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Glücklich sein im Job: eine Frage der Haltung

Die Frage nach Glück im Job allgemein zu beantworten scheint wenig zielführend, allein Glück als eigenständigen Begriff zu definieren ist eine Wissenschaft für sich. Dennoch eilt in diesem Zusammenhang seit geraumer Zeit der Begriff Work-Life-Balance zu Hilfe. Als Reaktion auf die im-Büro-übernachtenden Topmanager der New Economy, kam die Work-Life-Balance das erste Mal Ende der 90er Jahre auf. Mittlerweile ist sie in aller Munde und wurde unlängst durch Begriffe wie Work-Life-Blending oder Work-Life-Integration erweitert. Aber noch mal ganz von vorn: Was meint Work-Life-Balance überhaupt? Und warum ist sie wichtig?

 

John Keynes Vision des 3-Stunden-Tags

1930, inmitten der Wirtschaftskrise, schrieb der britische Ökonom John Maynard Keynes einen Aufsatz mit dem vielversprechenden Titel: „Über die wirtschaftliche Situation unserer Enkelkinder“.

Darin prophezeite der Wirtschaftswissenschaftler für 2030 ein heiteres Szenario, in dem unsere größte Sorge der Freizeitgestaltung gelten würde. Denn durch den bis dahin erreichten wirtschaftlichen Fortschritt würde sich die von uns zu erbringende Arbeitsleistung auf drei Stunden täglich reduziert haben.

Heute, 88 Jahre später, sind wir von diesem Zustand jedoch weit entfernt. Trotz Bemühungen, die Arbeitszeit lebensverträglicher werden zu lassen, arbeitet der durchschnittliche Deutsche 41 Stunden pro Woche. Die Unmengen an Freizeit, die bei Keynes schreckensvoll in Angst vor zu viel Müßiggang umschlägt, bleiben zumindest jetzt noch eine Vision.

Was bedeutet Work-Life-Balance?

Statt Freizeitstress plagt dich als berufstätiger Mensch wohl eher das ständige „Zu-wenig-Zeit-Problem“. Unter der Annahme, dass ein Unterschied zwischen „dem Leben“ und dem Leben auf der Arbeit besteht, bespricht man diese Diskrepanz unter der Bezeichnung Work-Life-Balance. Aus dem Gleichgewicht gerät die Balance immer dann, wenn ein Lebensbereich unter dem Einfluss des anderen leidet. Wobei in den meisten Fällen die negative Beeinflussung eher von der Arbeit auf das Privatleben abstrahlt als andersherum.

Die permanente Anforderung, die verschiedenen Rollen des alltäglichen Lebens zu erfüllen, erfordert ein hohes Maß an Flexibilität, was wiederum zu Stress führt und langfristig auch gesundheitliche Probleme hervorrufen kann. Ein typischer Work-Life-Konflikt wäre, dass du zum Beispiel deine sozialen Kontakte vernachlässigst, weil du nach der Arbeit keine Energie mehr für ein Treffen hast. Oder gar am Wochenende nur noch auf der Couch liegst, weil dich die Woche so überanstrengt hat. All das kann temporär der Fall sein, wenn es allerdings zur Regel wird, solltest du deine Jobwahl überdenken.

Was sind die Folgen eines Work-Life-Konflikts?

Die Diagnose Burn-out gilt als die zu vermeidende Endstufe dieses Konflikts, der so große Kreise zog, dass sich daraus eine strukturelle Veränderung der Arbeitswelt ergab. Flexible Arbeitszeiten, Home Office, Kinderbetreuung, Gleitzeit, zwischendurch einen Arzttermin wahrnehmen – so lautete die Antwort der Arbeitgeber. Dabei ist die Motivation der Unternehmen natürlich auch eigennützig: Wer sich auf der Arbeit wohlfühlt, bleibt dort länger, wird weniger oft krank und kostet im Endeffekt weniger Geld.

Jedoch, irgendwo drückt der Schuh noch immer. Das Erreichen eines harmonischen Einklangs zwischen Work und Life bleibt bei vielen Arbeitnehmern ein Problem. Aus diesem Umstand folgte, dass die Work-Life-Balance von negativen Stimmen als Mythos der Ratgeberliteratur abgestempelt wurde. Tatsächlich gibt es jedoch einige Tipps, die du beherzigen kannst, die dich in beiden Lebensbereichen zufriedener machen.

Welcher Karrieretyp bist du?

All das hängt aber auch stark davon ab, welcher Karrieretyp du bist. In Extremen gedacht: Bist du ein Workaholic und würdest am liebsten Tag und Nacht durchackern, weil du den Sinn deines Lebens in der Arbeit siehst? Dann gehörst du zu den Yuppies dieser Welt. Oder ist dein Job für dich bloß Mittel zum Zweck? Um am Ende des Monats dieses nötige Kleingeld für die Lebenshaltungskosten auf dem Konto zu haben. Dann bist du ein Hippie. Exemplarisch haben wir für diese beiden Karrieretypen Tipps für eine ausgewogene Work-Life-Balance zusammengestellt.

Workaholic: An die Arbeit, Yuppie

Gib es zu: du liebst deine Arbeit! Zu viel Freizeit macht dich unruhig. Menschen, die auf Sofas vor Netflix gammeln und deren Jogginghose sich vom Sport-Outfit zur Pizzakrümelsammelstelle gewandelt hat, findest du genauso merkwürdig wie die Forderung, die 40-Stunden-Woche abzuschaffen. Glückwunsch! Du hast offenbar alles richtig gemacht mit deiner Jobwahl.

Aber Vorsicht, bei solch überschwänglicher Arbeitsmoral bewegst du dich auf einem schmalen Grat.Denn du neigst dazu, die gesunde Grenze, die zwischen Arbeit und Leben bestehen sollte, zu ignorieren. Du bist latent dauergestresst, den Klingelton deines Handys hörst du auch dann noch, wenn du abends im Bett liegst. Egal ob tatsächlich jemand anruft oder nicht. Deine persönliche Work-Life-Balance sollte darauf abzielen, dass du dir bewusst Auszeiten nimmst.

  • Keine Hausaufgaben: Nimm dir nicht ständig Arbeit mit in den Feierabend oder ins Wochenende. Wenn dadurch etwas liegen bleibt, sollte sich die Frage stellen, ob du deine Kapazitäten-Planung überdenken solltest.
  • Stressfreie Pausen: Mach deine Mittagspause nicht zum Work-Lunch. Denn das produziert Stress, welche du in der Mittagspause vermeiden solltest.
  • Smartphone ausschalten: Auch wenn es dir schwerfallen wird. Fang damit an, dein Handy stundenweise auszuschalten oder den Flugmodus zu aktivieren. Kommuniziere deine Offline-Phase ganz selbstverständlich so.
  • Gib mal ab: Das hast du vielleicht schon oft gehört, aber manchmal muss man die Verantwortung einfach mal delegieren und vertrauensvoll an die Kollegen abgeben.
Junger Mann sitzt am Laptop in seinem Wohnzimmer
Workaholic: Dein Zuhause ist dein Büro.

Hippie-Style: Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss

„Ist eben Arbeit, was erwartest du?“ Diese Aussage macht klar: Sinnsuche betreibst du auf der Arbeit nicht. Wenn du im Lotto gewinnen würdest, dann würdest du am nächsten Tag im Flieger auf die Bahamas sitzen – ganz überspitzt formuliert natürlich. Deine Freizeit ist dir enorm wichtig. Höchstleistungen auf der Arbeit zu erzielen dagegen weniger. Wie du es auf der Arbeit trotzdem aushältst? Hier einige Tipps.

  • Verkürze deine Arbeitszeit: Wenn du eine 40-Stunden-Woche hast, dann solltest du mit deinen Vorgesetzten klären, ob es möglich ist, auf eine vollzeitnahe Teilzeit umzusteigen, sodass du zum Beispiel nur noch 36 Stunden die Woche arbeitest. Diese minimalen Veränderungen können bereits Großes bewirken und zu mehr Zufriedenheit führen. In manchen Firmen ist es sogar möglich, für einen gewissen Zeitraum nur 4 Tage zu arbeiten. Kläre das mit deinem Chef!
  • Plane Aktivitäten, auf die du dich freuen kannst: Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude und motiviert dich auch innerhalb der Arbeitswoche.
  • Liebe deine Kollegen: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Das gilt auch auf der Arbeit. Wenn du ein gutes Verhältnis zu deinen Kollegen pflegst, wird es dir leichter fallen, den alltäglichen Bürowahnsinn auszuhalten.
  • Räume unter der Woche deine Bude auf: Verschiebe nicht alles aufs Wochenende, sondern erledige das Putzen und Aufräumen und Einkaufen schon in der Woche. So verhinderst du, dass sich dein Wochenende bloß in der Schlange an der Supermarktkasse abspielt.
  • Erkenne deine Zeitfresser: Hör auf, aus Langeweile auf dein Handy oder Facebook zurückzugreifen. Das macht dich unproduktiv und verlängert letztlich die Zeit, die du brauchst, um deine Arbeit fertigzustellen. Was dagegen aber nicht bedeutet, dass du keine kurzen Pausen einlegen darfst. Im besten Fall planst du gezielt Pausen ein, z.B. mit der Pomodorotechnik.
Junge Frau sitzt in Yoga Pose auf dem Stuhl im Büro
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Work-Life-Balance bei der VGH

Auch wir bei der VGH haben Workaholic-Kollegen und die, die immer pünktlich den Stift fallen lassen. Auf unserem Karriere-Blog erfährst du, wie wir die Work-Life-Balance leben, wer von uns Hippie oder eher Yuppie ist. Schau doch mal vorbei.

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