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Leben in der Wohngemeinschaft: Diese 10 WG-Regeln müssen sein

In Göttingen gibt es sie, in Oldenburg auch, in Hannover sowieso und sogar im beschaulichen Vechta – Universitäten. Niedersachsen ist ein Uni-Land. Und damit auch voller Wohngemeinschaften. Die sind nicht nur für Studenten, sondern auch für Azubis und Berufseinsteiger interessant. Aber egal, mit wem du zusammen ziehst: Gut funktioniert es nur mit ein paar grundlegenden WG-Regeln.

Regel 1: Besuch abstimmen

Das Tolle an Wohngemeinschaften ist, dass ständig jemand da ist und du nicht alleine auf dem Sofa versauerst. Vor allem, wenn du neu in eine Stadt ziehst, in der du noch niemanden kennst, ist es schön, wenn du mit deinen Mitbewohnern gemeinsam kochen, fernsehen oder spielen kannst. So werdet ihr schnell zu einem eingeschworenen Team. Das funktioniert allerdings nicht, wenn andauernd Freunde und Bekannte von Mitbewohnern dabei mitmischen oder Partys im kleinen Kreis veranstalten. Wenn dann noch Chips und Bier aus dem WG-Vorrat verschwinden, Fremde das Fernsehsofa in Beschlag nehmen und einen Trash-TV-Marathon hinlegen, kann eine Grenze überschritten sein. Besuch geht natürlich klar, aber nur so viel, dass niemand genervt ist.

Regel 2: Rücksicht nehmen

Du hast zwar ein eigenes Zimmer, dein eigenes Reich ist die Wohngemeinschaft aber noch lange nicht. Du kannst zwar deine Bude aufräumen, wann du willst – oder bis es sich beim besten Willen nicht mehr aufschieben lässt. Doch die Musik von morgens bis abends bis zum Anschlag aufzudrehen, geht gar nicht und garantiert dir den Unmut deiner Mitbewohner. Auch den letzten Schluck Milch in den Kaffee kippen und die leere Tüte wieder in den Kühlschrank stellen, ohne für Nachschub zu sorgen, lässt schnell den Haussegen schief hängen. Also versuche, deinen Mitbewohnern keinen unnötigen Stress zu machen. Schließlich willst du morgens auch in Ruhe deinen Kaffee trinken, ohne vorher erst einmal einen Ausflug in den Supermarkt machen zu müssen.

WG-Regeln: Junger Mann hockt in dunklem Raum hinter Bildschirm und Audio-Mischpult
Strebst du eine DJ-Karriere an? Dann nutzt du besser öfter mal Kopfhörer.

Regel 3: Privatsphäre respektieren

Klar ist es interessant, die Postkarten anderer zu lesen. Doch mit der Post deiner Mitbewohner solltest du das definitiv nicht tun. Und auch wenn ihr inzwischen echt gute Freunde geworden seid: Ohne Anklopfen in ein Zimmer zu platzen, ist ein No-Go. Die meisten Menschen dürften auf solche Eingriffe in ihre Privatsphäre allergisch reagieren. Du hingegen siehst das grundsätzlich ganz entspannt und bist überhaupt ein sehr lockerer Typ? Das ist grundsätzlich okay. Wenn deinen Mitbewohnern aber viel an ihrer Privatsphäre liegt, solltest du das berücksichtigen. Ein Gespräch kann hier helfen.

Regel 4: Putzen planen

Reden wir nun über die schmutzigen Seiten des Lebens in einer WG: dreckiges Geschirr, schmierige Waschbecken und Kloschüsseln. Wo gelebt wird, hinterlässt das nun mal Spuren. Und die müssen gelegentlich beseitigt werden. Fragt sich nur, wer das macht. Wenn keiner deiner WG-Mitbewohner unter einem Putzzwang leidet, ist mit Freiwilligen kaum zu rechnen. Deshalb braucht deine WG einen Putzplan. Darin haltet ihr fest, wer wann die gemeinsam genutzten Räume wie Küche, Bad und Wohnzimmer vom Dreck befreit. Gerne vergessen wird der Flur, wo man schnell mal mit durchsaugen sollte. Teilt es euch je nach Zimmer, Personenanzahl und gewünschter Frequenz auf und definiert die Tätigkeiten. In manchen WGs klappt es besser, wenn Personen und Räume wöchentlich rotieren, in anderen wenn pro Woche einer alles putzt. Festhalten könnt ihr das anschließend nach Belieben digital mit Hilfe einer WG-App oder ganz oldschool auf einer Magnettafel, in verschiedenen Papier- oder Pappformaten oder mit kleinen Helferlein, wie Wäscheklammern oder Pins. Ideen für Putzpläne findet hier.

Regel 5: Geldfragen klären

Im Studium oder in der Ausbildung haben die wenigsten ein prall gefülltes Portemonnaie. Doch auch wenn Geld gerade nicht das angenehmste Thema für dich ist, muss irgendwann die Frage auf den Tisch: Wer zahlt was? Darüber haben sich schon viele WGs zerstritten. Dabei ist das Problem eigentlich leicht in den Griff zu bekommen. Eine Empfehlung: Möbel, Geräte oder sonstige Anschaffungen, die ihr für das alltägliche WG-Leben braucht, zahlt jedes Mitglied anteilig. So vermeidet ihr Streit, wenn mal was kaputt geht. Voraussetzung ist natürlich, dass ihr vor dem Kauf darüber sprecht – auch über den Preis. Euren bezahlten Anteil könnt ihr euch notieren und beim Auszug als Abschlag an euren Nachmieter weitergeben.

DIE BESTEN WG-APPS

Ob für den Putzplan, die Einkaufsliste oder Finanzielles: Mittlerweile gibt es einige Apps, die das WG-Leben vereinfachen. Probier’s mal aus:

  • Die Allround-App: Flatastic für iOS oder Android
  • Die Veranstaltungs-App: Den Party- und Eventplaner gibt es nur für iOS

WG-Mietvertrag: Drei mögliche Varianten

Einer ist Hauptmieter: Ein WG-Mitbewohner allein hat einen Mietvertrag mit dem Vermieter abgeschlossen. Wer sonst noch in der Wohnung lebt, gilt als Untermieter. Der Hauptmieter hat hier alle Rechte und Pflichten im Verhältnis zum Vermieter. Das heißt, er haftet auch für das Verhalten der anderen WG-Mitbewohner. Damit schuldet er zum Beispiel dem Vermieter Geld, wenn ein anderer WGler seine Miete nicht zahlt. Umgekehrt kann der Hauptmieter die ganze Wohnung kündigen, ohne dass er die Untermieter fragen muss.

Alle sind Hauptmieter: In diesem Fall hat jeder Bewohner den WG-Mietvertrag unterschrieben und haftet gesamtschuldnerisch. Will etwa der Vermieter die Wohnung kündigen, muss er alle Bewohner einzeln darüber informieren. Umgekehrt reicht es nicht, wenn nur ein Mieter die Wohnung kündigt. Das müssen alle gemeinsam machen.

Jeder ist Mieter: Hier mietet jeder WG-Mitbewohner sein eigenes Zimmer und anteilig gemeinsam genutzte Räume wie Küche und Bad. Damit ist er nur für seinen Bereich haftbar und begleicht zum Beispiel seine Nebenkosten separat. Möchte er sein Zimmer kündigen, kann er das im Alleingang. Nachteil bei diesem Modell: Oft wählt der Vermieter die Bewohner aus. Ihr könnt dann nicht selbst entscheiden, wer in eure WG passt, wenn ein Zimmer frei wird.

Regel 6: Einkaufen gehen

Noch so eine lästige Pflicht im Dienste des Allgemeinwohls einer Wohngemeinschaft: Einkaufen. Das macht natürlich jeder für seinen persönlichen Bedarf selbst. Doch was ist mit gemeinschaftlichen Vorräten für das alltägliche Leben in einer WG, zum Beispiel Reinigungsmittel, Kaffee, Tee oder Toilettenpapier? Nachdem ihr definiert habt, welche Produkte ihr gemeinsam nutzt, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder kaufen alle gemeinsam ein oder ihr wechselt euch dabei ab. Auch hier kann ein Plan helfen, damit der Einkauf nicht immer an den selben Leuten hängen bleibt. Bei ähnlichen Beträgen kann eine Strichliste genügen, an die man immer einen Strich macht, wenn man zum Beispiel einmal Toiletten- oder Haushaltspapier kauft. Sinnvoll für solche Einkäufe kann auch eine gemeinsame Haushaltskasse sein, in die jeder zu Monatsbeginn einen bestimmten Betrag einzahlt. So spart ihr euch hinterher das Auseinanderrechnen und Geld eintreiben.

Die App Flatastic bietet hier auch eine Möglichkeit. In der App kann man Beträge anlegen und entscheiden, zwischen welchen Mitbewohnern sie aufgeteilt werden. Alle Beträge werden gegengerechnet und man kann bei einem gemeinsamen Kassensturz die Differenzen ausgleichen.

Zwei junge Frauen stehen im Supermarkt am Gemüseregal
Einkaufen kann auch zusammen Spaß machen.

Regel 7: Nett sein

Ein entspannendes Bad – das ist genau das, was du nach deinem anstrengenden Tag brauchst. Das Wasser plätschert schon, Buch und Weinglas stehen neben der Wanne bereit. Und ausgerechnet jetzt bekommt deine Mitbewohnerin die spontane Einladung zu dem Date, auf das sie schon so lange hofft und muss sich sofort aufhübschen. Jetzt solltest du Größe beweisen, dein Bad verschieben und ihr den Vortritt im Badezimmer lassen, denn gemeinsames WG-Leben ist ein Geben und Nehmen. Auch bei anderen Gelegenheiten darfst du gern zuvorkommend sein, etwa freiwillig den Müll runtertragen oder außer der Reihe Geschirrspülen. Das bringt dir Sympathiepunkte ein und erhöht die Chancen, dass auch dir mal ein WG-Mitbewohner aus der Bredouille hilft. Übrigens nach dem Baden nicht vergessen, deine Haare aus dem Abfluss zu fischen.

WG-Regeln: Junge WG sitzt in Küche und frühstückt
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Privathaftpflichtversicherung für die WG

Einmal nicht aufgepasst und schon ist ein richtig teures Malheur passiert. Kippst du versehentlich deinen Kaffee auf das High-End-Notebook eines Mitbewohners, das auf dem Frühstückstisch stand. Dann musst du für den Schaden aufkommen. Das können in diesem Beispiel ein paar Tausend Euro sein. Noch teurer wird es, falls Personen durch dich verletzt werden. Eine Privathaftpflichtversicherung übernimmt in solchen Fällen für dich die Prüfung, ob und in welcher Höhe du für einen Schaden haftest. Berechtigte Ansprüche begleichen wir und unberechtigte Ansprüche wehren wir für dich ab.

Informiere dich hier über deine Möglichkeiten bei der VGH oder bei der ÖVB (für alle aus Bremen und Bremerhaven).

Regel 8: Versprechen halten

„Klar kümmere ich mich um deine Pflanzen, wenn du im Urlaub bist.“ Machst du solche Zusagen, musst du dich daran halten – und zwar gewissenhaft. Gleicht die Botanik im Zimmer deines WG-Mitbewohners bei dessen Rückkehr einer Wüstenvegetation, geht das allein auf deine Kappe. Er hat jedes Recht, sauer auf dich zu sein. Gleichzeitig leidet dein Image und macht dir das Leben in deiner WG unnötig schwer, weil man dir nicht unbedingt vertraut.

Regel 9: Reden und reden lassen

Jeden Morgen hängen Zahnpastareste im Waschbecken, ein WG-Mitbewohner schließt nie die Tür ab, wenn er die Wohnung verlässt, ein anderer lässt regelmäßig seine schmutzige Unterwäsche im Bad herumliegen. Wenn dich das stört, dann schlucke deinen Ärger nicht runter, sondern sprich das Thema unter vier Augen oder in der Gruppe an. Hierfür bieten sich regelmäßige WG-Meetings an. Die machen umso mehr Spaß, wenn man keine zu besprechenden Probleme hat. Aber zum Leben in einer Wohngemeinschaft gehört nun mal auch, dass man mal Probleme diskutieren muss, die man alleine nicht hätte. Das hat nichts mit mangelnder Höflichkeit zu tun. Vielmehr dient das langfristig dem sozialen Frieden – auch wenn dein eigenes Verhalten mal Thema sein sollte. So wie dich manchmal Dinge deines Mitbewohners stören, können ihn auch Eigenheiten deinerseits stören. Nur wenn Du ihm respektvoll zuhörst, kannst du erwarten, dass er es sich auch zu Herzen nimmt.

WG-Regeln: Junge WG trifft sich in Küche und diskutiert
Wenn euch was nicht gefällt: Redet darüber in regelmäßigen WG-Meetings.

Regel 10: Habt Spaß zusammen

Der letzte Punkt stellt eher einen Tipp dar, der in einem guten Zusammenleben gern zur Regel werden darf. Wie wäre es, wenn ihr zum Beispiel einmal in der Woche gemeinsam kocht oder etwas anderes unternehmt? Das macht eurer WG-Zusammenleben gleich viel schöner!

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