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Digitale Bildung: Digital leichter lernen?

Die digitale Welt erfindet sich alle paar Jahre neu – privat und auch im Job. Lebenslanges Lernen ist gefragt, wenn wir dranbleiben wollen. Doch helfen uns die digitalen Tools auch dabei, schlauer zu werden, oder lenken Sie uns eher ab, wenn es um nachhaltige Bildung geht?

Lisa Vogt Redakteurin JetztLosleben VGH
von Lisa Berendes4 Januar, 2023
Kinder und digital

Wir müssen uns keine Wege mehr merken, mit Wikipedia haben wir ein Superbrain immer dabei, die Rechtschreibkorrektur ist eh obligatorisch und Übersetzungs-Tools wie DeepL machen dröges Vokabellernen unnötig. Stures Auswendiglernen scheint in der Welt von morgen so wenig überlebensfähig wie Archäoperix & Co. Aber was macht es mit unserem Gehirn, wenn wir uns nichts mehr merken müssen? Schon grassiert im Netz der Begriff „digitale Demenz“ und tatsächlich fällt es jedem von der GenZ an aufwärts heute schwer, sich vorzustellen, längere Texte, Lieder oder gar Gedichte auswendig zu lernen. Warum auch? Kann man doch alles googlen.

Von grottenschlecht bis überdurchschnittlich

Die gute Nachricht: Wir lernen weiterhin richtig viel dazu – nur anders als früher. Unser Gehirn, das weiß die Wissenschaft inzwischen, ist von der Wiege bis zur Bahre dazu in der Lage, uns schlauer zu machen. Wichtig ist, für dieses lebenslange Lernen eine gute Basis zu legen. Für junge Eltern dabei besonders interessant: In Sachen schulischer Bildung geht es in Deutschland bergauf. Im Jahr 2001 kam es hierzulande noch zum „Pisa-Schock“. Die Ergebnisse der sogenannten Pisa-Studie – Pisa steht für „Programme for International Student Assessment“ – wurden vor 21 Jahren erstmals vorgestellt. Die Studie untersucht alle drei Jahre im Auftrag der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weltweit Fähigkeiten von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern im Lesen, in Mathe und Naturwissenschaften. Damals schnitt Deutschland grottenschlecht ab: Wir landeten in allen drei Kompetenzfeldern irgendwo zwischen dem 21. bis 25. Platz von 32 untersuchten Ländern. Mittlerweile landet Deutschland in allen drei untersuchten Bereichen deutlich über dem Durchschnitt. Der Grund: Unser starres Lernsystem ist offener und dem medialen Bashing zum Trotz auch digitaler geworden. Man hat sich von den Pisa-Spitzenreitern aus dem skandinavischen Bereich einiges abgeschaut und zumindest theoretisch verstanden, wie wichtig kollaboratives Lernen, individuelle Betreuung und Feedback für den Lernerfolg sind. Und genau für diese Dinge werden in Ländern wie Finnland, Estland oder Schweden auch digitale Tools entwickelt und genutzt, die helfen, den individuellen Wissensstand der Schülerinnen und Schüler besser zu berücksichtigen, als eine frontal agierende Lehrkraft es kann.

Digitalisierung in die Schule

Viele Bildungsreformen hatten immer auch ein Ziel: das soziale Gefälle auszugleichen. Kinder aus Arbeiterhaushalten sollen die gleichen Chancen zum Aufstieg haben wie jene aus Akademikerfamilien. Und eine gute Ausbildung ist nun einmal ein wesentlicher Faktor für einen sozialen Aufstieg. Wer sein Kind, Enkel oder Paten­kind beim Wachsen unterstützen möchte, der kann die Erfüllung seiner Träume und Wünsche ganz unabhängig absichern: mit der Nach­wuchs­förderung der VGH oder ÖVB. Dabei spart ihr monat­lich einen festen Betrag und profi­tiert von guten, sicheren Rendite­chancen. Denn hinter dieser besonderen Form der Kinder­vor­sorge steht die VGH PrivatRente Chance. Mit diesem Alters­vor­sorge-Produkt legt ihr ein solides Funda­ment für die finanzielle Zu­kunft der Kinder, die euch am Herzen liegen.

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Und wie sieht es in Niedersachsen aus?

In Niedersachsen wurden im Herbst 2022 von MINT Zukunft e. V. und Grant Hendrik Tonne, dem niedersächsischen Kultusminister, 38 Schulen, von Grundschule bis Gymnasium, als „MINT-freundliche Schule“ und/oder „Digitale Schule“ ausgezeichnet – das sind 38 von rund 2.545 öffentlichen allgemeinbildenden Schulen. Klingt erstmal nicht viel, sieht in anderen Bundesländern aber auch nicht besser aus. Die Auszeichnung berücksichtigt neben der digitalen Ausstattung auch die Qualifikation der Lehrkräfte in Sachen Digitalisierung sowie pädagogische Konzepte und Lernkultur. Es ist also durchaus ein umfassendes Kompetenz-Spektrum, das mit der Auszeichnung belohnt wird. Das können (noch) nicht viele Schulen einlösen. Henrike Friedrichs-Liesenkötter forscht an der Leuphana Universität in Lüneburg als Juniorprofessorin für Bildungswissenschaften über Bildung mit digitalen Medien, sie ist überzeugt: „Die Digitalisierung birgt sowohl Chancen als auch Risiken für das Aufwachsen und auch das Lernen. Besonders relevant ist die Förderung der Fähigkeit zur Medienkritik auf Seiten von Kindern und Jugendlichen in der Schule. Das heißt, dass Schülerinnen und Schüler sich kritisch-reflexiv mit digitalen Medieninhalten auseinandersetzen und hierbei auch im Sinne einer ethischen Dimension das eigene Medienhandeln selbstkritisch hinterfragen.“ Ganz praktisch bedeutet das: Wer nicht die Chance hat, mit Smartphone, Tablet & Co. zu hantieren, kann weder Vorzüge noch Nachteile erproben und nicht lernen, den Umgang für sich persönlich richtig zu dosieren. Es ist wie bei der alten Süßigkeiten-Debatte: Strike Verbote führen nur dazu, dass die zwangsweise Enthaltsamen sich auf den Kindergeburtstagen der Anderen erst recht mit den Kariesbomben vollstopfen. Auch Erwachsene müssen immer wieder neu hinterfragen, ob sie ihren Medienkonsum richtig dosieren. Jede und jeder kennt deshalb Phasen von Digital Detox. Es gilt, Heranwachsende pädagogisch dabei zu begleiten, digitale Medien konstruktiv im Lernprozess zu nutzen.

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Digitales Schiffe versenken gelassen sehen

Medienpädagogik und kreative Medienarbeit sind in der Ratsschule Melle schon Alltag, sagt Beratungslehrer Michael Jäkel und hat auch gleich ein Beispiel parat: „In Sachen Medienkompetenz gehen wir nach dem Peer-to-Peer-Ansatz vor: Das Team aus Schülerinnen und Schülern, die die Schul-Website betreut, geht in untere Klassenstufen und klärt dort auf über Social Media, Privatsphäreeinstellung und auch Fake News.“ Auch die Eltern werden von Beginn an mit einbezogen, erklärt Michael Jäkel. Über ein Programm könne man auf den genutzten Tablets zwar steuern, dass auf Spiele-Apps während der Unterrichtszeiten nicht zugegriffen werden könne, aber das sei nicht immer sinnvoll, da darunter auch Lernspiele fallen. Und wie sieht es mit der Ablenkung aus? Die habe es immer schon gegeben, sagt Jäkel. Ob nun früher mit Stift und Zettel oder heute mit dem Tablet. Das bestätigt auch Norbert Schlee-Schüler, Schuldirektor vom Kreisgymnasium St. Ursula Haselünne: „In der letzten Reihe gibt es natürlich jetzt auch mal digitales Schiffe versenken“. Sprich: Es haben sich zwar die die Methoden der Ablenkung verändert, nicht aber die Sache an sich. Für Norbert Schlee-Schüler war von Beginn seines Amtsantritts in 2013 klar, dass er das Thema Digitalisierung in die Schule tragen will: „2016 kam das Thema ‚Recht auf digitale Bildung’ auf. Das hat viele Aspekte, sowohl technisch als auch pädagogisch. Also haben wir eine Stelle dafür ausgeschrieben und eine Arbeitsgruppe von fünf Personen gebildet.“ Die Umsetzung gelang so schnell und erfolgreich, dass das KGH bereits 2018 als Digitale Schule zertifiziert wurde. Eine Auszeichnung, die im vergangenen Jahr wiederholt wurde. Unterdessen wurden 720 Schüler mit iPads ausgestattet und die Schule hat einen eigenen System-Admin vor Ort. Doch nicht nur die technische Ausstattung wurde bedacht. In der gesamten Oberstufe ist Informatik-Unterricht etabliert. Wichtig für erfolgreiches digitales lernen ist und bleibt dabei das Engagement der Lehrkräfte. Ein digitaler Lern-Held wie Lehrerschmidt, Schulleiter der Oberschule Uelsen in Niedersachsen, der mit seinen YouTube-Tutorials 1,1 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten Tipps für effektives Lernen und Lehren gibt, zeigt, wie man digitale Kanäle produktiv einsetzen kann. Wer hat nicht schon YouTube genutzt, um sich fürs Abi vorzubereiten und selbst im Studium können Clips von ehemaligen Studis besonders einleuchtend sein, denn sie erklären auf Augenhöhe.

Auch Bremen nimmt Abschied von der Kreidezeit

Das Netzwerk für die digitale Gesellschaft (Initiative D21), eine Partnerschaft aus Wirtschaft und Politik, hat Ende 2022 über 2.400 Eltern mit schulpflichtigen Kindern befragt, wie es um die Digitalisierung in der Schule bestellt ist. Dabei gilt es einen überraschenden Gewinner: Bremen. Hier verabschiede man sich am konsequentesten von Kreidetafeln und Overheadprojektoren: 86 Prozent der befragten Eltern stimmten dort dem Statement zu, dass Computer, Tablets oder Smartboards im Unterricht zum Einsatz kommen. Damit toppt Bremen deutlich das zweitplatzierte Bundesland Nordrhein-Westfalen (81 Prozent). Der Grund für den Bremer Vorsprung: Mit dem „Sofortausstattungsprogramm“ des „Digitalpakts Schule“ wurde konsequent darauf gesetzt, in die digitale Bildung der Schülerinnen und Schüler zu investieren. Vor allem von Haus aus benachteiligte Kinder konnten davon profitieren. Die Ausstattung ist erst der Startpunkt, nun werde man, so die Politik in Bremen, in die digitale Fortbildung der Lehrenden stärker ins Visier nehmen. Trotz dieser positiven Peaks bescheinigt die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) Kitas, Schulen und Hochschulen in Deutschland in einer aktuellen Studie einen erheblichen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung. Das Expertengremium empfiehlt zum Beispiel die Einführung eines Pflichtfachs Informatik und die Einrichtung länderübergreifender „Zentren für digitale Bildung“ um die Modernisierung des Bildungsbetriebs mit einem echten Push zu versorgen.

Vor allen in den Kitas muss sich was tun

In der 186 Seiten umfassenden SWK-Studie wird vor allem die Einstellung zur Digitalisierung in den Kitas als bedenklich eingestuft. Im Gutachten heißt es: „Gerade mit Blick auf sehr junge Kinder stehen den Potenzialen früher digitaler Medienbildung große Vorbehalte und Ängste bei Fachkräften, Eltern sowie Vertreter:innen der Wissenschaft gegenüber.“ Die Debatte unter Erzieherinnen und Erziehern sei von Gefühlen und nicht von Fakten bestimmt. Klar, Eltern sind es leid, ihre Kleinkinder kaum von den Bildschirmen loseisen zu können. Doch sind sie auch selbst vielfach nicht in der Lage, auf dem Spielplatz das Handy beiseitezulegen. Das „bildschirmfreie“ Leben wird dann an die Kita delegiert. Ein sanftes, begleitetes Heranführen an digitale Medien und Lernkonzepte sieht anders aus. Für Schulen fällt die Analyse der Studie weniger drastisch aus – das liegt auch an Schulen wie dem Werner von Siemens Gymnasium Harzburg. In der als „Digitale Schule“ ausgezeichneten Einrichtung gibt es mittlerweile drei Klassenräume mit jeweils 30 digitalen Lernplätzen. In einem nächsten Schritt soll es aber auch hier eine 1:1-Ausstattung der Schüler geben. Jan Steuernagel koordiniert seit einigen Jahren die Medienbildung an der Schule. Ihm ist wichtig, digitale mit klassischen Lehrinhalten zu verzahnen. Im Biologieunterricht gäbe es dann beispielsweise den Auftrag, einen Steckbrief über ein Tier zu erstellen. Neben der inhaltlichen Erfüllung der Aufgabe würde es dann auch darum gehen, zu lernen, wie man die digitalen Tools am besten zur Recherche nutzt. Am Werner von Siemens Gymnasium findet Informatikunterricht bereits ab Klasse 9 statt – auch wenn es schwer sei, Kollegen mit entsprechenden Fähigkeiten zu finden, wie Jan Steuernagel weiß: „Eine Fortbildung zur Informatikdidaktik dauert eben gut 1,5 Jahre.“

Informatik wird Schulfach

Für Niedersachsen gilt, dass ab dem Schuljahr 2023 ab der 10. Klasse das Fach Informatik verpflichtend eingeführt wird, ab 2024 dann ab Klasse 9. Gut so, sagt Prof. Dr. Ira Diethelm, Mitglied im Digitalrat Niedersachsen von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg: „Um zu verstehen, wie das Internet funktioniert, braucht es informatische Grundkenntnisse.“ Das übergeordnete Ziel beschreibt Ira Diethelm so: „Die Schüler sollen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern erzogen werden. Dazu gehört auch, dass sie später über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und IT-Systemen entscheiden und diese auch kontrollieren können. Dafür sind Grundkenntnisse in IT und deren Grenzen nötig.“ Denn selbstfahrende Autos oder Netzneutralität sind nur zwei der Themen, die die Zukunft mitbestimmen und unmittelbar aus der Digitalisierung resultieren. Ira Diethelm sähe informatische Bildung gerne schon früher an den Schulen: „Das kann schon im Sachunterricht der Klassenstufen 3 und 4 Lerninhalt sein: Wie funktioniert das Internet? Wie werden Nachrichten verschickt? Es gibt bereits kindgerechte Programmierumgebungen. Kinder lernen durch diese Regeln, Ereignisse besser einzuschätzen“, erklärt sie.

Informatik wird Schulfachß

Und was ist nun mit unserem Gedächtnis?

Machen wir uns nichts vor: Die Haltbarkeit schnell ergoogelten Wissens in unserem Gedächtnis ist extrem kurz. Aber das gilt auch für das intensive Speed-Pauken mit Lehrbuch vor der nächsten Klausur. Für nachhaltiges Lernen brauchen wir unser Langzeitgedächtnis. Doch Fakten, die dort hineinwollen, haben es nicht leicht, ganz gleich, aus welcher Quelle sie stammen. Informationen, die von unserem Langzeitgedächtnis als irrelevant eingestuft werden, werden aussortiert. Um Wissenswertes als bedeutsam zu erkennen, braucht unser Hirn – sehr kurz gesagt – besondere Marker. Derartige Markierungen können wir schaffen, indem wir die entsprechenden Fakten emotional aufladen oder durch verschiedene Reize dem Gehirn gewissermaßen in verschiedenen Formen anbieten. Das Stichwort hier lautet also: Vielfalt. Eine Form kann tatsächlich Wiederholung, also das gute, alte Auswendiglernen sein, eine andere, einen Fakt an einen Geruch oder ein Bild zu koppeln. Es braucht also eine Kombination aus Lerntechniken und einige davon können sehr gut digital sein.

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