#

Auf gute Nachbarschaft! Aber ist das immer so einfach?

Unsichtbar und unhörbar, aber immer zur Stelle, wenn du ihn brauchst – So stellen wir uns den perfekten Nachbarn vor, bei dem die Blumen im Urlaub nicht verdursten und der Not-Schlüssel sicher aufgehoben ist. Wenn du dich mit deinen Nachbarn gut verstehst, machen sie dein Leben leichter.

Allerdings kannst du dir nicht aussuchen, wer nebenan wohnt, weshalb es mit Glück zu tun hat, ob dein Nebenmann eher von der friedlichen Sorte oder auf Krawall gebürstet ist. Letzteres muss nicht gleich bedeuten, dass das Zusammenleben im großen Nachbarschaftsstreit oder sogar im Umzug endet. Damit der Hausfrieden gar nicht erst in Schieflage gerät, erklären wir dir, wie du Stress vermeidest und wer im Zweifel wann Recht hat. So umgehst du Fettnäpfchen und kommst aus brenzligen Situationen heil wieder raus.

Stress im Haus: Der Klügere gibt nach

Es hämmert an der Wand? Dann bringt dein Nachbar entweder gerade ein neues Bild an oder er ist mal wieder genervt von der Lautstärke im Haus. Zugegeben: Es ist nicht die eleganteste Methode, dich darauf hinzuweisen, dass das Radio zu laut ist oder der Hund zu viel kläfft. Tatsächlich wird jedoch hierzulande bei Problemen, die die Lautstärke betreffen, meist gegen die Zimmerwand oder -decke geklopft. Es ist die einfachste Art, um schnell Stille zu schaffen. Zudem erfolgt die Ruhestörung meist zu Zeiten, in denen der Nachbar längst im Pyjama ist – und wer will in diesem Outfit schon persönlich um Ruhe bitten? Auf die Klopfzeichen solltest du sensibel reagieren. Tust du es nicht, kann sich aus dem kleinen Ärger ein handfester Streit entwickeln. Denn es liegt in der Natur des Menschen, dass der Genervte anschließend weitere Vergehen suchen wird, die er dir ankreiden kann, sonst aber gar nicht so schlimm wären. Dann fällt ihm plötzlich auf, dass du den Müll nicht trennst oder dein Fahrrad an der falschen Stelle parkst. Indem du frühzeitig auf Hinweise reagierst, zeigst du dich einsichtig und gehst weiterem Ärger aus dem Weg.

Verschiedene Leute sitzen bei Sonne im Garten und stoßen an
Tipp: Wenn du mit deinen Nachbarn zusammen feierst, kann sich keiner beschweren. Wie wäre es mit einem Grillfest im Haushof?

KONFLIKTPOTENZIAL

So vermeidest du Konflikte

  • Such’ das persönliche Gespräch.
  • Bleib’ ruhig, sachlich und höflich.
  • Zeig’ dich verständnisvoll.
  • Nimm Rücksicht auf dein Gegenüber.
  • Unterstelle keine böse Absicht.
  • Provoziere nicht, sondern sei kompromissbereit.

Ruhestörung: So laut darfst du sein

Also nur noch zum Lachen in den Keller gehen? Keine Sorge, du musst nicht immer mit Kopfhörern Musik hören oder dich im Flüsterton unterhalten. Einige Geräusche muss jeder Nachbar akzeptieren. Dabei kommt es auf die Tageszeit an. An Sonn- und Feiertagen ist Lärm grundsätzlich Tabu und ab 22 Uhr herrscht Nachtruhe, meist bis 6 oder 7 Uhr früh. In vielen Mietverträgen und Hausordnungen ist außerdem eine Mittagsruhe zwischen 12 und 14 Uhr vorgeschrieben. In diesen Zeiten darf Musik nur in Zimmerlautstärke gespielt werden. Das bedeutet, dass sie nur so laut sein darf, dass sie nicht im Hausflur zu hören ist.

Außerhalb dieser Zeiten darf es auch mal etwas lauter werden, solange es im erträglichen Rahmen ist. Aber was für den einen noch akzeptabel ist, kann den anderen in seiner Lebensqualität bereits erheblich stören. Wenn du also 6 Stunden täglich Trompete üben musst, solltest du dir besser andere Räume dafür suchen. Es gibt für diesen Fall zwar keine eindeutige gesetzliche Grundlage, doch von den meisten Hausgemeinschaften wird das Spielen von Instrumenten für zwei Stunden täglich akzeptiert. Solltest du öfter, länger und vor allem lauter in die Tasten hauen wollen, informiere dich über Räume für Musiker in deiner Nähe. Viele Musikschulen vermieten zum Beispiel Räume für Einzelmusiker oder Bands, wie die Music College Musikschulen in Hannover.

Wer sich von Kinderlärm gestört fühlt, muss sich hingegen mit dem Schicksal arrangieren. Dagegen kann er nicht mal vor Gericht etwas ausrichten. Übrigens: Es ist ein Gerücht, dass du zweimal im Jahr das Recht auf eine Party hast und entsprechend freigestellt bist von Ruhezeiten. Die mögliche Lärmbelästigung solltest du also unbedingt vor dem Fest mit den Nachbarn absprechen, um dir Ärger und einen Besuch der Polizei zu ersparen. Am Besten lädst du sie zur Party ein, dann haben sie keine Chance, sich zu beschweren.

GESETZLICHE RUHEZEITEN

Genaue bundesweite Regelungen für Ruhezeiten gibt es nicht, sie unterscheiden sich nach Land und Gemeinde. Wenn du es genau wissen willst, wann die staatlich verordneteten Ruhezeiten gelten, informiere dich bei deinem städtischen Ordnungsamt. In den meisten Fällen gelten folgende Zeiten als Ruhezeiten:

  • Nachtruhe von 22.00 – 7.00 Uhr
  • Mittagsruhe von 13.00 – 15.00 Uhr
  • Ganztägig an Sonn- und Feiertagen

Klospülung und Dusche: Das ist in den gesetzlichen Ruhezeiten erlaubt

Wer in einem Mehrparteienhaus wohnt, muss sich auf Geräusche aus anderen Wohnungen einstellen. Daher ist auch die Ruhezeit nicht so strikt, dass jegliches Geräusch in der Wohnung verboten wäre. Es gilt: Was du nicht unbedingt in diesen Zeiten erledigen musst, solltest du lassen. Heißt: Nach 22 Uhr staubsaugen oder die Waschmaschine anschmeißen ist keine gute Idee. Wenn du aber erst nach 22 Uhr von der Arbeit nach Hause kommst, kann dir niemand die Dusche verbieten. Die Klospülung darfst du übrigens jederzeit betätigen.

Frieden im Haus: So wirst du zum Lieblingsnachbarn

Mal ehrlich: Gute Stimmung in der Hausgemeinschaft ist schon cool. Wer leiht sich nicht gerne mal beim Nachbarn einen Akkuschrauber oder bleibt auf einen Schnack im Hausflur stehen. Daher sollte man bei angespannter Stimmung nach Kompromissen suchen. Klar ist es nervig, wenn der Nebenmann oft die Tür ins Schloss fallen lässt oder nachts um 3 Uhr angetrunken durch den Hausflur lärmt. Aber vielleicht akzeptiert er dafür, dass du öfter mal am Samstag mit Freunden auf dem Balkon grillst und laut lachst. So stellst du dich von Anfang an mit deinen Nachbarn gut:

  • Sag‘ Bescheid, wenn es mal lauter wird oder lade deine Nachbarn direkt ein.
  • Schone deinen Boden und die Ohren deiner Nachbarn mit Filzgleitern unter deinen Möbeln.
  • Lass‘ die Fenster geschlossen, wenn du mal wieder auf’s Schlagzeug haust.
  • Hast du einen Hund? Wusstest du, dass dein vierbeiniger Freund maximal 30 Minuten am Tag bellen darf? Weiter gekläfft wird bei der Hundeschule…

Du hast Interesse daran, lange und zufrieden in deiner Hausgemeinschaft zu wohnen? Dann lohnt es sich, auch mal ein Auge zuzudrücken. Statt einen bitterbösen Brief zu schreiben, die Hausverwaltung, das Ordnungsamt oder gar die Polizei anzurufen, suche das persönliche Gespräch. Dein Nachbar ist schließlich auch nur ein Mensch – auch wenn du dir vielleicht selbst einen anderen ausgesucht hättest. Sollte sich aus irgendwelchen Gründen dennoch ein Streit anbahnen, ist eine gute Absicherung gefragt.

p p

Das bringt dir eine Rechtsschutzversicherung

Friede, Freude, Eierkuchen: Toleranz hat leider nicht jeder Mieter im Herzen verankert. Damit du auch im Ernstfall auf der sicheren Seite bist, empfiehlt sich eine Rechtsschutzversicherung. Sie deckt nicht nur die Kosten eines möglichen Rechtsstreits ab. Die VGH hilft dir dabei, dass du gar nicht erst vor den Kadi gezerrt wirst. Wie das? Mit einer Mediation. Dabei glättet ein unparteiischer Vermittler die Wogen zwischen dir und deinem Gegner und führt euch zu einer gemeinsamen Lösung. So sparst du Zeit und Nerven, die vor Gericht nötig wären. Die Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten, die durch die Mediation entstehen.

Hier findest du weitere Infos zur Rechtsschutzversicherung der VGH und ÖVB (für alle aus Bremen und Bremerhaven).

Ähnliche Artikel