Arnd Zeigler am Schreibtisch

Arnd Zeiglers Gebrauchsanweisung für Bremen, Teil 1

Was kann Arnd Zeigler am besten? Brüllen! Und zwar für den SV Werder Bremen. Seit 2001 erhitzt der Allrounder (Moderator, Journalist, Autor und Sänger) die Meute im Weser Stadion. Sein Superheldenkostüm – das Trikot mit dem grünen W – ist symbolisch bei jeder Partie dabei.
Nach der Veröffentlichung seiner Bücher rundum die Welt des Fußballs, startete Zeigler 2018 seine Live-Tour „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“. Ohne Scham und mit kuriosen Anekdoten über die Ball-Junkies sorgt er für große Lacher. In seiner Kolumne auf jetztlosleben.de gibt er uns einen Einblick in seine Heimatstadt, auf die brummeligen Bremer und natürlich auf seine Mannschaft! Der bekennende Bremen-Liebhaber schaut mit passender Anleitung „Wie werde ich ein richtiger Bremer?“ immer hinter die Fassaden. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen.

Allgemeines über eine besonders gut gelungene Stadt

Ab heute schreibe ich endlich eine Kolumne über Bremen. Da wächst zusammen, was zusammengehört: Hier die unaufgeregte, verschlafene Stadt, die so unfassbar viel Schönes zu bieten hat. Und dort der unaufgeregte, verschlafene Autor, der aus dieser Stadt einfach nicht mehr weg will. In der Tat hätte es Gelegenheiten dafür gegeben. Zweimal hätte ich die Chance gehabt, für ein jeweils sehr lukratives Angebot Bremen den Rücken zu kehren und mich in eine andere Stadt zu verlieben. Problem: In einem Fall war diese andere Stadt Isernhagen. Und die andere Stadt Köln und ich sind zwar wirklich sehr, sehr gute Freunde, aber es ist nichts Körperliches. Es knistert einfach nichts zwischen Köln und mir. Bremen hingegen knistert.[/vc_column_text][vc_single_image image=“3153″ img_size=“full“ add_caption=“yes“][vc_column_text]Was genau aber ist es, was wir Bremer an Bremen so mögen? Man sagt uns nach: Wer in Bremen einmal heimisch wird, der will hier nie wieder weg. Angenehmerweise lässt eine Zuneigung zu Bremen viele positive Rückschlüsse über den Bremer an sich zu. Bremen ist nicht perfekt, aber Bremen ist gemütlich. Bremen ist keine Weltstadt, aber eine Stadt, in der man alles bekommt was man braucht, wenn man nicht gerade Großmannssucht, Arroganz und Überheblichkeit zum Leben braucht. Hamburg ist das Tor zur Welt, aber Bremen hat den Schlüssel, wie man so sagt. Der Bremer an sich ist sicher nicht die zugängstliche Spezies auf diesem Planeten (dafür hätte ich dann vielleicht doch nach Köln ziehen müssen), aber als Bremer neigt man zu Bodenständigkeit, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit. Im Rheinland lernt man meinen Erfahrungen nach schneller Menschen kennen als in Bremen, aber wenn man in Bremen erstmal jemanden kennt, dann kennt man den auch für immer.

Die manchmal bei Bremern etwas verschüttet wirkende Umgänglichkeit fremden Menschen gegenüber äußert sich häufig in einer gewissen Brummeligkeit, die nicht im Entferntesten mit z.B. der fanatischen Unfreundlichkeit zu tun hat, mit der man in Berlin gerne empfangen wird. Der Bremer lässt sich seine schlechte Laune nur höchst ungern verderben. Das gehört aber alles dazu und ist nicht schlimm, auch wenn es zuweilen erst einmal irritierend wirkt.

Ich wurde einmal gefragt, wen ich für einen typischen Bremer halte. Ich musste lange überlegen, welche Attribute ich dafür zwingend für eine Voraussetzung halten würde. Mir fiel ein: Understatement, hanseatische Ruhe, eine in Richtung Schläue tendierende Gewitztheit, trockener Humor, Höflichkeit. Für die Älteren: Hans-Joachim Kulenkampff war Bremer. So einer halt. Oder Werder Bremens ehemaliger Boss Jürgen L. Born. Ein ungemein bremischer Moment war, als er inmitten der euphorischen Wirren um Werders Doublesieg gefragt wurde, wie er das denn nun feiern werde und antwortete: „Ich glaube, ich werde mir eine Flasche Bier kaufen.“ Das ist Bremen in einem Satz.

Ab jetzt schreibe ich an dieser Stelle Bremisches. Von einem Bremer für Bremer, und für alle anderen. Und für die vielleicht am Ende ein wertvoller Hinweis: Man kann Bremer werden! Man muss es aber erstmal fühlen lernen.

Arnd Zeigler

Arnd Zeigler

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