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Familienplanung: Das Baby kommt! Was nun?

Nach neun Monaten Gefühlschaos, Vorfreude und Unsicherheit ist der Tag, auf den ihr so lange hin gefiebert habt, endlich da. Plötzlich wird euch bewusst, dass nichts mehr beim Alten bleibt. Denn ab jetzt geht es nicht mehr nur um euch als Paar. Ab jetzt geht es um ein kleines Wesen, das 24/7 eure volle Aufmerksamkeit benötigt. Das kann im ersten Moment sehr überfordernd sein. Überlegte Familienplanung kann viel von dieser Überforderung abfedern. Hier erfahrt ihr, worauf es wirklich ankommt.

Lisa Vogt Redakteurin JetztLosleben VGH
von Lisa Vogt22 Oktober, 2021
Vater macht Kissenschlacht mit erstem Kind
Das Wichtigste in einer Minute

Familienzuwachs birgt viele neue Herausforderungen – besonders dann, wenn es das erste Kind ist. Deshalb sollten sich werdende Eltern bereits am Anfang der Familienplanung mit wichtigen Themen wie Finanzen, Versicherungen und Kita beschäftigen. In diesem Text erfahrt ihr alles über die Fristen rund um die Elternzeit, das Elterngeld und natürlich, worum es sich dabei handelt. Ihr bekommt außerdem wichtige Tipps zum taktischen Vorgehen. Um seine Liebsten im Extremfall abzusichern, empfiehlt sich eine Risikolebensversicherung, ein Berufsunfähigkeitsschutz und eine erweiterte Privat-Haftpflichtversicherung. Grundsätzlich gilt: Je früher, desto besser. Das trifft auch beim Kita-Platz zu. Informiert euch am besten schon vor der Geburt über die Anmeldeformalitäten bei eurer Lieblings-Kita, denn sie könnte auch bei anderen Eltern ganz oben auf der Liste stehen.

Elterngeld-Formulare, Risikolebensversicherung, Kita-Wartezeiten – diese Wörter klingen nicht unbedingt nach Spaß. Sehr viel aufregender sind: Babybauchfotos, Schwangerschaftsschwimmkurse und Mama-Kind-Yoga. Und so rücken wichtige Vorkehrungen und Formalitäten in der Prioritätsliste nach hinten, bis sie im schlimmsten Fall komplett in Vergessenheit geraten. Wenn das Baby kommt, sind einige Fristen schon abgelaufen. Bis zum ersten Geburtstag ist euch vielleicht schon eine Menge Geld durch die Lappen gegangen. Und wenn das Kind anfängt, die Welt zu erkunden, sind Unfälle und Sachschäden nicht mehr auszuschließen, für die Eltern selbstverständlich aufkommen müssen. Es lohnt sich also, bereits zu Beginn der Familienplanung auch die weniger schönen Themen anzupacken. Eine Schwimmstunde mag Spaß machen, aber eine Versicherung kann eurem Kind die Zukunft retten.

Euer neuer Vollzeitjob: Eltern sein

Nach der Geburt ist viel los. Ihr müsst Kinderpflege und Schlaf unter einen Hut bekommen. Und dann stehen noch Termine bei Behörden und Kinderärzten an. Ist euer Kind nicht in einer Klinik oder Geburtshilfeeinrichtung zur Welt gekommen, ist auch eine Anmeldung im Standesamt notwendig – anderenfalls übernimmt das die Klinik. Wenn dann noch ein Job hinzukommt, bleibt kaum noch Zeit. Deshalb ist die Elternzeit für die Familienplanung – egal ob für Mutter oder Vater – so wichtig.

Wenn das Baby kommt, sollte die Familienplanung abgeschlossen sein

Die Elternzeit ist eine unbezahlte Auszeit vom Berufsleben, die euch für die Erziehung und Betreuung eures Kindes zusteht. Das ist in jedem Arbeitsverhältnis möglich – egal ob Vollzeit, Teilzeit oder Mini-Job. Euer Anspruch besteht, bis euer Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat. Gut zu wissen: Ihr könnt eure Elternzeit in drei Zeitabschnitte teilen und einen Teil zwischen dem dritten und achten Geburtstag nehmen. Das bedeutet, dass ihr für euer Kind genau dann mehr Zeit habt, wenn es euch am meisten braucht. Sobald die Elternzeit vorbei ist, könnt ihr im besten Fall an euren alten Arbeitsplatz zurückkehren. Ansonsten habt ihr Anspruch auf eine eurem Arbeitsvertrag entsprechende Arbeit. Übrigens seid ihr während der Elternzeit durch einen besonderen Kündigungsschutz abgesichert, sodass euch euer Arbeitgeber nur in seltenen Fällen kündigen darf.

Wie beantragen wir Elternzeit?

Die gute Nachricht: Es ist kein Hexenwerk. Ihr müsst keinen formellen Antrag stellen, sondern die Elternzeit spätestens sieben Wochen vor dem gewünschten Start bei eurem Arbeitgeber schriftlich anmelden. Da der Mutterschutz normalerweise acht Wochen nach der Geburt endet, sollten Mütter spätestens sieben Wochen vor Ablauf den Arbeitgeber benachrichtigen. Bei Vätern empfiehlt es sich, die Elternzeit sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin anzumelden. Natürlich ist es euch überlassen, ob ihr beide Elternzeit in Anspruch nehmt.

Wie der Staat euch unter die Arme greift

Was könnt ihr tun, wenn das Einkommen in der Elternzeit wegfällt? Hier kommt das Elterngeld ins Spiel: Die finanzielle Unterstützung des Staates steht euch zu, wenn ihr euer Kind selbst erzieht und betreut – unabhängig von eurem bisherigen Arbeitsverhältnis. Ihr könnt zwischen Basiselterngeld und ElterngeldPlus wählen. Der entscheidende Unterschied ist die Höhe der Leistung und Auszahlungsdauer.

Das Basiselterngeld beträgt normalerweise 65 % des Netto-Einkommens, das ab der Geburt wegfällt. Wenn beide Elternteile diese Variante beantragen, besteht ein Anspruch auf bis zu 14 Monate.

Schwangere Frau an Laptop betreibt Familienplanung

Das ElterngeldPlus wird genauso berechnet, darf aber maximal die Hälfte des möglichen Basiselterngeldes sein. Dafür bekommt ihr das ElterngeldPlus doppelt so lange. Das ist vor allem dann praktisch, wenn ihr in Teilzeit arbeiten und länger von den Leistungen profitieren wollt. Seit September 2021 dürft ihr übrigens bis zu 32 Stunden pro Woche arbeiten und trotzdem Elterngeld beziehen. Außerdem müsst ihr dank der neuen Regelung nur noch selten Nachweise über eure Arbeitszeiten erbringen. Das spart nicht nur Bürokratie, sondern auch wertvolle Zeit, die ihr mit eurem Kind verbringen könnt.

Wollt ihr vor der Geburt wissen, mit wieviel Elterngeld ihr rechnen könnt? Kein Problem: Hier geht es zum Elterngeldrechner. Auch gut zu wissen: Wenn ihr in Bremen wohnt, könnt ihr eure Daten direkt in das ElterngeldDigital übertragen und den Antrag online ausfüllen.

Eine weitere staatliche Leistung, die euch unabhängig von eurem Einkommen zusteht, ist das Kindergeld. Voraussetzung ist, dass euer Kind unter 18 Jahre alt ist. Unter bestimmten Umständen wie Ausbildung oder Studium könnt ihr auch für volljährige Kinder einen Antrag stellen. Für das erste und zweite Kind erhaltet ihr 219 €, für das dritte Kind 225 € und ab dem vierten Kind sogar 250 € im Monat. Beantragen könnt ihr es bei eurer Familienkasse vor Ort oder online.

Wie bekommen wir Elterngeld?

Anders als bei der Elternzeit, müsst ihr das Elterngeld erst nach der Geburt eures Kindes beantragen. Solltet ihr also im ganzen Schwangerschaftsstress die Finanzen aus den Augen verlieren, ist der Zug noch nicht abgefahren. Dennoch solltet ihr spätestens drei Monate nach der Geburt einen Antrag stellen, da diese Zeit noch rückwirkend bezahlt wird. Alle Formulare und Informationen findet ihr bei der Elterngeldstelle, die für euren Wohnort zuständig ist.

Neue Verantwortung, neue Herausforderungen

Spätestens wenn euer Kind einmal nachts weinend aufgewacht ist und nur ihr es beruhigen konntet, wisst ihr: Mit Kindern endet das Leben im Vielleicht-Modus. Sie brauchen euch einfach bedingungslos und ihr müsst für sie da sein – ohne wenn und aber. Diese Verantwortung ist eine Bürde, aber sie ist auch schön, denn ihr seht und spürt täglich, wofür ihr sie übernehmt.

Eltern halten ihr Neugeborenes schützend in den Händen

Doch was ist, wenn ihr das einmal nicht mehr könnt? Die ersten gemeinsamen Momente lassen Gedanken um Geldsorgen, Unfälle oder Schlimmeres eben schnell in den Hintergrund rücken. Warum an morgen denken, wenn es heute doch so schön ist? Leider löst das Aufschieben – wie bei so vielem anderen – nicht das Problem. Im schlimmsten Fall kann es sogar die finanzielle Existenz eurer Familie bedrohen. Ihr möchtet eure Familie für den Ernstfall absichern? Oder für die Ausbildung eures Kindes sparen? Hier sind die Tipps, die ihr braucht …

… wenn der schlimmste Fall eintritt

Wenn ein neues Leben beginnt, möchtet ihr nicht daran denken, dass ein anderes enden könnte. Trotzdem solltet ihr euch diesem unangenehmen Thema stellen. Denn nach dem Tod eines berufstätigen Elternteils muss das Kind im Zweifel nicht nur mit den psychischen, sondern auch mit den finanziellen Folgen zurechtkommen. Eine Risikolebensversicherung kann zumindest eine dieser Ängste nehmen und zum Beispiel die Ausbildung eures Kindes sicherstellen.

RisikolebensversicherungSichert die finanzielle Zukunft eurer Familie ab!

… wenn ihr nicht mehr arbeiten könnt

Aber auch weniger tragische Ereignisse können dafür sorgen, dass euer Familienalltag aus der Bahn gerät. Zum Beispiel, wenn ihr einen Unfall habt und von jetzt auf gleich euren Beruf nicht mehr wie gewohnt ausüben könnt, da ihr körperliche oder psychische Einschränkungen habt. Ohne einen Berufsunfähigkeitsschutz sieht es gar nicht rosig aus: Euer Einkommen fällt auf einen Schlag weg, aber Rechnungen müssen trotzdem bezahlt werden.

Statistisch gesehen muss sogar jeder vierte Deutsche aus gesundheitlichen Gründen seine Arbeit vor der Rente niederlegen. Außerdem hat ein junger Mensch in Sachen Berufsunfähigkeitsschutz einen entscheidenden Vorteil: „Er ist jung und oft noch gesund – das macht den Schutz relativ günstig, denn Lebensalter und Gesundheitszustand wirken sich stark auf den Preis aus“, stellt Stiftung Warentest fest. Je früher ihr euch für eine Berufsunfähigkeitsversicherung entscheidet, desto besser.

… wenn euer Kind etwas kaputt macht

Ihr passt für einige Minuten nicht auf und plötzlich ziert ein leuchtend roter Buntstiftstrich die helle Couch, die ihr erst vor kurzem neu gekauft habt. Mit einem Kleinkind im Haus gehen Dinge kaputt oder werden beschädigt – daran führt fast kein Weg vorbei. Da es euer eigener Schützling ist, ist eine Macke am Lieblingsmöbelstück vielleicht schnell verziehen.

Kind steht in Spielzeugchaos und zeigt, warum Versicherungen fürs Kind essentiell sind

Zu einem richtigen Problem wird es, wenn fremdes Eigentum z. B. bei Freunden unter kindlicher Entdeckungsneugier leidet. Falls ihr bereits eine Privat-Haftpflichtversicherung besitzt, solltet ihr sie am besten prüfen und gegebenenfalls anpassen. Denn viele Tarife decken nur einen Schaden ab, der durch Kinder ab sieben Jahren verursacht wurde. Davor sind die Kleinen deliktunfähig und die Versicherung übernimmt nur, wenn Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Ist letzteres nicht der Fall, bleibt der Geschädigte auf den Kosten sitzen. Das kann zu einem moralischen Dilemma führen, wenn ihr die Person gut kennt. Eine Anpassung der Privat-Haftpflichtversicherung erspart euch diesen Ärger.

… wenn ihr heute schon an morgen denken wollt

Die Kosten enden nicht automatisch, sobald euer Kind das 18. Lebensjahr erreicht hat und auf eigenen Beinen stehen kann. Vielleicht möchte euer Nachwuchs den Führerschein machen, für längere Zeit ins Ausland gehen oder in die erste eigene Wohnung ziehen. Wenn ihr euer Kind finanziell unterstützen möchtet, gibt es viele Wege, dies zu tun. Mit der VGH Nachwuchsförderung legt ihr heute schon den Grundstein für morgen. Tipp: Sprecht doch einfach mal eure Eltern in dieser Sache an! Statt des zwanzigsten Stramplers oder der siebzehnten Rassel ist es viel sinnvoller, dem Enkelkind einen finanziellen Puffer für die Zukunft zu schenken. Und Omi und Opi bleiben als „Zukunfts-Versicherer“ Teil im Leben des Enkelkindes.

Erstes Baby hält kurz nach der Geburt Hand der Eltern
Eltern halten erstes Kind im Arm
Kind spart weil Geld bei der Familienplanung vergessen wurde
Eltern betreiben Familienplanung am Laptop im Wohnzimmer

Kita-Platz gesucht?

Scheint euch das Thema Kita noch viel zu weit in der Zukunft zu liegen? Vielleicht ist euer erstes Kind noch gar nicht zur Welt gekommen oder erst wenige Tage alt. Ihr könnt euch sicher sein: Genau jetzt ist die richtige Zeit, um sich über Kindertagesstätten und Kindergärten in eurer Umgebung schlau zu machen. Denn je nach Wohnort kann die Wartezeit auf einen beliebten Platz mehr als drei Jahre betragen. Informationen zur Anmeldung erhaltet ihr beim Jugendamt oder bei eurer Wunsch-Kita vor Ort.

Erstes Kind spielt mit Bauklötzen

Das heißt nicht, dass alle Plätze während der Schwangerschaft schon vergeben werden. Dennoch solltet ihr euch so früh wie möglich informieren, damit ihr Chancen auf euren Lieblingsplatz habt. Keinen Platz gefunden? Dann könnte es sich lohnen, beim Arbeitgeber nachzuhaken. Unternehmen können über Platzkontingente in umliegenden Kitas verfügen. Hier sind die Aussichten häufig besser. Eine gute Alternative zur Kita kann eine Kindertagespflegeperson sein, da sie oft flexibler und familiärer ist. Hattet ihr trotzdem kein Glück bei eurer Suche nach Betreuung, habt ihr die Möglichkeit, innerhalb eines Monats Widerspruch gegen die Absage einzulegen.

Ihr seid nicht allein – die finale Checkliste

Die To-do-Liste ist am Anfang der Familienplanung lang und unübersichtlich. Da hilft es, die Themen nach Priorität zu sortieren und Fristen zu notieren. Falls ihr euch bei manchen Themen immer noch unsicher fühlt, gibt es viele staatlich anerkannte Beratungsstellen, an die ihr euch wenden könnt. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben eine sozialpädagogische, psychologische oder medizinische Ausbildung und helfen euch kostenlos weiter. Ansonsten findet ihr die wichtigste Punkte dieses Artikels in unserer abschließenden Checkliste:

  1. Vor der Geburt
  • 28 Wochen davor: Arbeitgeber über Schwangerschaft informieren
  • 7 Wochen davor: Elternzeit beim Arbeitgeber anmelden
  • Je nach Wohnort: Kitas anfragen und in Wartelisten eintragen
  1. Nach der Geburt
  • Spätestens nach einer Woche: Anzeige im zuständigen Standesamt bei einer Geburt außerhalb einer Klinik oder Geburtshilfeeinrichtung
  • Spätestens nach 3 Monaten: Elterngeld beantragen
  • Spätestens nach 6 Monaten: Kindergeld beantragen
  • Je nach Wohnort: Kita-Platz anmelden


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