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Arnd Zeigler- Liebeserklärung an Claudio Pizarro! Teil 4

Arnd Zeigler, Herzblut-Fan des SV Werder Bremen. Seit 2001 erhitzt der Allrounder (Moderator, Journalist, Autor und Sänger) die Meute im Weser Stadion. Sein Superheldenkostüm das Trikot mit dem grünen W ist symbolisch bei jeder Partie dabei.

„Der große Hoffnungsträger für alle Menschen, die sich gelegentlich alt fühlen und für junge Menschen, die denken sie müssen bis 25 alles geschafft haben. Claudio Pizarro. Dieser Mann widerlegt alle Naturgesetze.“ Arndt Zeigler

Diese Liebeserklärung kommt aus vollem Herzen. Pizarro hält in der Bundesliga vier Rekorde, unter anderem als ältester Bundesliga-Torschütze und Rekordtorschütze von Werder Bremen. Er ist jetzt schon eine Legende der Fußballwelt, aber auch darüber hinaus. Die Pizarro-Manie und warum sie nie enden darf, erläutert uns Arnd Zeigler hier!

Arnd Zeigler

Arnd Zeigler

Arnd Zeigler:  Claudio Pizarro. Der Mann, der den Naturgesetzen trotzt.

Ich brauche dringend eine Versicherung gegen ein Leben ohne Claudio Pizarro. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es einmal ohne ihn werden soll. Wenn er mal irgendwann aufhört wird es sich anfühlen, als sei das Farbfernsehen plötzlich wieder abgeschafft worden. Ich will das nicht. Ich will, dass immer alles so weitergeht. Dass dieser großartige Typ immer weiterspielt. Jahr für Jahr etwas langsamer, aber immer noch besser als die meisten. Claudio Pizarro. Der Mann, der den Naturgesetzen trotzt.

Laut Wikipedia beginnt mit etwa 40 Jahren die Midlife Crisis. Der kanadische Psychoanalytiker Elliott Jaques erfand diesen Begriff 1957 als er entdeckte, dass sehr viele Menschen mit Mitte 30 darunter leiden, dass sie ungefähr die Hälfte ihres Lebens hinter sich haben. Menschen in der Midlife Crisis leiden darunter, dass sie nicht mehr ein Mehrfaches der gelebten Zeit vor sich haben, sondern vielmehr den größeren Teil hinter sich. Und Wehwehchen bekommen. Diese Menschen schaffen sich junge Frauen und schnelle Autos an, und in Einzelfällen auch schnelle Frauen und junge Autos. Claudio Pizarro hat so etwas nicht nötig. Er schießt Tore. Hauptberuflich.

Durch sein Wesen und seine Vita hat er es geschafft, dass ihn selbst die Gegner lieben. Kaum einem Menschen ist so etwas sonst vergönnt. Pizarro erlebt es Woche für Woche. Wenn er sich in irgendeinem Stadion Deutschlands für eine Einwechslung präpariert, geht ein Raunen der Freude durch die Zuschauerschaft. Die Raunenden sind alte Menschen und junge Menschen. Menschen aus Stuttgart, Saarbrücken, Siegen, Stralsund oder Sebaldsbrück. Diese Menschen mögen Claudio Pizarro, weil er einen Traum Wirklichkeit werden lässt: Den Traum der Unvergänglichkeit.

Dieser Traum ist natürlich eine Illusion, denn sonst wäre es auch kein Traum. Auch Claudio Pizarro wird eines Tages aufhören. Wahrscheinlich ungefähr dann, wenn er nicht mehr toll ist, sondern nur noch toll für sein Alter. Im Moment ist er toll. So toll, wie ein Fußballer nur sein kann.

Eines der Geheimnisse von Claudio Pizarro ist der Umstand, dass er viele von uns durch das gesamte Leben begleitet. Wer heute 15 ist, der hat noch nie eine Bundesliga ohne diesen faszinierenden Peruaner erlebt. Wer 20 ist auch nicht. 25-Jährige haben verschwommene Erinnerungen an ihre Kindheit und an diesen schlaksigen Mann mit dem Igelschnitt, der für Werder Bremen anfangs leider etwas zu gut war, aber der schließlich erkannt hat, dass er nirgendwo anders hingehört als zu uns nach Bremen.

Pressebild Claudio Bizarro
Kein Tag ohne Claudio Pizarro. © Werder Bremen

Als er kam, war Gerhard Schröder Bundeskanzler. Pizarros Ablösesumme wurde noch in DM bezahlt, und „Mambo No. 5“ von Lou Bega war der Hit des Jahres. Kanzler Schröder ist Geschichte, die DM ist Geschichte, und Lou Bega lebt heute in Berlin-Zehlendorf. Claudio Pizarro ist immer noch da.

Menschen über 30 gehen heute auf Ü-30-Partys, um sich wieder so zu fühlen wie damals. Menschen mit 40 sind nicht selten übergewichtig, besitzen nur in Ausnahmefällen noch viele Haare und schauen immer öfter ZDF. Claudio Pizarro trotzt alledem. Lächelnd.

Ich weiß auch nicht, wie lange das noch so weitergeht. Manchmal habe ich die Vision, dass dieser Mensch uns noch länger auf den Rasenvierecken des Landes erfreut. Weil es bei ihm und seiner Kunst des Fußballspiels nicht auf Schnelligkeit oder Explosivität ankommt, sondern auf Schläue und Intuition. So wie wir alle uns insgeheim wünschen, dass wir uns nicht abzappeln müssen, sondern souverän einfach nur die Dinge tun dürfen, die wir gut können. Claudio Pizarro lebt diesen Traum. Er lebt ihn für uns mit. Und wenn er mal aufhört, werde ich ein paar Tränchen vergießen und über etwas trauern, was ich nie wieder erleben werde. Möge dieser Tag nicht so bald kommen.

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