtung Unabhängigkeit sein, sie können pure Nostalgie oder wohlverdiente Entschleunigung bedeuten. Was auch immer sie aussagen, ihre Fahrer verbindet eines: die Liebe zum Moped. Die kleine Schwester des Motorrads hat einen treuen Fanklub um sich geschart. Der fachsimpelt, restauriert selbst und grüßt sich, wenn sich die Wege mal kreuzen – und ist immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Du hast Lust, in die Riege der Zweiradfahrer aufgenommen zu werden? Wir haben gemeinsam mit Bastler Dennis Vogt alles zusammengetragen, was du wissen musst.

Redakteurin Charlotta Witte OEVB
von Charlotta Witte7 April, 2022
Das Wichtigste in 60 Sekunden

Was du alles brauchst, um dir ein Stück Unabhängigkeit zu holen? Nichts außer ein Kleinkraftrad, ein wenig handwerkliches Geschick, nützliche Apps und einen Draht zur hilfsbereiten Community. Bei Restaurationen helfen YouTube-Channels von anderen Schraubern, denn die alten Roller können noch gut selbst repariert werden. Und um dir tolle Routen rauszusuchen, brauchst du fast nur eine vernünftige Straßenkarte. Dann heißt es immer der Nase nach.

Dennis Vogt, Produzent und Vespa-Bastler

Dennis Vogt ist einer der oben beschriebenen Nostalgie- und Langsamkeitsliebhaber. Auf seinem Hof kurz vor Bremerhaven sucht der Filmproduzent und Content Creator nach einem Ausgleich zu seinem digitalen Leben. Gefunden hat er ihn im Ausbau seiner Mühle, beim Basteln am Bulli und in der Restauration seiner inzwischen vier Vespas. Die Zweikrafträder (wie das Ganze im Fachjargon heißt) sind seine Leidenschaft. „Ich wollte eigentlich einen Vespa-Verleih eröffnen, damit auch andere die Natur hier so genießen können wie ich“, erzählt er. Doch da Vespas für Anfänger nicht ohne sind, berät er heute erst mal uns bei allem, was klein ist, brummt und fährt.

Tipps für den Kauf

Ob du ein Mofa (25 km/h), ein Moped oder einen Roller (beide 45 km/h) kaufen willst, das ist ganz dir und deinen Vorlieben überlassen.

Den Zustand deines zukünftigen Gefährts solltest du vom Aufwand abhängig machen, den du betreiben willst. Einfach ein wenig Rost entfernen und Lack drüber oder doch lieber komplett aufpäppeln?

Wenn du dich für Letzteres entscheidest, solltest du vorsichtig sein: „Für mich war immer wichtig, dass der Motor rund läuft. Bleche ausbeulen oder auswechseln und Lacke abschleifen und wieder auftragen ist kein Problem. Den Motor auseinanderzunehmen ist eine ganz andere Sache“, erklärt Dennis. „Da brauchst du häufig Spezialwerkzeug für. Das wollte ich mir sparen.“ Wenn du auf der Suche nach einem entsprechenden Vintage-Gefährt bist, erklären wir dir hier, wie du ein bezahlbares Exemplar in die Finger bekommst.

Einfach auftanken und los?

Bitte nicht! Das Praktische an den Kleinkrafträdern bis 50 ccm ist zwar: Sie sind nicht zulassungspflichtig, sprich du musst keine Kfz-Steuer dafür zahlen. Dafür brauchst du aber eine Haftpflichtversicherung und ein Versicherungskennzeichen, sonst kannst du deinen Liebling auch gleich in der Garage stehen lassen.

Die Versicherung springt für dich ein, falls du mal einen Unfall baust und z.B. für dicke Kratzer an einem Neuwagen aufkommen musst. Mit Teilkasko bist du auch bei Diebstahl, dem Zusammenstoß mit Tieren oder einem Kurzschluss an der Verkabelung versichert. Der Abschluss geht ganz einfach online – das Kennzeichen kannst du dir dann nach Hause schicken lassen.

MopedversicherungErst absichern, dann Abfahrt!

Für die erste Ausfahrt gelten außerdem Sonderegeln: Zum Beispiel solltest du nicht über alles rüberbrettern, was dir im Weg liegt – besonders nicht über feuchte Blätterhaufen. „Bei den kleinen Reifen kann es schnell passieren, dass du wegrutschst und das kann gefährlich werden“, weiß Dennis.

Außerdem solltest du immer ein Werkzeugset für den Notfall dabeihaben, „selbst, wenn du nur zehn Minuten unterwegs bist“. Wichtig sind die gängigsten Schraubenschlüssel, damit du Teile wechseln oder Schrauben nachziehen kannst.

Die perfekte Strecke

In Niedersachsen bedeutet Mopedfahren, nicht ständig auf den Bus warten oder abgeholt werden zu müssen und bei einer Tour einfach die Seele baumeln lassen zu können. Hier gibt‘s besonders viele Möglichkeiten für tolle Touren. „Ich fahre gerne auch mal auf Radwegen mit meiner kleinen Vespa“, erzählt Dennis. „Oder an der Weser entlang und höre dabei leise ein bisschen Techno – oder auch Meditationsmusik.“

Möchtest du auch mal durch die Kurven gleiten, eignen sich Touren durch den Harz. Lass dich ruhig von Motorradtouren inspirieren, die sind meist schön kurvig und führen dich durch landschaftlich vielfältige Gebiete. Die Schaumburger Zeitreise startet z.B. am Bückeburger Schloss und führt durch das Wesergebirge und das Wesertal bis ins Lipper Bergland. Auch eine Tour von Hildesheim über die Rühler Schweiz zeigt dir die schönsten Seiten Niedersachsens.

Ansonsten gilt: Kauf dir eine ordentliche Straßenkarte – etwa an der Tankstelle – und such dir die grün markierten Strecken raus. Vermeide dabei aber Straßen, die mit E(uropastraße), A(utobahn) oder B(undesstraße) gekennzeichnet sind. Folge deiner Nase, fahre bis zur Ostsee oder an die niederländische Grenze. Oder mach es wie Dennis und plane deine Routen in der App Footpath. Was die so besonders macht, erfährst du im nächsten Abschnitt.

4 Apps, die Mopedfahrern das Leben leichter machen

Für deine Touren und Ausritte gibt es jede Menge elektronische Helferlein, die die Routenplanung, den Kontakt mit anderen Fahrern und das „Nicht-Verfahren“ erleichtern – oder einfach Spaß machen.

Footpath

Wie praktisch wäre es, mit dem Finger seine Route auf der Karte einzuzeichnen? Tja, genau so funktioniert Footpath. Male mit dem Finger über die Landkarte – die App errechnet und zeigt dir die passende Route, die du nehmen kannst. Einfacher kannst du deine Tour nicht planen.

Calimoto

Plane mit dieser App deine nächste Rollertour. Warum? Calimoto ist für Motorradtouren gedacht und zeigt dir deshalb besonders kurvige Wege. Die Sprachausgabe ist außerdem speziell auf Zweiradfahrer ausgelegt. Gleichzeitig wird deine Route auf Schräglage, Beschleunigung und Höhenmeter hin analysiert – das Ergebnis kannst du mit anderen Mopedfans teilen.

Maps 3D

Die beste Methode, um sich unterwegs zurechtzufinden, sind Offline-Karten, die nur mit GPS-Signal funktionieren. Das spart Akku und du brauchst keine stabile Netzverbindung. Mit der App siehst du die Straße inklusive Berg- und Talfahrten in 3D vor dir. Der integrierte Höhenmesser kombiniert NASA-Scans über die Höhenprofile der Erde mit der Outdoor App OSM – und zeigt dir so live, wo und wie hoch du gerade bist.

Relive 3D-Tracking-Videos

Ihr seid mit ein paar Club-Mitgliedern eine lustige Tour gefahren? Einer ist liegen geblieben oder musste beim Aufstieg auf den Berg hinter euch hergurken? Dann schaut euch das Ganze mit der Relive App im Mario-Kart Stil an. Sie verwandelt eure Route in ein lebhaftes, animiertes 3D-Video, dass du mit eigenen Bildern der Tour verfeinern kannst.

Selbstbasteln statt „den Profi ranlassen“

Gerade wenn du mit deinem guten Stück unterwegs bist, kann es sein, dass du bei Zündkerze, Motor und Co. schnell erste Hilfe leisten musst. Besser also, wenn eine Werkstatt in der Nähe ist. „Meist arbeiten Rollerfahrer selbst an den Geräten. Besonders die alten Modelle sind so gebaut, dass man noch überall rankommt“, erklärt Dennis.

Heutzutage sei das nicht mehr so. „Die neuen Fahrzeuge sind so konstruiert, dass du ohne professionelle Hilfe nicht mal eine Glühbirne wechseln kannst. Aber für Roller gibt es wirklich gute Youtube-Channels, die dir beim Reparieren helfen können.“ Such am besten in deinem Umfeld eine Selbsthilfewerkstatt, wie etwa die 2-Radscheune in Bremen oder Toshy‘s in Braunschweig, damit du immer weißt, wo du hinkannst.

Speziell bei Vespas findest du für jedes Modell eine eigene Bauanleitung im Netz. Explosionszeichnung ist hier der Fachbegriff für die grafische Darstellung, die einen komplexen Gegenstand – etwa den Motor – in all seine Einzelteile zerlegt darstellt. „Es ist wie ein Lego-Bausatz für Erwachsene“, erklärt Dennis. „Ich empfehle dringend zu jeder Schraube, die du rausdrehst, ein Video oder Bilder zu machen, damit du nachher wieder weißt, wo sie war.“ Oft sind in den älteren Maschinen nicht mehr alle Originalteile und Schrauben verarbeitet, das kann zusätzlich für Verwirrung sorgen.

Hier trifft sich die Szene

„Ich habe bei einer Tour mal die falsche Mischung von Öl und Benzin für den Tank abgefüllt und bin irgendwann liegen geblieben“, erzählt Dennis lachend. Glückerweise war er Mitglied in einer WhatsApp Gruppen des Vespa-Clubs De Diekdüvels Nordseeküste. „Die konnten mir relativ schnell sagen, dass wohl meine Zündkerze abgesprengt wurde.“ Die Unterstützung dort sei groß – Grund genug, selbst Teil der Szene zu werden.

Clubs gibt es in Niedersachsen und Bremen viele: Sie heißen Heiße Kette, Torpedos oder einfach Mofa Club Delligsen. Hier gibt es – anders als in manchen Motorrad-Clubs – keine Mitglieder, die sich hocharbeiten müssen. Das, was hier zählt, ist der Spaß am gemeinsamen Hobby Kleinkraftrad. „Eigentlich gibt es keine Ausgrenzung in der Szene. Sie helfen sich gegenseitig – egal ob du Mofa, Vespa oder Mokick fährst“, berichtet Dennis. Eine wichtige Regel gäbe es trotzdem: „Plastik ist Pfui. Nur Blech ist echt und gehört zur Szene.“

Die trifft sich natürlich auch zu kleinen Touren, Festen oder Rennen – zum Beispiel beim „2 Takt Treffen“ des Motorsportclubs Moorwinkelsdamm. Vom 8. bis 10. Juli 2022 finden dort ein Mofa-Turnier, ein privater Teilemarkt und eine Rallye statt. Welche Termine sonst noch anstehen, kannst du bei den Schreckschrauben (einem der ausschließlich weiblichen Zweirad-Clubs Deutschlands) nachlesen. Die Liste ist lang, denn endlich ist Frühling – und damit Zeit, die Moped-Saison einzuläuten. Also nichts wie ran da!

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