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Frauen in Männerberufen

Klischees von Gestern, Zukunft von Heute

Niemand hat mehr Lust auf längst überholte Geschlechterklischees. Und doch scheint es immer noch klare Männer- und Frauenberufe zu geben. Dabei bietet gerade der männertypische MINT-Bereich, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, jede Menge Potential. Wie sich die Klischees bei Frauen in Männerberufen in Zahlen widerspiegeln, warum MINT eine Zukunftsoption ist, die du auf dem Schirm haben solltest, und welche spannenden technischen Studiengänge und Ausbildungen dir Niedersachsen bietet, kannst du hier nachlesen.

Redakteurin Annika Adler
von Annika Adler23 März, 2021
Klischees von gestern in Zukunft mehr Frauen in Maennerberufen
© Benne Ochs
Das Wichtigste in 60 Sekunden

Rollen- und Geschlechterklischees sind längst überholt, spiegeln sich aber trotzdem immer noch im extrem niedrigen Anteil an Frauen in männlich dominierten Berufsfeldern wie MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) wider. Und das, obwohl diese Bereiche jede Menge gut bezahlte Berufe für Frauen bieten und dringend nach qualifizierten Fachkräften suchen. Und die Auswahl an spannenden Studiengängen und Ausbildungen beispielsweise in der Spieleentwicklung, der Nautik oder im Aircraft and Flight Engineering ist riesig. 

Ein eher seltener Anblick – der Anteil an Frauen in Männerberufen ist immer noch extrem gering

Frauen in Männerberufen: Klischees in Zahlen

Maschinenbau, KFZ-Technik, Informatik. Niemand kann abstreiten, dass diese Bereiche aus MINT intuitiv meist eher mit Männern verknüpft werden. Aber ist die Quote an Frauen in Männerberufen wirklich so niedrig? 
Leider ja. Laut der Bundesagentur für Arbeit haben Frauen in 2019 nur 15,8 % der Beschäftigten im MINT-Bereich ausgemacht. Im Gegensatz zum Vorjahr eine nicht gerade knackige Steigerung von 0,4 %. Und diese Quote wird noch von den Frauen, die in der Forschung arbeiten, nach oben gezogen. Ansonsten würden sich die Zahlen bei um die 10% bewegen.
Kein fortschrittlicher Mensch bestreitet heute mehr, dass gelebte Diversität bei den Geschlechtern anfängt. Vielfalt treibt das innovative Denken im Unternehmen voran und der Frauenanteil auf Führungsebene steigert nachweislich den wirtschaftlichen Erfolg. Vor diesem Hintergrund sind die Zahlen zur Gleichstellung von Mann und Frau einfach nur eins: hinterwäldlerisch.

Die positive Seite der Zahlen: Du bist trotzdem nicht allein.

Auch wenn die Zahlen der Frauen in MINT-Berufen abschrecken können: Das bedeutet nicht, dass du als Frau im Studium alleine unter Männern bist. In den dualen MINT-Studiengängen ist die Frauenquote nämlich schon um einiges höher, bei fast einem Drittel. Das ist zwar ausbaufähig, aber zeigt, dass der akademische Nachwuchs bereits weiblicher wird – und vielleicht möchtest du ja Teil davon werden.

Aber natürlich ist es schwer, Jahre der Sozialisierung hinter sich zu lassen und sich gegen die Rollenklischees zu stellen. Psychologische Forschung zeigt sogar, dass allein der Gedanke an solche Klischees zu einer Verschlechterung von Motivation und Leistung führt. 
Genau aus diesen Gründen sind in den letzten Jahren jede Menge Initiativen gestartet worden, die Mädchen und Frauen motivieren sollen, auch eine Karriere in  MINT-Berufen in Erwägung zu ziehen und sich von diesen Zahlen nicht entmutigen zu lassen. „Komm, mach MINT!“ ist eines der bekanntesten Projekte. Auf der Website findest du Infos zur Studien- oder Ausbildungsorientierung, zur Karriereplanung danach und zum Beispiel auch zu Stipendien.

Mit einer technischen Ausbildung kannst du zum Beispiel an Flugzeugen schrauben
© Benne Ochs

5 Gründe, warum MINT Zukunft hat

Dass sich viele junge Frauen gegen ein Studium oder eine Ausbildung im MINT-Bereich entscheiden, bedeutet auf keinen Fall, dass diese Berufsfelder dir nichts zu bieten haben. Im Gegenteil, es gibt zahlreiche gute Gründe, warum du eine MINT-Karriere auf dem Schirm haben solltest. Fünf davon haben wir dir hier aufgelistet. 

Jede Menge Angebote

Laut Bundesagentur für Arbeit war 2018 fast jede dritte Fachkraft im MINT-Bereich über 55 Jahre alt – diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren für viele freie Stellen sorgen. Denn jetzt schon ist der Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften hoch. Besonders in den IT-Bereichen, die durch die fortschreitende Digitalisierung immer weiter wachsen. Bei Fachkräften mit beruflicher Ausbildung besteht bereits jetzt ein Mangel, der sich zukünftig wahrscheinlich noch verstärkt.

Gute Gehaltsaussichten

Unternehmen sind froh, für unbesetzte technische Stellen qualifizierte Fachkräfte zu finden. Der MINT-Bereich bietet also eine große Auswahl an gut bezahlten Berufen für Frauen. Die Einstiegsgehälter von Uni-Absolventen mit Masterabschluss können sich sehen lassen, z.B. verdienen Ingenieurwissenschaftler im Schnitt 41.800 € und Informatiker rund 41.000 € pro Jahr. Über alle Branchen und Qualifikationen hinweg verdiente ein MINTler 2018 knapp 4.000 € brutto im Monat. In welchem Beruf du wieviel verdienst, haben wir in einem Gehaltsvergleich für Niedersachsen zusammengestellt.

Unbefristete Verträge

Haben Unternehmen erst einmal geeignete Fachkräfte gefunden, wird in vielen Fällen langfristig mit ihnen geplant. Nur 7,3 % der MINT-Fachkräfte haben einen befristeten Vertrag, der Bundesdurchschnitt liegt bei 8,5 %.

Spezielle Förderprogramme für Frauen

In den letzten Jahren ist die Zahl an Stipendien und Förderungen für Frauen in Männerberufen weiter in die Höhe geschossen. Bei “Komm, mach MINT” kannst du dir darüber einen Überblick verschaffen, “Stipendienlotse” bietet sogar spezielle Suchfunktionen an. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Networking-Angebote, die es Frauen in Männerberufen erleichtern auch sozial Fuß zu fassen, z.B. die Fachgruppe Frauen und Informatik der Gesellschaft für Informatik. Beide Angebote und noch Einiges mehr vereint beispielsweise die Fördergruppe FEMTEC.

BerufsunfähigkeitsschutzWeil deine Arbeitskraft viel wert ist 

Auswahl aus spannenden Berufsfeldern

MINT deckt ein weites Berufsfeld ab, das dir jede Menge spannende Optionen bietet.  Eine Auswahl ungewöhnlicher und spannender Studiengänge und Ausbildungen, von denen du vielleicht noch nichts wusstest, findest du im nächsten Abschnitt.

Vielfalt: Technische Studiengänge und Ausbildungen in Niedersachsen

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik: Das ist mehr als nur Werkstoff- oder Elektrotechnik. MINT-Berufe sind vielfältig und können abwechslungsreicher sein als die meisten klassischen Bürojobs. Gerade deshalb finden viele Frauen in Männerberufen ihre Leidenschaft – abseits der Klischees. Aber dafür muss man erstmal wissen, wie riesig die Auswahl tatsächlich ist. Was gibt es in Niedersachsen eigentlich an vielversprechenden Studienfeldern und Ausbildungen für technische Berufe? Wir sagen’s dir.

Technische Ausbildungsberufe in Niedersachsen

Vor allem im Bereich Technik kannst du dank unterschiedlicher Spezialisierungen die Ausbildung an deine eigenen Interessen anpassen. Mechatronikerinnen gibt es beispielsweise nicht nur für Autos oder Zweiräder, sondern auch für Landmaschinen. Es gibt Tontechnikerinnen, IT-System-Elektronikerinnen oder Fluggerätemechanikerinnen. Zu drei weiteren Beispielen findest du unten im Text mehr Infos. Das ist aber nur ein Bruchteil deiner Möglichkeiten: In Niedersachsen gibt es zur Zeit rund 1.000 freie Ausbildungsplätze im technischen Bereich, die nur darauf warten, Frauen in Männerberufen willkommen zu heißen. Wenn du also Lust auf MINT hast, gibt es viele Möglichkeiten und Karrierechancen. So können zukünftig aus technischen Berufen ganz selbstverständlich Frauenberufe werden.

Geomatikerin

Liegt dir Mathematik, Geografie und der Umgang mit dem PC? Dann könnte Geomatikerin dein Traumjob sein. Beim Landesamt für Geoinformationen und Landesvermessung Niedersachsen lernst du neben dem Vermessen von Landstücken auch, wie du aus Geodaten Karten, Pläne, dreidimensionale Modelle oder sogar Animationen erstellst. Für die dreijährige Ausbildung sollte dir deshalb auch räumliches Vorstellungsvermögen liegen.

Land- und Baumaschinenmechatronikerin

Oder bist du eher die Frau für’s Grobe, die sich nicht vor großen Maschinen scheut und gerne rumbastelt? Als Land- und Baumaschinenmechatronikerin lernst du in dreieinhalb Jahren die Instandsetzung, Wartung und Prüfung von Baumaschinen und -geräten. Genau richtig für alle, die gerne tüfteln und schweres Gerät bedienen wollen. Als Frau im Männerberuf findest du quasi in jeder Region Stellen.

Medieninformatikerin im Bereich Game Development

Interessieren dich allerdings Videospiele und Animation, solltest du eine Ausbildung zur Medieninformatikerin im Bereich Game Development in Hannover in Erwägung ziehen. Bei der schulischen Ausbildung kannst du direkt noch einen Bachelor machen und erhältst mit dem Abschluss die Qualifikation zur staatlich geprüften Medieninformatikerin. Als Spieleentwicklerin setzt du dann die Ideen und Vorstellungen der Gamedesigner um und erschaffst digitale Welten und Charaktere in 2D und 3D. 

Die Ergebnisse deiner Arbeit können nicht nur Spielefans begeistern, sondern auch wichtige gesundheitliche Forschung vorantreiben. „Im Bereich Games for Health werden Daten auf sehr intelligente Art gesammelt und nutzbar gemacht“, weiß Prof. Dr. Linda Breitlauch, die 2007 Europas erste Professorin für Game Design wurde. Zum Beispiel beim Spielt „Foldit“. Es wurde von der University of Washington entwickelt und zielt darauf ab, Proteine zu falten und so naturnahe Modelle zu entdecken. Vor einigen Jahren wurde es genutzt, um ein Protein zu finden, das für AIDS verantwortlich ist. „Man hat die weltweite Community an Spielern, ihre Kreativität und Lust am Wettbewerb genutzt, um das Protein zu entschlüsseln – was nach zehn Tagen tatsächlich gelang.“ 

Frauen in Männerberufen
Frauen arbeiten als Ingenieur
© Benne Ochs
Frauen in MINT Berufen
Frauen in Männderberufen

Technische Studiengänge in Niedersachsen 

Auch an Studienangeboten mangelt es in Niedersachsen nicht. Du möchtest in Zukunft etwas Außergewöhnliches oder Nachhaltiges machen? Wir haben ein paar Beispiele für dich.

Nautik und Seefahrt

Wie wäre es mit einem Studium in Nautik und Seeverkehr? Damit kannst du später in führender Position sogar die Weltmeere befahren. Vorher lernst du aber erst in acht Semestern die Prozesse im Schiffbau sowie Abläufe auf den Schiffen kennen. Und beschäftigst dich mit Umwelt- und Materialwissenschaften. Spezielle Simulationsanlagen bereiten dich auf alle möglichen Situationen in Offshore-Anlagen oder Maschinenräumen vor. Natürlich musst du später nicht unbedingt auf See arbeiten, sondern kannst auch bequem in Unternehmen an Land Karriere machen. 

Technologie nachwachsender Rohstoffe

Wenn du verschiedene Studienfächer verbinden möchtest, könnte dich der Studiengang „Technologie nachwachsender Rohstoffe“ an der Hochschule Hannover interessieren. Dort wirst du auf den Gebieten Naturwissenschaften, Technik sowie Wirtschaftswissenschaften unterrichtet. Zu den Modulen gehören neben Chemie und Technisches Zeichen auch BWL und mathematisch-statistische Grundlagen. Nach sieben Semestern kannst du dir unter anderem Jobs im Bereich Biotechnologie oder in der Pharmaindustrie sichern.

Aircraft and Flight Engineering

Oder soll es lieber in die Luft gehen? In sechs Semestern erlernst du das Handwerk der Luftfahrttechnik an der Hochschule Osnabrück. Der Studiengang „Aircraft and Flight Engineering“ umfasst auch gleichzeitig die fliegerische Grundausbildung nach europäischen Richtlinien. Für die Luftfahrttechnik zählen vor allem eine mathematisch-naturwissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Ausbildung. Nach dem Studium kannst du dann unter anderem in der technischen Fliegerei oder in der Flugzeugwartung arbeiten.

Auch Spieleentwicklerin könnte zukünftig ein Frauenberuf sein

Weitere Alternativen

Natürlich musst du dich nicht für einen exotischen Studiengang entscheiden, um als Frau in Männerberufen Karriere zu machen. Auch „Klassiker“ wie Maschinenbau und Elektrotechnik sind in Niedersachsen an vielen Standorten vertreten und können eine Menge Spaß machen. Es gibt aber auch jede Menge kreative Ausbildungsberufe.

Bei der VGH kannst du zum Beispiel (Wirtschafts-)Informatik dual studieren. Die Regelstudienzeit liegt bei drei Jahren und während der praktischen Phase lernst du als Informatikerin unterschiedliche Abteilungen wie die Anwendungsentwicklung oder den Service der Informationsverarbeitung der Versicherungen (ivv) kennen. Deine Studiengebühren übernimmt natürlich die VGH.

Ein Schnupperjahr in technische Studiengänge

Noch nicht bereit für volles Commitment? Keine Angst, du musst nicht direkt ein Studium anfangen, das du vielleicht abbrichst. ProTechnicale bietet zum Beispiel ein Orientierungsjahr für Abiturientinnen an. Dort erhältst du Einblicke in technische Studiengänge und Praktika im In- und Ausland. So findest du ganz einfach raus, ob das Ganze etwas für dich ist und kannst dich auch direkt schon aufs Studium vorbereiten.

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