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Altersvorsorge

Früher in Rente: Das solltest du wissen

Gerade erst angefangen und schon ans Aufhören denken? Was in vielen Lebensbereichen keine gute Erfolgsstrategie ist, erweist sich beim Thema Rente als kluger Schachzug. Wer heute in die Arbeitswelt startet, wird diese so schnell nicht mehr verlassen. Denn: Das Renteneintrittsalter liegt derzeit bei 67 Jahren. Uff. Umso wichtiger, dass du dir bereits in jungen Jahren Optionen schaffst, um ohne Abzüge früher in Rente gehen zu können.

Redakteurin VGH Wiebke Knoche JetztLosleben
von Wiebke Knoche22 Januar, 2020
Frueher in Rente gehen und noch genug Zeit haben
Das Wichtigste in 60 Sekunden

Früher in Rente gehen – geht das überhaupt? Die gute Nachricht: Grundsätzlich ist das möglich. Es gilt allerdings auch: Je früher du dich aus dem Arbeitsleben verabschiedest, desto höher sind die Abschläge bei deiner Rentenzahlung. Je nach individuellen Voraussetzungen kann sich eine Frührente dennoch lohnen. Mit dem Renten-Rechner kannst du jetzt schon annäherungsweise abschätzen, wie hoch deine spätere Rente sein wird und anschließend überlegen, welche Option des vorzeitigen Ruhestandes für dich in Frage kommt. Sorgst du rechtzeitig vor und legst dein Geld richtig an, kommst du deinem Traum vom frühen Ruhestand einen entscheidenden Schritt näher.

Nach einem erfüllten Arbeitsleben den Ruhestand genießen, Zeit für Freunde und Familie haben und noch fit genug sein, um endlich all die Dinge zu tun, die du schon immer einmal tun wolltest – damit der Traum vom entspannten und frühen Rentner-Dasein wahr werden kann, solltest du dich rechtzeitig und umfassend informieren. Denn zugegeben: Da die oft geforderte 4-Tage-Woche noch lange nicht gesellschaftsfähig ist, macht es durchaus Sinn sich zu überlegen, wie es gelingt, zumindest früher in Rente zu gehen. 

Sorgenfrei in den Ruhestand 

Richtig vorsorgen, früher in Rente gehen
Das Projekt "Früher in Rente gehen" solltest du rechtzeitig planen

Trotz eines intensiven Arbeitslebens kannst du nicht automatisch davon ausgehen, dass deine Rente ausreicht, um deinen Lebensstandard bis zum Ende zu halten. Der heutige Rentner bekommt durchschnittlich 982 Euro monatlich aus der gesetzlichen Rentenkasse. Frauen erhalten deutlich weniger, weil sie in der Regel ein geringeres Einkommen haben. Das wiederum führt dazu, dass sie bereits während ihres Arbeitslebens kaum Geld für später zurücklegen können und damit häufiger von Altersarmut betroffen sind. Ein Teufelskreis, um Lösungen wird in der Politik seit Langem gerungen. Doch bis die gefunden sind, kannst du davon ausgehen, dass deine Rente dir voraussichtlich weniger als die Hälfte deines Einkommens einbringen wird. Und damit ist sie da, die realistische Angst vor Geldsorgen im Alter. Früher in Rente gehen, vorzeitig auf Einkommen verzichten und insgesamt weniger in die Rentenkasse einzahlen – dieser Plan wirkt mit den oben genannten Aussichten ganz schön utopisch.

Mal ganz davon abgesehen ist es gar nicht so einfach, vorzeitig mit dem Arbeiten aufzuhören. „Wer vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand treten will, muss mit Abschlägen bei der Rentenzahlung rechnen“, sagt Thomas Hammer, freier Wirtschaftsjournalist und Autor. Je früher der Rentenbeginn, desto höher sind die Abschläge. Doch die gute Nachricht lautet: Es gibt Tricks, um früher in Rente gehen zu können und im Alter trotzdem nicht jeden Cent umdrehen zu müssen. Alles, was du dafür brauchst, ist eine sinnvolle Altersvorsorge und folgendes Background-Wissen: 

Erwerbsminderungsrente

„Liebe Rentenversicherung, ich möchte früher in Rente gehen.“ Ganz so einfach funktioniert das nur, wenn du aufgrund einer schweren Krankheit nicht mehr arbeiten kannst. Stellt ein Arzt eine solche fest, hast du Anspruch auf die sogenannte Erwerbsminderungsrente. Sie ersetzt dein Einkommen oder ergänzt es, sofern du noch einige Stunden am Tag arbeiten kannst. Um die Erwerbsminderungsrente zu erhalten, ist es entscheidend, dass die Regelaltersgrenze von 67 Jahren noch nicht erreicht ist. Gut zu wissen, dass es diese staatliche Absicherung gibt, eine Möglichkeit, um gezielt früher in Rente zu gehen, ist sie allerdings nicht. 

PrivatRenteDamit die Rente später passt

Abschlagsfrei früher in Rente 

Abschlagsfrei in Rente gehen – das funktioniert für dich als junger Mensch momentan ab 65 Jahren und dann auch nur, wenn du zuvor 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hast. Trifft beides zu, kannst du – nach aktuellem Stand – eine vorzeitige Rente beantragen. Realistisch gesehen, kommt hierfür jedoch nur ein kleiner Kreis Menschen in Frage, der sehr früh angefangen hat zu arbeiten. Mit angerechnet werden aber auch Zeiten der Kindererziehung oder Angehörigenpflege, Jahre, in denen du selbständig warst und Pflichtbeiträge gezahlt hast oder ein FSJ gemacht hast, ebenso wie Minijob-Jahre, in denen Beiträge gezahlt wurden oder Zeiten, in denen du staatliche Unterstützung wie Arbeitslosen- oder Krankengeld erhältst.

Option Frührente

Mit dem Modell Frührente kannst du dich bereits mit 63 Jahren in den Ruhestand verabschieden. Aber: Diese Entscheidung gibt’s nicht for free. Zuerst einmal funktioniert eine Frührente nur, wenn du 35 Jahre lang Beiträge in die Rentenkasse gezahlt hast. Hörst du früher auf zu arbeiten, bedeutet das außerdem, dass du die vier Jahre, bis du zum ersten Mal Rente erhältst, finanziell selbst überbrücken musst. Und obendrauf kommen lebenslange Abschläge auf deine Rentenzahlung. Konkret musst du für jeden Monat, den du früher in Rente gehst, auf 0,3 % deiner Rente verzichten. Die maximale Kürzung liegt bei 14,4 % und entspricht genau den vier Jahren. Durchrechnen lohnt sich an dieser Stelle, um festzustellen, ab wann ein frühzeitiger Renteneintritt für dich sinnvoll wäre. Da du nach 2040 mehr Steuern auf deine Rentenbeiträge zahlen wirst, kann es clever sein, als Frührentner auf die volle Rentenzahlung zu verzichten.

Alternativ kannst du freiwillig mehr in die Rentenkasse einzahlen, noch bevor du offiziell in Rente gehst. Sobald du 50 Jahre alt bist, darfst du diese Sonderzahlungen leisten und deine Rentenabschläge ausgleichen. Bist du selbständig und bislang nicht pflichtversichert, kannst du durch freiwillige Beiträge sogar Anspruch auf die gesetzliche Rente im Alter erwerben.

Zeit für ein Beispiel:

Angenommen du erwartest eine monatliche Rente von 1.200 Euro und möchtest dich drei Jahre (36 Monate) früher in den Ruhestand verabschieden. Dann musst du mit einem Abschlag von 36 mal 0,3 % gleich 10,8 % planen. Bedeutet: Deine Rente verringert sich um rund 130 Euro pro Monat.

Entscheidest du dich dafür, vorzeitig und freiwillig mehr in die Rentenkasse einzuzahlen bedeutet das nicht automatisch, dass du am Ende auch früher in Rente gehen musst. Im Gegenteil: Du kannst immer auch bis zur Regelaltersgrenze weiterarbeiten. Deine zusätzlichen Beiträge dienen dann nicht mehr als Ausgleich, sondern werden auf deine Rente obendrauf gepackt. Für unser Beispiel bedeutet das eine monatliche Erhöhung der Rente um 130 Euro. Freiwillig mehr zahlen lohnt sich deshalb in jedem Fall, zumal die gesetzliche Rente ohnehin keinen Luxus-Ruhestand in Aussicht stellt. Also: Vormerken für die Zukunft, sofern es diese Regelung auch in 20 oder 30 Jahren noch geben wird. 

Früher in Rente gehen und die Welt bereisen
Zeit mit den Enkeln haben, früher in Rente gehen
Früher in Rente gehen und noch genug Zeit haben
Heute schon planen, um früher in Rente gehen zu können

Modell Altersteilzeit

Einen sanften und früheren Ausstieg aus dem Arbeitsleben bietet das Modell der Altersteilzeit. Sprichst du rechtzeitig mit deinem Arbeitgeber und überzeugst ihn von dieser Möglichkeit, kannst du ab 55 Jahren in die Altersteilzeit gehen. In den meisten Unternehmen funktioniert sie als Blockmodell mit zwei Phasen: Zunächst arbeitest du normal weiter, bekommst aber nur dein halbes Gehalt plus eine Aufstockung vom Arbeitgeber. In der zweiten Phase hörst du auf zu arbeiten, erhältst aber weiterhin die Hälfte deines Gehalts plus die Aufstockung. Um Abschläge bei deiner späteren Rente kommst du aber auch hier nicht herum. 

Renten-ABC

Wie hoch deine spätere Rente sein wird, kannst du schon heute annäherungsweise berechnen. Das geht entweder mit einem Renten-Rechner oder händisch mit folgender Formel zur Berechnung der gesetzlichen Rente:
 
Gesammelte Rentenpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor = monatliche Bruttorente
 
Im Folgenden erklären wir dir, was hinter den einzelnen Begriffen steckt. Bei der Berechnung solltest du bedenken, dass die Faktoren keine fixen Werte sind, sondern sich im Laufe deines Arbeitslebens ändern können. 

Was versteht man unter Rentenpunkten? 

Die Rentenpunkte bilden die Basis für die Berechnung deiner Rente. Und damit diese möglichst gerecht ist, orientiert sie sich am Leistungsprinzip: Arbeitest du länger und zahlst damit mehr in die Rentenkasse ein, sollst du auch eine höhere Rente erhalten. Umgekehrt wirst du auch mehr Rente erhalten, wenn du zwar kürzer, aber insgesamt eine höhere Summe in die Rentenkasse einzahlst, weil du von Anfang an mehr verdienst. 

So weit, so fair. Nun gibt es Ausnahmen: Wer zum Beispiel die Kindererziehung übernimmt, hat weniger Zeit zu arbeiten, leistet aber einen wichtigen Beitrag zur Solidargemeinschaft – auch das soll in der Rente berücksichtigt werden. Deswegen werden Rentenpunkte (Entgeltpunkte) vergeben. Diese sammelst du auf deinem persönlichen Rentenkonto – und zwar Jahr für Jahr. 

Wie viele Rentenpunkte du pro Jahr erhältst, lässt sich ganz grundsätzlich aus dem Verhältnis deines Brutto-Lohns und dem Durschnitts-Brutto-Lohn aller Versicherten berechnen. Oder anders gesagt: Verdienst du das 1,2-fache des Durchschnittsgehalts, werden 1,2 Rentenpunkt auf deinem Konto verbucht. 2021 liegt das vorläufige Durchschnittsentgelt bei 41.541 Euro. Zum Vergleich: Vor drei Jahren (2018) waren es rund 3.000 Euro weniger. 

Was bedeutet der Zugangsfaktor?

Diese Formel (Durchschnittslohn/Brutto-Lohn) funktioniert jedoch nur, wenn du arbeitest, bis du die Regelaltersgrenze von 67 Jahren erreichst. Gehst du früher in Rente, kommt der Zugangsfaktor ins Spiel. Denn dieser liegt dann nicht mehr bei 1, sondern sinkt mit jedem Monat, den du früher in den Ruhestand gehst. Entsprechend kann er umgekehrt aber auch über 1 steigen, wenn du länger als bis 67 arbeitest. 

Was versteht man unter dem aktuellen Rentenwert?

Der Rentenwert ist der Geldbetrag, den du monatlich für genau einen Rentenpunkt erhältst. Steigen die Löhne, so wächst auch der Rentenwert. Derzeit liegt er im Osten bei 33,23 Euro, in den westlichen Bundesländern bei 34,19 Euro.

Mit dieser Ost-West-Differenz soll allerdings bald Schluss sein. 2017 hat der Bundestag einen deutschlandweit einheitlichen Rentenwert beschlossen und arbeitet seitdem an der Umsetzung. Nach einer ersten Angleichung 2018 wird der Ost-Wert seit 2019 jährlich um 0,7% angehoben. Am 1. Juli 2021 ist es wieder soweit: Dann soll der Rentenwert-Ost knapp 98% des aktuellen Rentenwerts erreichen. Dieser bleibt mit 34,19 Euro unverändert. Geht der Plan auf, wird der Ost-Wert 2024 dem maßgebenden Rentenwert im Westen entsprechen.

Was bedeutet der Rentenfaktor?

Der Rentenfaktor hängt von der Art deiner Rente ab. Bei der normalen Altersrente liegt der Faktor bei 1, ebenso bei der Erziehungsrente und der vollen Erwerbsminderung. Es gibt jedoch auch andere Rentenarten (z.B. Witwenrente, Halbwaisenrente, …), die einen Faktor kleiner 1 haben. 

Praktisches Beispiel zur Rentenberechnung:

Angenommen du hast bist zur Regelaltersgrenze (67 Jahre) insgesamt 40 Jahre Vollzeit gearbeitet und in jedem Jahr genau das Durchschnittsentgelt (derzeit 41.541 Euro) verdient, dann konntest du 40 Rentenpunkte sammeln. Gehen wir von einer klassischen Altersrente und damit einem Rentenfaktor von 1 aus, sähe deine Formel wie folgt aus: 

40 x 1 x 34,19 Euro x 1= 1367,60 Euro monatliche Bruttorente

Lebensentwürfe sind heutzutage jedoch sehr flexibel, weshalb sich die Beispielformel auch eher zum Verständnis als zum Vergleich eignet. 

Experte Thomas Hammer Zum Thema Früher in Rente
Thomas Hammer, Wirtschaftsjournalist und freier Autor

Privat vorsorgen, früher in Rente gehen

„Wer sich die Möglichkeit offenhalten will, einmal vorzeitig mit dem Arbeiten aufzuhören, sollte früh damit beginnen, Kapital anzusparen und Vermögen aufzubauen“, rät der Wirtschafts-Experte. Auf diese Weise lassen sich Zeiten mit reduziertem oder gar keinem Einkommen überbrücken. Je früher du startest, desto besser. „Der Faktor Zeit spielt eine wichtige Rolle. Je länger der Zeitraum beim Sparen, umso eher kann man auch mit kleinen Monatsraten ein ansehnliches Vermögen aufbauen“, sagt Thomas Hammer. Auch der Zinseffekt wirkt sich bei langen Ansparzeiten besonders günstig aus und sorgt für zusätzliches Wachstum im Rententopf – dein Rentner-ICH wird dir diese Weitsicht danken. 

Ohne den Aufbau von privatem Vorsorgekapital wird es mit dem vorzeitigen Ruhestand schwierig.Thomas Hammer, freier Wirtschaftsjournalist und Autor

Rente mit 50?

Private Altersvorsorge ist zugleich die einzige Möglichkeit, um noch früher als mit 55 Jahren aufzuhören zu arbeiten. Eine staatliche Rente wird bei einem so „jungen“ Alter nämlich noch nicht ausgezahlt. Außer für Menschen mit Behinderung und für Berufssoldaten. Sparst du über die Jahre jedoch ausreichend Geld, kannst du dir die Rente später entsprechend selbst auszahlen. Auch gilt jedoch: Bevor du dich dafür entscheidest, früher in den Ruhestand zu gehen, solltest du alles ganz genau durchrechnen. 

Zeit für ein Beispiel:

Gehst du davon aus, dass du 85 Jahre alt wirst und monatlich 1.000 Euro benötigst, sollten sich auf deinem Konto 420.000 Euro befinden. Wirst du nur fünf Jahre älter, brauchst du bereits 60.000 Euro mehr. Du kannst selbst ausrechnen, was passiert, wenn du alterstechnisch die Dreistelligkeit knackst… Kurz gesagt: Rechne mit allem und plane großzügig, sofern du dich dafür entscheidest, auf eigene Faust früher in Rente zu gehen. Neben einer privaten Rentenversicherung kann eine Investition in Immobilien, Aktien oder andere Wertpapiere sinnvoll sein, um Vermögen aufzubauen: „Diese bringen gute Renditechancen und du kannst die Sparrate flexibel ändern oder auch zusätzliche Einzahlungen tätigen.“ Abhängig von deinem Lebensplan und deinem Kontostand solltest du entscheiden, wie du privat vorsorgst und wo du dein Geld investierst, um Geldsorgen im Alter zu vermeiden

Alles eine Frage des Geldes

Du siehst: Das Projekt „Früher in Rente“ hält einige Hürden bereit. Umso wichtiger, dass du es schon einige Jahre vor Renteneintritt planst. Leiste Extrazahlungen so früh wie möglich, um Abschläge zu reduzieren. Und auch, wenn es dir nicht so wichtig ist, ob die Höhe deiner Rente um ein paar Prozente verringert wird, solltest du bereits heute beginnen Geld zu sparen und dir somit ein finanzielles Polster für dein Rentnerleben zulegen. Denn am Ende ist der frühzeitige Ruhestand vor allem eines: Eine Frage des Geldes. Sorg dafür, dass du ihn dir leisten kannst. 

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