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Arnd Zeigler: Gebrochene Vorsätze, Teil 3

Neuers Jahr, neue Vorsätze. Die neujährliche Motivation ist mal wieder in und um uns ausgebrochen. Wir nehmen uns wieder vor mehr Sport zu treiben, im Beruf ambitionierter zu sein, weniger zu trinken und natürlich mit dem Rauchen aufzuhören. Doch warum tun wir uns dies jedes Jahr an Silvester an? Nach der hohen Anfangsmotivation, scheitern wir kläglich an den meisten Vorsätzen innerhalb der ersten Wochen des neuen Jahres. Zählt hier nur der Wille oder belügen wir uns einfach selbst? In seiner JetztLosleben-Kolumne nimmt Arnd Zeigler das mit den Vorsätzen fürs neue Jahr mal etwas genauer unter die Lupe.

Arnd Zeigler

Arnd Zeigler

Arnd Zeigler und die gebrochenen Vorsätze.

Ich brauche eine Versicherung gegen unerfüllte gute Vorsätze. Dringend. Und jedes Jahr dringender. Zumindest kommt es mir so vor. Ein ganz kleiner Trost ist dabei vielleicht, dass es kaum jemandem anders zu gehen scheint. Das große Buch gebrochener Vorsätze wäre doppelt so dick wie die Bibel, aber nur halb so humorvoll. Das Buch erfüllter Vorsätze könnte man hingegen sehr preisgünstig drucken lassen. Als Faltblatt.

Jeder muss sich da selbst überprüfen. Ich kann mich persönlich nicht daran erinnern, dass mir jemals jemand berichtet hätte, dass ein guter Vorsatz zu Silvester anschließend zu einem wahren Wendepunkt seines Lebens geworden sei. So als Beispiel: „Ich wollte ein besserer Mensch werden und es hat geklappt!“. Oder „Ich wollte ein bescheidenerer Mensch werden und tatsächlich, ich bin jetzt mit Abstand der bescheidenste Mensch der ganzen Welt!“. Oder „Ich wollte nach 20 Jahren mit dem Rauchen aufhören und es war gar kein Problem!“

Diese Sache mit dem Rauchen scheint mir ein Klassiker auf dem Sektor guter Vorsätze zu sein. So etwas wie die ewige Nummer 1. Bei mir nicht, da ich Nichtraucher bin und schon immer war. Wäre natürlich eigentlich eine fantastische Gelegenheit für einen bequem erfüllbaren guten Vorsatz: Ich nehme mir vor, auch 2019 nicht mit dem Rauchen zu beginnen. Ich fürchte aber, das wäre dann geschummelt.

Meine persönliche Vorsatz-Geschichte ist schnell erzählt. Es ist im Grunde ein ergreifendes Melodram. Mein ewiger guter Vorsatz „Wieder mehr Sport machen!“ zählt in meinem Bekanntenkreis unangefochten zu den großen Vorsatz-Klassikern. Ich fasste diesen guten Vorsatz in den Jahren 2017, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003, 2002, 2001, 2000, 1999, 1997, 1996, 1995, 1994, 1993, 1992 und 1991. An die Jahre davor erinnere ich mich nicht mit Bestimmtheit. 1998 lag ich Silvester krank im Bett und fühlte mich zu matt zum Verfassen sinnloser Vorsätze.

Was aber ist die Lösung? Was können wir Silvester tun, damit ein guter Vorsatz an und für sich nicht denselben bleibenden Nährwert hat wie das Ungeheuer von Loch Ness? Wenn ich offen reden darf: Es gibt da ganz wenig Hoffnung. Auch bei diesem Jahreswechsel werden allerorten Dinge vorgenommen, die man zuvor das ganze Jahr über in stabilem, mentalen Zustand und ganz ohne Alkohol und gefühlsduseliges, sentimentales Jahreswechselgedöngel schon nicht annähernd hinbekommen hat. „Ich werde zum ersten Mal seit 1987 endlich mein Zimmer aufräumen“ oder „Ich werde nie wieder Bier trinken“ oder „Ich will meinen Eltern weniger Kummer bereiten und deshalb weniger Ladendiebstähle begehen“ … vergesst es. Das wird nichts. Auch dieses Jahr nicht.

Die Wahrheit dahinter ist ebenso bitter wie banal: Die wichtigen Vorsätze werden nicht umgesetzt und für die weniger Wichtigen, also z.B. „Socken waschen“, sollte man keinen Jahreswechsel benötigen.

Junge Leute feiern und trinken
Am nächsten Wochenende sind die guten Vorsätze auch schon Schnee von Vorgestern!

Zum Zeitpunkt, da der leicht übergewichtige Verfasser dieser Zeilen diese Zeilen verfasst, naht der Jahreswechsel mit Riesenschritten. Es ist also noch alles offen. Noch ist nichts verloren! Das ist das Gute an guten Vorsätzen in den Tagen vor Silvester: Man gaukelt sich selbst eine vage Chance vor, diese hehren Vorhaben diesmal umzusetzen. Diesmal aber wirklich! Letztlich liegt die Erfolgsquote gefasster Vorsätze jedoch weit unter der eines Horoskopes in einem Gratis-Anzeigenblättchen. Ich habe jetzt zwei Chancen. Ich werde entweder rasch wieder krank. Oder ich beginne noch hastig mit dem Rauchen.

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