#

Arnd Zeigler: Tippspiele. Teil 5

Arnd Zeigler, Herzblut-Fan des SV Werder Bremen. Seit 2001 erhitzt der Allrounder (Moderator, Journalist, Autor und Sänger) die Meute im Weser Stadion. Sein Superheldenkostüm das Trikot mit dem grünen W ist symbolisch bei jeder Partie dabei. Thema diesmal: Tippspiele.

ARND ZEIGLER

Arnd Zeigler

Arnd Zeigler: Tippspiele

Ich brauche dringend eine Versicherung gegen die Teilnahme an Bundesliga-Tippspielen. Neben sehr schlechtem Wetter und privaten Schicksalsschlägen sind sie im Leben von Millionen Deutschen ein massiver Faktor für ein stark beeinträchtigtes Wohlbefinden.

Wir alle kennen das doch: Immer spätestens am Freitag fällt uns ein, dass wir noch tippen müssen. Entscheidend in diesem Satz ist vor allem das Wort „müssen“. Das Tippen von Fußballbegegnungen ist nichts wirklich Schönes, Erbauendes. Es macht Mühe, es kostet Zeit, und am Ende gewinnen immer die anderen. Und zwar ALLE anderen. Komisch, aber ist so.

Das Niederschmetternde am Tippen ist, dass es keinerlei Effekt nach sich zieht, ob man sich umfassende Informationen über die zu tippenden Spiele einholt oder z.B. würfelt. Bei mir ist das jedenfalls so. Wenn ich, meines Zeichens immerhin „Beckenzeigel“ in unserer Tipprunde, die Verletztensituation von Borussia Dortmund („Ui, ohne Marco Reus… maximal Unentschieden!“) fachmännisch in meine Tipps einfließen lasse, könnt ihr alle mal gemeinsam einen drauf lassen, dass Alcacer drei Tore schießt und der BVB entspannt gewinnt. Die Punkte bekommen dann die Ahnungslosen unter den Tippern: „Dortmund? Die sind ganz gut, oder? Ich mag auch die gelben Trikots. Na gut, dann 3:0!“ Demütigend.

Und a propos „Demut“: Ich habe unlängst einen Punkt gemacht, indem ich das Spiel Mönchengladbach – Wolfsburg mit 0:99 getippt habe. Eigentlich wollte ich „0:0“ tippen, bin aber auf der Tastatur ausgerutscht. Getippt habe ich vermutlich mit der Nase. Vor lauter Anspannung.

Und genau das ist dann auch in jeder Tipprunde der Anfang vom Ende: Wenn Du angespannt bist, Dir jegliche spielerische Entspanntheit und Leichtigkeit abhanden gekommen ist und Du an Deiner Tastatur verbissen um garantiert richtige Voraussagen ringst. Oh, und natürlich tippt man dann auf die eine oder andere Sensation, denn irgendwie muss man ja Boden gutmachen, um von diesem vertrackten Platz 32 runterzukommen. Ha, Risikoooo!!!! Die Bayern sind mal wieder fällig, oder? Und Schalke hatte zuletzt so viel Pech – die werden den Bock diesmal umstoßen!

Das Risiko endet in der Regel mit einem Sturz von Platz 32 auf Platz 41, weil die Bayern ihren Gegner mühelos wegfiedeln und Schalke sehr unglücklich 0:4 verliert und somit natürlich doch wieder alle Spiele ausgehen wie erwartet … oder, um es treffender zu sagen: Wie von allen außer Dir erwartet. Und deshalb sind an Dir jetzt auch Dein völlig ahnungsloser Kumpel „Ichmussgroß“ vorbeigezogen, ebenso dessen vierjährige Schwester „SERSCHGNABRI_SÜS“ und Dein Bruder, der das Tippen diesmal ganz vergessen hatte und deshalb den Tippleiter bat, überall einfach ein „0:0“ einzutragen.

Gerne würde ich diese Kolumne versöhnlich mit dem Hinweis darauf beenden, dass ich diese offenbar irreparable Tipp-Schwäche gottseidank durch eine ungemeine Abgezocktheit in sogenannten „Managerspielen“ wettmachen kann. Leider spielen in meiner „kicker-Elf“ (auch so eine Geißel der Menschheit!) mehrere Spieler, die Ihre Karriere entweder heimlich beendet haben, ohne dass ich es mitbekommen hätte, die nie wirklich Fußball gespielt haben – oder die es gar nicht gibt. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte.

Nächste Saison erwäge ich die massive Teilnahme an mehreren Online-Bingo-Runden. Darin bin ich wirklich gut!

Ähnliche Artikel