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Ausbildungsförderung: Alles, was du über BAföG wissen musst

Zur finanziellen Unterstützung kannst du während deines Studiums oder deiner Schulausbildung BAföG beantragen. Die staatliche Ausbildungsförderung soll dabei helfen, dass du dich ohne größere Sorgen um deinen Lebensunterhalt aufs Lernen konzentrieren kannst. Der BAföG-Antrag wirkt auf den ersten Blick aber ganz schön unübersichtlich: Es gibt verschiedene Arten der Förderung, dein Einkommen und das deiner Eltern spielen eine Rolle und dann musst du auch noch bestimmte Fristen beachten. Hier findest du einen Überblick über das Thema BAföG.

Was ist BAföG eigentlich genau?

BAföG ist die Abkürzung für Bundesausbildungsförderungsgesetz. Dieses Gesetz regelt, wie Studenten und Schüler in Deutschland staatliche Unterstützung für ihre Ausbildung bekommen. Umgangssprachlich wird auch die Förderung selbst als BAföG bezeichnet. Wer BAföG beantragt und auch Anspruch darauf hat, bekommt monatlich einen bestimmten Betrag ausgezahlt. Wie hoch der ist, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel dem eigenen Einkommen oder Vermögen und dem Einkommen der Eltern oder des Ehepartners. Für Studenten gilt: Die Hälfte des BAföGs ist sozusagen ein Geschenk des Staats. Die andere Hälfte ist ein zinsloses Darlehen, dass du nach deiner Ausbildung zurückzahlen musst. Wenn Schüler BAföG erhalten, handelt es sich um einen Vollzuschuss. Sie müssen also nichts zurückzahlen.

Wer bekommt BAföG? – Die Voraussetzungen

Du möchtest BAföG beantragen, bist dir aber nicht sicher, ob du Anspruch darauf hast? Ein paar wichtige Bedingungen kannst du selbst im Voraus prüfen. Grundsätzlich gilt aber: Probier es ruhig mit einem BAföG-Antrag. Denn mehr als Nein sagen kann das Amt nicht. Die Voraussetzungen beziehen sich auf drei Bereiche:

  • Die Art der Ausbildung: Die Ausbildung muss förderfähig sein. Neben Hochschulen sind das auch höhere Fachschulen und Akademien sowie verschiedene Arten von allgemeinbildenden und Berufsschulen. Wichtig ist allerdings: Schüler werden in der Regel nur dann gefördert, wenn sie nicht mehr bei ihren Eltern leben.
  • Die Person des Antragstellers: Bei den persönlichen Voraussetzungen spielt die Staatsangehörigkeit eine Rolle. Es erhalten aber nicht nur deutsche Staatsbürger eine BAföG-Förderung. Auch Ausländer werden unterstützt, wenn sie in Deutschland eine Bleibeperspektive haben. Im Zweifel klärt eine Beratung beim BAföG-Amt (Amt für Ausbildungsförderung), ob du BAföG beantragen kannst. Es gilt eine Altersgrenze von 30 Jahren (bei Masterstudiengängen 35 Jahre), bis zu der du deine Ausbildung begonnen haben musst, um gefördert zu werden. Ausnahmen sind aber möglich, zum Beispiel bei besonderen familiären Gründen oder für Absolventen des zweiten Bildungswegs. Außerdem müssen BAföG-Empfänger Leistungen erbringen, die erwarten lassen, dass sie die aktuelle Ausbildung abschließen werden. Studenten müssen deshalb vor ihrem fünften Semester dem BAföG-Amt einen Leistungsnachweis vorlegen.
  • Einkommen und Vermögen des Antragstellers, der Eltern und gegebenenfalls des Ehepartners: Haben du, deine Eltern, deine Geschwister oder dein Partner zu viel auf dem Konto, gibt es keine staatliche Ausbildungsförderung.
BAföG beantragen: Mutter und Tochter sitzen am Küchentisch und unterhalten sich
Ob und wie viel Förderung du bekommst, hängt vom Einkommen und Vermögen deiner Eltern ab.

BAföG beantragen: Woran du denken musst

Um die Ausbildungsförderung zu erhalten, musst du einen Antrag stellen. Am besten fängst du damit rechtzeitig an, denn das kann eine Weile dauern. Die nötigen Formblätter erhältst du online oder bei deinem zuständigen BAföG-Amt – in der Regel also an deiner Hochschule. Ganz wichtig: Du kannst erst ab dem Zeitpunkt deines Antrags BAföG erhalten. Wenn dir die Zeit fehlt, alle Formulare komplett vorzulegen, kannst du auch einen formlosen Antrag stellen, um deine Ansprüche zu wahren. Die Komplettversion mit allen Unterlagen reichst du dann später nach.

Welche Formulare du in deinem individuellen Fall brauchst, ermittelst du am besten online mit dem BAföG-Antragsassistenten. Auf den Formblättern machst du Angaben zu deiner Person, deinem Einkommen und deinem Vermögen. Auch Informationen über die finanziellen Verhältnisse deiner Eltern und eventuell deines Ehepartners gehören dazu.

Inzwischen ist es auch möglich, elektronisch BAföG zu beantragen. Weitere Infos dazu gibt es hier.

Wie viel BAföG bekomme ich?

Der BAföG-Höchstsatz beträgt aktuell 735 Euro inklusive Zuschlag zur Kranken- und Pflegeversicherung (wenn du selbst versichert bist). Generell gilt: Wer bei seinen Eltern wohnt, bekommt weniger. Wenn deine Eltern gut verdienen, wirkt sich das ebenfalls negativ auf die Summe aus, die du bekommst. Du selbst kannst ohne Einbußen bis zu 450 Euro im Monat verdienen. Wenn es mehr wird, verringert sich das BAföG. Für dein Vermögen gilt ein Freibetrag von 7.500 Euro.

Mit einem BAföG-Rechner kannst du dir einen Überblick verschaffen und deinen Anspruch einschätzen.

Übrigens:

Im Durchschnitt bekommen Studenten 435 Euro BAföG im Monat. Das zeigt die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Dort gaben 79 Prozent der BAföG-Empfänger an, dass sie ohne die Förderung nicht studieren könnten.

Die verschiedenen BAföG-Arten

Wenn du BAföG beantragen möchtest, stellt sich erst einmal die Frage: Welches denn? Am bekanntesten ist die Ausbildungsförderung für Studenten. Es gibt aber auch noch andere Varianten:

  • Schüler-BAföG: Unter bestimmten Voraussetzungen können Schüler eine Ausbildungsförderung erhalten. Sie müssen dafür in einem eigenen Haushalt leben, also nicht mehr bei den Eltern. Zuständig ist dann meist die Stadt- oder Gemeindeverwaltung und nicht das BAföG-Amt an einer Hochschule.
  • Aufstiegs-BAföG: Diese Variante wurde bis 2016 als Meister-BAföG bezeichnet und ist auch immer noch unter diesem Namen bekannt. Es soll berufliche Weiterbildungen unterstützen und wird deshalb ohne Altersgrenze gewährt. Rechtliche Grundlage ist nicht das BAföG, sondern das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG).
  • Auslands-BAföG: Auch ein Auslandsaufenthalt im Rahmen deines Studiums kann gefördert werden. Weil der Bedarf in diesem Fall höher ist, kannst du für ein Auslandssemester auch dann BAföG bekommen, wenn deine Eltern eigentlich zu viel verdienen.
  • Elternunabhängiges BAföG: Nur in Ausnahmefällen gibt es eine elternunabhängige Förderung, bei der das Einkommen der Eltern nicht berücksichtigt wird. Das gilt, wenn ihr Aufenthaltsort nicht bekannt ist oder sie im Ausland leben und keinen Unterhalt leisten können. Auch, wenn du ein Abendgymnasium besuchst und in einigen anderen Spezialfällen, gibt es elternunabhängiges BAföG.
BAföG beantragen: Junger Student steht in der Universität und bedient Smartphone
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Privathaftpflichtversicherung

Apropos “elternunabhängig”. Wenn du dein Leben in eigene Bahnen lenkst, Zuhause ausziehst und durch die Ausbildungsförderung auch finanziell ein bisschen unabhängiger wirst, solltest du unbedingt checken, ob du über deine Eltern weiter pflichtversichert bist.

Hast du zum Beispiel keine private Haftpflichtversicherung, wird es schnell teuer, wenn dir mal ein Missgeschick passiert. Solltest du aus Versehen deinen Kaffee über den Laptop eines Freundes verschütten oder sein Smartphone fallen lassen, schützt dich eine Privathaftpflichtversicherung vor den finanziellen Folgen.

Übrigens: Für junge Erwachsene gibt es bei der VGH ei­ne preis­wer­te­re Pri­vat­haft­pflicht mit um­fang­rei­chen Leis­tun­gen bis zum voll­en­de­ten 30. Le­bens­jahr.

Du kommst aus Bremen oder Bremerhaven? Hier findest du alle Infos zur Privathaftpflichtversicherung der ÖVB.

BAföG zurückzahlen: Wann und wie?

Alle Ausbildungsförderungen außer dem Schüler-BAföG müssen zum Teil zurückgezahlt werden. Es geht um die Hälfte der Gesamtsumme, allerdings können die Schulden maximal 10.000 Euro betragen. Wer mehr als 20.000 Euro BAföG erhalten hat, bekommt also noch einen gewissen Teil erlassen. Die Rückzahlung beginnt fünf Jahre nach dem Ende der Regelstudienzeit – auch dann, wenn du länger studiert hast. Insgesamt hast du für die Rückzahlung 20 Jahre Zeit, oft ist sie aber schneller erledigt. Die monatlichen Raten betragen 105 Euro. Sie fallen einmal im Vierteljahr gesammelt an (also immer 315 Euro). Wer weniger zurückzahlen muss, ist demnach schneller fertig als Absolventen mit höheren Darlehen. Zuständig ist das Bundesverwaltungsamt (BVA) in Köln und nicht das BAföG-Amt. Wenn dein monatliches Einkommen zu niedrig ist, kannst du auch später mit der BAföG-Rückzahlung beginnen. Und falls du gerade genug Geld übrig hast: Wer die Rückzahlung auf einmal leistet oder zumindest eine größere Summe tilgt, bekommt einen Nachlass.

Alternativen zum BAföG

Du bekommst keine staatliche Ausbildungsförderung? Diese Möglichkeiten hast du, wenn es keine Option ist, BAföG zu beantragen:

  • Studienkredit: Das Darlehen sichert deinen Lebensunterhalt und wird später zurückgezahlt. Gute Konditionen gibt es zum Beispiel beim KfW-Studienkredit.
  • Stipendium: Nicht nur mit Top-Noten kannst du ein Stipendium bekommen – eine Bewerbung kann sich also lohnen. Der große Vorteil: Du musst nichts davon zurückzahlen. Schau dich doch mal in der Stipendiendatenbank des Bildungsministeriums um.
  • Nebenjob: Wenn alles nichts hilft, gibt es noch den klassischen Nebenjob. Ob kellnern, Post austragen oder in der Fabrik aushelfen – für Studenten gibt es meistens viele Möglichkeiten.
  • Wohngeld: Viele Studenten wissen nicht, dass sie unter Umständen Anspruch auf Wohngeld haben. Das ist der Fall, wenn kein BAföG mehr gewährt wird, zum Beispiel weil die Altersgrenze überschritten wurde oder die Leistungsnachweise fehlen. Ist das Einkommen niedrig, stehen die Chancen auf Wohngeld nicht schlecht.

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