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Die Grundlage: 16 Fahrräder sind genug

Im Straßenverkehr scheint die einfache Formel zu gelten: Wer mehr Platz einnimmt hat gleichzeitig auch mehr Rechte. Das kommt meist dem motorisierten Verkehr zugute. Doch der Spieß lässt sich umdrehen. Denn laut Straßenverkehrsordnung ergeben 16 Fahrräder sinngemäß ein einzelnes Fahrzeug. Solange sie sich deutlich als geschlossener Verband zu erkennen geben, dürfen sie deshalb auch außerhalb der gekennzeichneten Fahrradwege, nebeneinander und in einem Zug über eine Ampelkreuzung fahren, auch wenn sie zwischenzeitlich auf Rot springt. Diese gesetzliche Grundlage ermöglicht, dass sich monatlich in vielen großen und kleinen Städten Deutschlands, zwischen 16 und 6.000 Menschen auf ihren Sattel schwingen und gemeinsam schon mal bis zu 35 km zurücklegen. Aber was hat es mit der gemeinschaftlichen Fahrradtour auf sich?

Was ist die Motivation der Critical-Mass-Bewegung?

Die durch die Städte rollenden Massen, stellen die Rangordnung des Straßenverkehrs auf den Kopf. Diese kurzzeitige Eroberung des öffentlichen Raums ist durchaus politisch motiviert, mit Transparenten und Sprechgesängen fahren aber die wenigsten Umzüge durch die Straßen. Allerdings kann es schon mal vorkommen, dass eine Kreuzung über 20 Minuten blockiert ist, weil so ein Umzug mit 2.000 Fahrradern eben seine Zeit braucht. Dieses so genannte Corking passiert meist natürlich zum Ärger der Verkehrsteilnehmer mit mehr als zwei PS. Hauptziel eines Critical Mass Umzugs ist aber nicht, auch wenn das einige Autofahrer gerne so interpretieren, den KFZ-Führenden eine Kampfansage zu machen. In erster Linie geht es darum Aufmerksamkeit für das Fahrrad als innerstädtisches Verkehrsmittel zu erzielen und so gemeinsam als Interessenverband aufzutreten. Und ganz nebenbei macht so eine Tour ziemlich viel Spaß!

 

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Wer steht hinter der Critical-Mass-Bewegung?

Im Unterschied zu einer angemeldeten Demonstration stehen hinter der Critical Mass keine klar definierbaren Veranstalter. Üblich ist das die Fahrradparade einmal im Monat, meist am letzten Freitag stattfindet. Zustande kommt das Treffen durch die Absprache eines gemeinsamen Treffpunkts, welcher dann über die sozialen Netzwerke bekannt gegeben wird. Wer dies in die Wege geleitet hat, ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich, meist läuft es anonym ab, häufig ist jedoch die lokale Fahrradszene daran beteiligt. Aus dem Spirit der Bewegung heraus ist die Frage nach dem Veranstalter aber ohnehin irrelevant, es heißt: Organisiert wird die Critical Mass „eigentlich von niemandem, – und eigentlich von allen Teilnehmern zusammen.“ Dieses Credo stammt aus den Anfangstagen der Fahrraddemo. Erfunden wurde das ganze 1992 in San Francisco

Und wie läuft das ganze eigentlich ab?

Hast du Interesse bekommen? Spitzenreiter in Norddeutschland ist zwar Hamburg, hier kommen bei den monatlichen Fahrten zwischen 500 und 6.000 Zweiradfans zusammen. Aber auch hier bei uns in Niedersachsen gibt es Möglichkeiten, sich der Critical Mass anzuschließen. Etwa in Hannover, wo sich der Trupp jeden letzten Freitag um 18:30 am Klagesmarkt trifft. Doch egal ob in Hannover, Berlin oder Hamburg – Das Prozedere ist immer dasselbe und absolut simpel: Eine Masse versammelt sich an einem im Vorfeld kommunizierten Startpunkt und fährt eine Route entlang der Hauptverkehrsstraßen der Stadt. Diese Route wird nicht bekannt gegeben, da sie sich aus der Situation heraus ergibt. Man kann sich dem Zug aber auch während der Fahrt anschließen und ihn verlassen, wann immer man will. Am Ende jeder Tour heben die Teilnehmer/innen traditionell ihre Räder in die Luft. Wichtig ist nur, dass sich alle an die vorher festgelegten Verhaltensregeln halten, um Unfälle zu vermeiden.

 

 

 

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große Gruppe von Fahrradfahrern fährt durch die Stadt
p p

Tret' in die Pedale!

Du trittst für mehr Rechte auf dem Zweirad ein. Klar, schließlich liebst du dein Fahrrad, trägst es wenn nötig auch in den vierten Stock und dein Schloss bekommt man eigentlich nur als Panzerknacker auf. Und dann gab es doch diesen einen Moment, bei dem es zur falschen Zeit am falschen Ort stand. Um dich bei deinem nächsten Rad zu schützen empfiehlt sich eine Hausratversicherung, mit dem Schutzbaustein Fahrraddiebstahl. Kommst du aus Bremen oder Bremerhaven, findest du hier alle Infos zur Hausratversicherung der ÖVB.

Nachgefragt: Warum lohnt es sich, auf den Sattel zu schwingen und mitzumachen?

Wir haben für dich bei mehreren Teilnehmern/innen nachgefragt, warum sie bei der Bewegung mitmachen.

Jan-Konrad, 30 Jahre Jurist
„Ich möchte gerne der Allgemeinheit und der Politik zeigen, dass das Fahrrad ein ernstzunehmendes Verkehrsmittel ist, welches hervorragend dazu geeignet ist, innerstädtische Emissions- u. Verkehrsprobleme zu bewältigen. Außerdem möchte ich einfordern, dass Radfahrende die ihnen zustehenden Rechte zugesprochen werden. Außerdem möchte ich damit eine Debatte um die Neuverteilung innerstädtischer Verkehrsflächen anstoßen, die dem Fahrrad den Raum gewährt, der ihm eigentlich zustünde. Und natürlich macht das alles auch sehr viel Spaß. Besonders zusammen mit Freunden.“

Carlo mit Fahrrad auf dem Crictal Mass
Jan-Konrad sieht in Critical Mass eine politische Message

Joana, 24 Studentin
„Ich bin da zweimal zufällig und spontan reingeraten und war total begeistert. Besonders hat mich diese Energie fasziniert und dieses Gefühl von Gemeinschaft. Obwohl ich beide Male allein da war. Irgendwie merkt man, dass man zusammenhalten muss. Vor allem muss man dagegenhalten, dass keine Autos in die Gruppe kommen. Man nimmt die Straße auf diese Weise in Anspruch, wie das sonst niemals möglich wäre. Jeder nimmt gegenseitig Rücksicht, das ist ein tolles Gefühl, was man sonst aus dem Straßenverkehr vermisst.“

Joana mit dem Bike beim critical mass
Joana fasziniert das Gefühl von Gemeinschaft!

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