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Arnd Zeigler: Sommerpause. Teil 7

Ich brauche ganz dringend eine Versicherung gegen fußballfreie Zeit. Ich fürchte aber, es ist schon zu spät. Die Relegation ist gespielt, das Finale in der Champions League ist Geschichte … es ist vorbei. Einfach vorbei. Der Sommer hat mich bald.

Arnd Zeigler

Arnd Zeigler

Arnd Zeigler: Sommerpause.

Das ist auch schön. Meistens. Man kann Urlaub machen, mal ein gutes Gespräch führen, die Wochenende für stressfreie Unternehmungen verplanen. Ohne Fußball bleibt mehr Zeit für Privates. Ich habe dieser Tage festgestellt, dass mein Sohn sich inzwischen rasieren muss. Das wäre während einer Fußballsaison unbemerkt geblieben. Vom Stress während eines wichtigen Spiels mal ganz zu schweigen. Da bin ich ja manchmal froh, wenn ich in der 80. Spielminute gedanklich die Vornamen meiner Familie noch zusammenbekomme.

Bei mir kommt noch erschwerend dazu, dass ich ja sonntags sonst nie freie Zeit habe, weil während der Fußballsaison meine eigene Fernsehsendung gemacht werden will. Dummerweise muss ich das immer selbst tun. Das bedeutet: Nie einen „Tatort“ live schauen, am Nachmittag keine schönen Spaziergänge mit der Liebsten am Deich und auch keine Sonntagsausflüge mit den Kindern in den Bürgerpark. Wobei mein bärtiger Sohn ohnehin langsam aus dem Kandidatenkreis für solche Aktivitäten ausscheiden dürfte. Er schaukelt nur noch sehr sporadisch.

Also: Kein Fußball! Es gibt Freizeit! Es gibt Wochenenden ohne nervliche Anspannung! Es gibt Freiräume, Urlaub, Sommer, Sonne, Geselligkeit! Wunderbar! Zumindest anfangs. Aber irgendwann sind drei Tage Fußballpause rum, und dann wird es langsam zäh.

Ab Mitte/Ende Juli spätestens wird man dann als Fußballfan schon mal fahrig und ungeduldig, was in der Regel im Konsum sinnloser Testspiele mündet. Jeder Hardcore-Fan kennt sie: Diese Fußballübertragungen gegen Ende der Sommerpause, wenn der eigene Lieblingsverein gegen einen schwedischen Zweitligisten spielt, in dessen Vereinsnamen mehr Umlaute stecken als Zuschauer im Stadion anwesend sind.

„Stadion“ ist auch das falsche Wort. Solche Spiele finden gerne auf kleineren Plätzen statt, je nach Land mit Kühen hinter dem Tor (Werder Bremen, Österreich) oder der Silhouette 800 Meter hoher, vollständig verchromter Einkaufszentren hinter der winzigen Tribüne (Bayern München, Katar). Meistens ist es eine freudlose Angelegenheit, sich so etwas zuhause am PC anzuschauen (meistens werden derartige Fußballersatz-Übertragungen nicht im regulären Fernsehen gezeigt). Man tut es, weil man muss.

Bei manchen Fußballjunkies kommt es noch weitaus schlimmer. Mir sind Fälle von Menschen bekannt, die einen Ehekrach durchgezogen haben, weil sie ihren Sommerurlaub so gelegt haben, dass sie am Urlaubsort ein Testspiel ihres Vereins gegen eine Mannschaft aus Weißrußland live anschauen konnten. Die Familie musste mitziehen. Es war dann keiner der schöneren Urlaube, aber anschließend gab es ein Foto, auf dem der zweijährige Sohn von Friedhelm Funkel gesegnet wurde. Eine bleibende Erinnerung an einen belasteten Urlaub. Wenigstens war man beim Testspiel. Wie es ausging – keine Ahnung mehr.

Die Sommerpause der Bundesliga kann lang sein. Sehr lang. Sie bringt Leere mit sich, unfassbar anstrengende Urlaube, Sonnenbrand und zermürbende soziale Kontakte mit den Menschen, die man während einer Saison sonst nur schemenhaft wahrnimmt.

Wird Zeit, dass die Liga endlich wieder losgeht.

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