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Boßeln – So funktioniert der Volkssport der Norddeutschen

Vor allem im Winter ziehen lustige Grüppchen übers Land und tragen einen Wettbewerb im Kugelweitwurf aus: Boßeln. Was es damit genau auf sich hat, liest du hier.

Boßeln – für Urlauber eine Kuriosität

Der niedersächsische Volkssport Boßeln ist für Urlauber eine echte Kuriosität: Manch männlicher Spieler entblößt sogar seinen Oberkörper und wirft die Kugel mit einem Urschrei von sich weg. Ob angezogen oder oben ohne – in Norddeutschland ist Boßeln überaus beliebt und ein tolles Spektakel für alle Anwesenden.

Boßeln ist aus dem sogenannten Klootschießen entstanden, bei dem die Spieler eine Kugel möglichst weit werfen sollen. Der Name leitet sich aus dem niederdeutschen Kloot oder Klut für Klumpen ab. Die Friesen setzten schon in der Antike Wurfgeschosse als Waffen ein, verwendeten Klumpen aus Marschboden und Steine. Bei römischen Legionären zum Beispiel stießen die getrockneten Lehmkugeln, die ihnen die kriegerischen Friesen zielgenau über große Distanzen entgegen schleuderten, auf wenig Gegenliebe.

Auf dem Lande eine ruhige Kugel schieben

Ursprünglich war das Klootschießen ein Kräftemessen der männlichen Bewohner aus rivalisierenden Nachbardörfern. Bis die Sache ausartete und aus Wettkämpfen häufig handfeste Schlägereien wurden. Daher verbot die Obrigkeit das Klootschießen immer wieder. Erst Ende des 19. Jahrhunderts gab es verbindliche Wettkampfregeln, und es wurde ein friedlicher Sport daraus.

Noch heute finden sich in Regionen wie Ostfriesland, im Emsland, im Oldenburger Land, im Alten Land sowie in der Lüneburger Heide fast in jedem Dorf einen Klootschießer- oder Boßelverein. In unterschiedlichen Formen ist Boßeln auch in vielen anderen Teilen Europas bekannt.

Früher hat sich die Landbevölkerung im Winter, nachdem die Ernte eingeholt war, auf den Felder und Wiesen beim Klootschießen und Boßeln vergnügt. Das Straßenboßeln entwickelte sich in Deutschland im 19. Jahrhundert. Zum Freizeit- und Breitensport wurde das Boßeln aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Was haben Boßeln und Boule miteinander zu tun?

Bei beiden Spielen handelt es sich um eine Kugelsportart, bei der zwei Mannschaften gegeneinander antreten. Ihre Gemeinsamkeiten sind der zielsichere Umgang mit einer Kugel, Bewegung an frischer Luft und die Geselligkeit. Boule (von französisch „la Boule“, also „die Kugel“) heißt genau genommen Boule Lyonnaise. Dabei handelt es sich um Sport-Boule. Das auf vielen öffentlichen Plätzen ausgetragene Freizeit-Kugelspiel trägt korrekt den Namen Pétanque.

Die Idee ist uralt: Schon 460 v. Chr. wurde ein Spiel mit Steinkugeln vom griechischen Arzt Hippokrates erwähnt. Im zweiten Jahrhundert nach Christus beschrieb der griechische Gelehrte Iulius Pollux ein Spiel, bei dem Kugeln auf einen Zielstein geworfen wurden.

Thorsten Kluge, begeisterter Pétanque-Spieler aus Deutschlands Boule-Hochburg Hannover, erklärt: „Der Präzisionssport Jeu Provencal, der aus dem Boule Lyonnaise entstanden ist, wird mit Anlauf gespielt. Gerade dieses Anlaufnehmen macht das Spiel sportlicher als seine spätere Abwandlung Pétanque. Wie kam nun wieder die neue Variante Pétanque zustande? Vor 100 Jahren gab es in Südfrankreich einen sehr guten Boulespieler namens Jules Le Noir. Aufgrund eines Rheumaleidens konnte er aber nicht mehr die drei Anlaufschritte machen, die Jeu Provencal verlangt. Daraufhin wurde Pétanque erfunden, was auf Französisch ,pieds tanqués‘ also ,geschlossene Füße‘ heißt.“

Eine lachende 4er-Gruppe mit Boulekugeln
Boßeln und Boule: Die Spiele haben einiges gemeinsam.
Straßenboßeln – gesperrte Landstraße mit Umleitungs- und Hinweissschildern
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Die Regeln beim Boßeln

Worum geht es beim Boßeln? Jeweils vier Spieler zweier Mannschaften versuchen abwechselnd, eine 10,5 Zentimeter große und 1.100 Gramm schwere Kugel mit möglichst wenigen Zügen eine festgelegte, mehrere Kilometer lange Strecke entlang zu werfen. Die Mannschaften werfen abwechselnd. Jeder Spieler setzt mit seinem Wurf am Landepunkt des Vorwerfers seiner Mannschaft an. Auf einem Spielplan wird jeder Wurf notiert. Am Ende werden alle Würfe zusammengezählt, und das Team mit der geringeren Summe gewinnt. Auf geraden Strecken mit geeignetem Untergrund können Spitzen-Boßler mit einem Wurf problemlos Weiten von 200 Metern erzielen.

Boßeln: Auf die richtige Wurftechnik kommt’s an

Zur Grundausstattung einer Boßelmannschaft gehört unbedingt ein Kraber – ein Korb an einem langen Stiel. Er dient dazu, die Kugel aus Straßengräben zu fischen. Und wie sieht’s beim Boßeln mit der Anleitung zum Werfen aus? Die Wurftechnik ist ähnlich wie beim Kegeln: Zuerst geht der Arm zum Schwungholen nach hinten. Anschließend schnellt der Arm an der Hüfte vorbei nach vorne, um mit hoher Geschwindigkeit die Boßelkugel loszulassen.

In Alten Land und in der Lüneburger Heide zum Beispiel bieten viele Gastronomen Boßeln als Gruppenevent an. Die Teilnehmer bekommen zunächst eine Einweisung, als Wegzehrung gibt es einen Bollerwagen voller Getränke: Für zehn Personen befinden sich darin zum Beispiel eine Flasche Schnaps, 20 Flaschen Bier und drei große Flaschen Softdrinks. Auf das Boßeln folgt bei diesen sogenannten Kohlfahrten ein üppiges Grünkohlessen mit allem, was dazu gehört. Boßeln wird so zu einem lustigen Event mit Bewegung in der Natur und ist für alle Altersgruppen gut geeignet.

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