add-lineclose-linedeezerfacebook-fillinstagram-fillitunesloading-fillmenu-linenext-linepause-lineplay-fillprev-linesearch-linespotifysubtract-linetwitter-fillGroupyoutube-fill

Konflikte lösen

So lernst du richtig streiten

Schon wieder steht der Staubsauger nicht in der Kammer. Die Party geht gleich los und dein Partner ist immer noch im Bad? Streit in der Beziehung ist normal, jeder hat andere Bedürfnisse. Doch was passiert, wenn ihr euch nur noch streitet und nicht vorankommt? Wir zeigen Hürden, die ihr aus dem Weg räumen könnt, auf dem Weg zu einer gesunden Beziehung.

Lisa Vogt Redakteurin JetztLosleben VGH
von Lisa Vogt25 Juni, 2021
Zwei Hände machen das Peace Zeichen
Das Wichtigste in 60 Sekunden

Streit in der Beziehung ist wichtig. Hier werden die unterschiedlichen Bedürfnisse und Wünsche des Partners klargestellt. Allerdings führen viele Reibereien nicht zu einer Lösung oder Versöhnung. Stichwort: schlechte Kommunikation in der Beziehung. Richtig streiten ist nicht so einfach. Wie wir streiten oder Konflikte lösen, lernen wir schon in unserer Kindheit. Du lernst es bei deinen Eltern, in der Schule, in deinem direkten Umfeld. Manchmal lernst du auch gar nicht deine Wünsche und Bedürfnisse richtig oder überhaupt zu äußern. Und so liegen die Gründe für einen Streit meist nicht bei der dreckigen Schüssel im Spülbecken, sondern in der Vergangenheit. Hört euch gegenseitig zu. Fragt euch selbst, warum ihr so reagiert und handelt. Das ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer gesunden Beziehung.

Ist streiten in der Beziehung wichtig?

Na, schon mal gestritten? Sind beim Streit mit dem Partner schon mal so richtig die Fetzen geflogen? Oder vielleicht zählen du und deine bessere Hälfte eher zu den Pärchen, die sich kaum zoffen. Dabei gehört ein Streit in der Beziehung zum guten Ton in der Kommunikation – wenn er richtig angegangen wird. Menschen sind verschieden, jeder hat seinen eigenen Kopf. Da ist es völlig normal, wenn die individuellen Bedürfnisse kollidieren. „Wer nicht streitet, wer seine Bedürfnisse nicht nennt, der zeigt sich nicht“, sagt Cathrin Schulz, Paartherapeutin der ProFamilia Beratungsstelle Wilhelmshaven. Und unterdrückte Bedürfnisse können auch zu Frust führen. Trennungsgrund sind also nicht immer die Streitthemen, wie etwa eine dreckige Socke. Oft ist es die Art und Weise, wie Paare die Konflikte lösen. Beleidigungen, extreme Wutausbrüche, Sarkasmus, Schweigen, Flucht, Rache – all diese Methoden führen nicht zu dem gewünschten Ziel einer Versöhnung oder einer Lösung des eigentlichen Problems.

Cathrin Schulz von Pro Familia ist Expertin für das Thema Streit
Cathrin Schulz, Paartherapeutin von ProFamilia

Warum muss man streiten?

Die Gründe und Ursachen für einen Streit sind unendlich. Der Mensch ist komplex in seiner Art, in seinem Denken und eben auch in seinen Gefühlen. „Jeder hat seine Geschichte“, erklärt Paartherapeutin Schulz: „Wenn ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich ausgeschimpft werde und Liebesentzug zu erwarten habe, sobald ich etwa meine Sachen rumliegen lasse, dann bleibt das in uns drin.“ So entwickelt der Mensch seine eigene Art, mit Konflikten umzugehen – auch denen in sich selbst. Bei jedem Streit in der Familie oder auch bei einem Nicht-Streit lernst du die häufig schlechte Kommunikation in der Beziehung kennen. Wie du deine Gefühle ausdrückst, deine Bedürfnisse benennst und auf andere Ansichten reagierst, wird schon in jungen Jahren geprägt.

Häufig liegt der Grund für eine Spannung nicht unmittelbar in dem Gegenüber. Es reicht schon, wenn der Job dich überfordert. Frust staut sich auf und dein Partner dient als Boxsack. Vielleicht kommt dir dein Partner auch emotional zu nah und du versuchst mit dem Streit eine Distanz zu wahren, du möchtest unabhängiger sein, fühlst dich kontrolliert. Anstatt deine Bedürfnisse zu äußern, beschwerst du dich über den Müll, der immer noch nicht runtergebracht wurde.

Auch deine Empfindung, dich minderwertig oder abgelehnt zu fühlen, kann dich in der Kommunikation beeinflussen. „Jeder Mensch sendet auf unterschiedlichen Ebenen“, so die Expertin: „Dann ist es wichtig nachzufragen. Was meinst du genau? Was hat dich verletzt? Was hast du gehört?“ Sendest du etwa auf der Sachebene, also gibst du lediglich eine Information preis, kann dein Partner das etwa auf der Beziehungsebene verstehen und sich angegriffen fühlen.

Eine Torte mit einem bösen Wunsch für den Partner
Paar das sich richtig streitet und nun nicht mehr miteinander redet
Richtig streiten aber auch wieder vertragen mit dem Partner

Die 4 Ebenen der Kommunikation

Als Mensch sendest du – nach der Kommunikationslehre von Schulz von Thun – eine Information auf vier verschiedenen Ebenen. Der Empfänger kann diese Information ebenso auf vier verschiedenen Ebenen empfangen. Nicht immer kommuniziert ein Paar auf derselben Ebene und dies kann zu Missverständnissen und Streit führen.

Wir erklären es dir anhand eines typischen Kommunikationsbeispiels innerhalb einer Beziehung.
Der Sender sagt: "Ich kann jetzt nicht, ich bin verabredet."
Der Empfänger antwortet: "Dann geh doch."

EbeneSender meintEmpfänger hört
1. Sachebene: Reiner Austausch von nötigen Informationen."Ich bin verabredet, lass uns später weiterreden.""Er ist verabredet und möchte reden, aber erst nachher."
2. Selbstkundgabe: So bin ich, das gebe ich von mir preis, so fühle ich gerade."Ich habe zu wenig Zeit, um mich auf einen Streit mit dir zu konzentrieren.""Ich habe keine Lust mir deine Meinung anzuhören und will einfach schnell weg."
3. Beziehungsebene: So stehe ich zu dir, das halte ich von dir. Oft nonverbal durch Mimik und Gestik."Du bist es mir wert, mir mehr Zeit zu nehmen für dieses Gespräch. Du bist mir wichtig.""Du nervst mich und ich bin jetzt lieber bei meiner Verabredung als bei dir."
4. Appellebene: Das will ich von dir, das wünsche ich mir, das möchte ich jetzt von dir."Lass mich jetzt gehen, damit wir beide später reden können.""Lass mich einfach weg hier, damit ich Ruhe habe."

Ich kann nicht streiten

Die Gründe, warum wir auf eine bestimmte Art und Weise streiten, liegen in der Vergangenheit. „Unsere Verteidigungsmechanismen sind individuell geprägt. Der eine reagiert viel früher auf Kritik, die andere auf bestimmte Phrasen“, erklärt die Therapeutin. Schnell fühlst du dich angegriffen, wenn es etwa heißt: „Immer lässt du das Geschirr stehen.“ Diese Art von Aussagen würden schnell die Emotionen hochkochen, so Schulz: „Ich werde als meine Person angegriffen und wechsle in den Verteidigungsmodus. Der Angegriffene fragt nicht mehr nach, er denke direkt: Ich bin schuld.“ Ab hier hörst du nicht mehr zu, es geht bloß um die Schuld und deine Rechtfertigung. Der Ball wird aufgehoben und weitergegeben. Eine Spirale, die zu nichts führt. Du denkst du bist verantwortlich für den Konflikt und du musst auch die Lösung finden. Das ist kein richtiges Streiten.

Die Emotionen lassen einen Streit häufig laut werden. Es ist der Frust, die Angst den Partner zu verlieren und nicht mehr geliebt zu werden, aber auch die Hilflosigkeit. Dieser Stress lässt dich unaufmerksam werden: Du lässt den Schlüsselbund deiner Mietwohnung in den Gully fallen oder rennst in einen Fahrradfahrer, den du in deinem Gefühlschaos übersehen hast. Kein Problem, wenn du eine Private Haftpflichtversicherung abgeschlossen hast, die dich vor den finanziellen Folgen dieser Schäden bewahrt.

HaftpflichtversicherungAus Versehen? Kein Problem!

Hier treffen auch die unterschiedlichen Streittypen aufeinander. Einer prescht vorwärts, der andere zieht sich zurück. Er meckert und sie verstummt, versteift sich, ohne zu reagieren. Liebt dein Partner die Ordnung und du nicht, kann eine dreckige Socke auf dem Boden im Wohnzimmer zum Problem werden. Während er also die Socke in die Luft hält, hältst du die Luft an – unfähig zu streiten. Eine pauschale Aussage über den einen Streittypen lässt sich kaum treffen. Jeder Mensch ist unterschiedlich, hat seine Erfahrungen und lernt Konfliktlösung anders kennen. So bewältigen Menschen ihre Probleme auf ihre Art. Die einen sind eher kämpferisch, die anderen defensiv und wieder andere eher nachgiebig. Ein Mensch kann aber sowohl das eine als auch das andere sein, je nach Situation oder dem Gegenüber.

Welcher Streittyp bist du?

  • Kämpferisch:
    • Geht häufig voran, ist direkt
    • Oft zynisch und beleidigend
    • Dominierend im Konflikt
  • Defensiv:
    • Zieht sich zurück
    • Oft und schnell beleidigt
    • Wirkt oft desinteressiert am Konflikt
  • Nachgiebig:
    • Macht schnell Zugeständnisse
    • Dies kann Groll erzeugen
    • Partner wirkt übermächtig
    • Erwartet oft Dankbarkeit für Zugeständnisse

Konflikte lösen durch konstruktives Streiten

Wie aber funktioniert richtig streiten? Wie kannst du die Konflikte lösen und eine gesunde Beziehung führen? Das wichtigste ist, den Streit mit dem Partner nicht zu vermeiden. Ihr könnt lernen, die Situation zu bewerten und nächstes Mal anders anzugehen. „Wenn wir jetzt beim Beispiel Unordnung bleiben: Frage dich, was hat die Unordnung mit meiner Person zu tun? Weshalb ist es so unordentlich bei mir?“, sagt Paartherapeutin Schulz. „Vielleicht macht es dich wuschelig, wenn es so aufgeräumt ist. Etwa, weil du als Kind ausgeschimpft worden bist für Unordnung. Heute denkst du: ‚Jetzt lass ich es so, Yippie!‘ Das sind deine Gründe.“ Unordnung kann auch auf einen unaufgeräumten Kopf hindeuten. Dich selbst zu reflektieren, herauszufinden, warum dich eine Aussage verletzt, warum du etwa das Chaos brauchst, kann schon für eine Entspannung sorgen. Auch kann es eine Einladung für den Partner sein, sich zu reflektieren. Möglichst bei sich bleiben.

Ob du nur Du-Botschaften vermeiden und nur noch Ich-Botschaften senden sollst, ist nicht das vorrangige Thema. „Auch Ich-Botschaften müssen gelernt sein. Ein Ich-finde-du-bist-ein-Vollpfosten ist natürlich keine konstruktive Ich-Botschaft“, so die Expertin. Nehmt euch Zeit, euch zuzuhören. Fragt nach: Was meinst du genau? Warum braucht der andere die Ordnung? Wofür ist das wichtig? Es ist auch eine Chance, sich richtig kennenzulernen. Findet eine Lösung, die für euch beide funktioniert, insbesondere wenn ihr unterschiedliche Bedürfnisse habt wie Unordnung/Ordnung. Schau, wo du zurückstecken kannst, ohne Gegenleistung. Bei welchem Kompromiss fühle ich mich noch wohl. „Es gibt für jedes Problem 7 Lösungen. Schreibt als Paar sieben Möglichkeiten auf und entscheidet euch für die beste“, sagt Therapeutin Schulz. So könnt ihr zum Beispiel einen Raum aussuchen, den du unordentlich lassen kannst und den dein Partner auch so belässt. Oder ihr räumt gemeinsam auf und du bekommst deinen Platz. Hauptsache, ihr sprecht Konflikte direkt an, lasst sie nicht hochkochen und gebt euch Zeit, um richtig zu streiten.

9 Hürden zum richtigen Streiten

Konkret ist es wichtig, auf sich selbst zu schauen und zusammen zu arbeiten. Wollt ihr an einem Strang ziehen und eine gesunde Beziehung führen, solltet ihr eure Konflikte lösen. Überwindet ihr diese neun Hürden, kann euch das Ergebnis helfen, im Streit mit dem Partner besser umzugehen und ihn zu verstehen.

Hört euch wirklich zu

Jeder Mensch sendet auf verschiedenen Gesprächsebenen. Überleg auf welcher Ebene du gerade sendest und auf welcher er gerade empfängt. Was hört mein Gegenüber? Möglich, dass der Partner etwas anders versteht, als du gesagt hast.

Gönnt euch Streitpausen

Wenn du merkst, ihr dreht euch im Kreis und es werden immer wieder dieselben Argumente gebracht, solltet ihr euch eine Pause gönnen. Gibt es nur noch Beleidigungen oder möchtet ihr euch nur noch verletzen, haltet kurz inne. Wenn ihr euch nur noch anschreit, zeigt euch das eure Hilflosigkeit. Gönnt euch Ruhe und vertagt das Gespräch auf einen besseren Termin.

Bereitet euch auf das Gespräch vor

Sucht euch einen Zeitpunkt, der für beide gut passt. Überlegt euch jeweils, was ihr sagen wollt. Geht in euch und schaut, warum ihr auf diese Art und Weise reagiert. Frag dich, woher dein Verhalten kommt. Überlege dir, wie du dich fühlst und was du eigentlich möchtest.

Vermeidet Pauschalisierungen

Wörter wie „immer“, „nie“, „jedes Mal“ sind Pauschalisierungen, die den anderen in eine direkte Verteidigungshaltung wechseln lassen. Der Partner fühlt sich nur noch mehr angegriffen und ist im Rechtfertigungsmodus. Ihr verliert den Fokus.

Ihr könnt auch laut werden - hin und wieder

Ja, wenn es dir guttut, kannst du auch mal Dampf ablassen. Doch laut werden muss geübt werden. Wenn du weißt, dass der andere es aushält – sprich deine Gefühle laut aus. Jedoch sind wilde Beleidigungen und Beschimpfungen nicht förderlich. Sie bringen euch nicht nach vorne. Ein lautes „Verdammt noch mal“, zeigt jedoch deine Wut. Es zeigt aber auch deine Hilflosigkeit und eventuell einen Punkt, an dem ihr kurz durchatmen sollt.

Respektiert einander und lasst euch ausreden

Hör zu, vielleicht verpasst du sonst was. Neigst du dazu, deinen Partner zu unterbrechen, frage dich, warum du das tust. Du bist euphorisch, weißt schon worauf sie hinauswill, willst schnell reagieren? Bedenke hierbei, dass dein Gegenüber es aber ganz anders aufnehmen kann. Das Gefühl zu haben, niemals ausreden zu dürfen, kann zu sehr viel Frust führen.

Bleibt beim aktuellen Streit, keine ollen Kamellen

Findet heraus, warum ihr jetzt streitet. Wer von gestern anfängt, von letzter Woche oder sogar von letztem Jahr, bringt die Diskussion nicht vorwärts. Der Fokus geht auch hier verloren und das Gespräch führt zu nichts.

Streitet nicht direkt vor Ort

Beginnt der Streit, wenn der andere gerade mit einem Bein auf der Türschwelle steht, sprecht das Problem an und vertagt es. Legt es auf den Abend oder auf einen besseren Zeitpunkt. Steht ihr an der Supermarktkasse oder sitzt bei Freunden am Tisch solltet ihr euch fragen, warum ihr jetzt das Bedürfnis habt, zu streiten. Braucht der Partner Zeugen? Fühlt er sich vorgeführt? Ist er perplex und fühlt sich angegriffen?

Findet gemeinsam Lösungen

Zu wissen, warum man selbst streitet und auf eine bestimmte Weise reagiert, ist ein erster Schritt zur Konfliktlösung. Frage dich, warum du so handelst. Warum tut mir das so weh, wenn mein Partner das sagt? Was habe ich erlebt, dass ich so fühle? Dies kann auch dein Gegenüber zur Selbstreflexion anregen. Wichtig ist, dass ihr am Ende eine Lösung findet, mit der ihr beide Leben könnt. Überlegt euch, mit welchen Kompromissen ihr euch abfinden könnt und möchtet.

Auch interessant

Weitere Themen