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Selbständigkeit

Start-up absichern: Wie geht Altersvorsorge?

„Die Rente ist sicher“ – zumindest war sie das in den 1980er Jahren aus Sicht des damaligen Arbeitsministers Norbert Blüm. Knapp vierzig Jahre später wirkt dieser Spruch naiv bis niedlich. Es bestehen berechtigte Zweifel daran, dass die vom CDU-Politiker verwendete Zeitform noch korrekt ist. Die Kombination aus demografischer Entwicklung, Staatsverschuldung und zuletzt sinkender Erwerbstätigkeit schürt vor allem bei Menschen, die jung den Schritt in die Selbständigkeit wagen, Angst vor Altersarmut. Kein gutes Gefühl in einer Phase, in der Leute mutig durchstarten wollen. „Sparen und vorsorgen“ klingt jetzt nicht besonders sexy, ist aber ein prima Gegengift gegen Zukunftsangst.

Redakteurin Charlotta Witte OEVB
von Charlotta Witte26 Januar, 2021
DAS WICHTIGSTE IN 60 SEKUNDEN

Auch für Menschen, die gerade erst damit beginnen, ihr eigenes Leben zu planen, sollte Altersvorsorge ein Thema sein. Beginnst du früh damit, dein Geld anzulegen, kannst du spätere Altersarmut bzw. eine sogenannte Rentenlücke vermeiden. Die Optionen der Vorsorge sind vielfältig. Als Angestellter bist du in der Regel pflichtversichert, solltest jedoch über mögliche Zusatzversicherungen wie eine Privat Rente oder eine betriebliche Altersvorsorge nachdenken. Bist du selbständig, bietet die Rürup Rente eine sinnvolle Basisvorsorge, aber auch private Versicherungen oder der Aktienmarkt bieten spannende Möglichkeiten, um deinen Lebensstandard im Alter halten zu können.

Wer gerade erst im Job Fuß gefasst oder sich selbständig gemacht hat, denkt eher nicht an übermorgen. Doch gerade der nötige Weitblick ist es, der Erfolg sichern kann: „Altersvorsorge ist ein Thema, das auch in Start-ups nicht lange aufgeschoben werden sollte“, sagt Fabian Gruß, CEO und Gründer von epap, einem Start-up, das den Kassenbon digitalisiert hat. „Auch wenn man während einer Unternehmensgründung vermutlich wichtigere Dinge im Kopf hat, ist es logischerweise schwer, verpasste Jahre bei der Altersvorsorge später wieder aufzuholen oder zu kompensieren.“

Der Durchschnittsdeutsche legt pro Jahr rund 10 % seines Einkommens zur Seite, um zu sparen.Statistisches Bundesamt

Ein langer Atem lohnt sich

Ein Start-up-Verkauf ist nur in den wenigsten Fällen so lukrativ, dass er dich bis ans Lebensende finanziert. Deshalb solltest du nicht prokrastinieren, wenn es um Altersvorsorge geht. Wer als junger Gründer früh beginnt zu sparen, kann seinen Rentenpott nicht nur über einen längeren Zeitraum füllen, sondern mögliche Risiken einer Geldanlage auch besser ausgleichen. Zudem lassen sich auf diese Weise Optionen für einen vorzeitigen Rentenbeginn schaffen. Ganz nach dem Prinzip: Pflanzt du den Baum heute, kannst du später mehr ernten. Doch wie genau funktioniert Altersvorsorge? 

Alles, was dazu dient, Rücklagen für die Zeit nach deiner Erwerbstätigkeit zu bilden, lässt sich als Altersvorsorge bezeichnen. Das können zum Beispiel private sowie gesetzliche Rentenversicherungen oder ein Riester-Vertrag sein, aber auch Immobilien oder Aktien-Sparpläne. Die EINE Altersvorsorge gibt es nicht. Du bist sogar meist besser abgesichert, wenn du auf verschiedene Bausteine setzt. Folgende Fragen können dir bei der Entscheidung für dein Modell der Altersvorsorge helfen: 

  1. Wie viele Jahre bleiben dir bis zum Renteneintritt?
  2. Wie willst du im Alter leben?
  3. Welche Summe hast du aus deiner Pflichtversicherung zu erwarten? 
  4. Wie viel Geld kannst du monatlich sparen?
  5. Wie risikofreudig bist du?

Behalte deine Antworten auf diese Fragen im Kopf – sie werden dir gleich eine grobe Idee geben, in welche Richtung deine persönliche Altersvorsorge gehen könnte. Vor allem Punkt drei ist entscheidend: Checke dafür einmal deine jährliche Renteninformation und schätze ab, wie groß deine Rentenlücke sein wird. So bekommst du eine Idee davon, wie viel Geld du zusätzlich zu deiner Basisversorgung ansparen solltest. 

Altersvorsorge in jungen Jahren
Mädchen kümmert sich um Altersvorsorge
Junger Mann kümmert sich um Altersvorsorge
Ältere Frau kümmert sich um Altersvorsorge

Möglichkeiten der Altersvorsorge

Altersvorsorge kann ganz unterschiedlich aussehen. Verschiedene Varianten bergen unterschiedliche Risiken und Potenziale. Grundsätzlich kann in Deutschland zwischen drei Säulen der Altersvorsorge unterschieden werden: Basisvorsorge, geförderte Vorsorge, ungeförderte Vorsorge. Wir zeigen dir deine unterschiedlichen Optionen: 

Basisvorsorge

Zur ersten Säule der Altersvorsorge zählen die gesetzliche Rentenversicherung, die berufsständischen Versorgungswerke sowie die Rürup Rente (Basis Rente). Als Angestellter bist du automatisch pflichtversichert. Entweder gesetzlich oder in einem entsprechenden Versorgungswerk. Eine Ausnahme bilden Menschen, die im öffentlichen Dienst arbeiten. Sie erhalten eine sogenannte gesetzliche Pension, die meist höher ausfällt als die gesetzliche Rente. Fehlt nur noch eine Gruppe, und zwar die Selbständigen. Diese sind nirgendwo pflichtversichert und müssen die Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen. Aber auch alle Pflichtversicherten sollten über zusätzliche Vorsorgemöglichkeiten nachdenken, um die Angst vor Altersarmut zu vermeiden. 

Zusätzlich zu deiner Pflichtversicherung kannst du zum Beispiel eine Rürup Rente abschließen, für Selbständige bietet die Rürup Rente die Möglichkeit einer Basisvorsorge. Sie ermöglicht es dir, mit Unterstützung des Staates zu sparen. Bedeutet: Die Beiträge, die du in diese Rente einzahlst, kannst du steuerlich absetzen. Zwar noch nicht zu hundert Prozent wie es bei der gesetzlichen Rente oder den Versorgungswerken der Fall ist, aber zumindest zu einem großen Anteil (derzeit 92 %). Gerade, wenn du gut verdienst und die Steuervorteile damit ausschöpfen kannst, kann die Rürup Rente sinnvoll sein.

Geförderte Vorsorge

Die zweite Säule der Altersvorsorge bilden geförderte Verträge, wie zum Beispiel ein Riester Vertrag oder die betriebliche Altersvorsorge. Beides sind vom Staat bezuschusste Zusatzrenten, die du freiwillig abschließen kannst, um eine spätere Rentenlücke zu vermeiden. Die betriebliche Altersvorsorge läuft über deinen Arbeitgeber und wird von diesem für dich abgeschlossen. Informiere dich, ob dein Unternehmen diese Möglichkeit anbietet. Eine betriebliche Altersvorsorge ist sinnvoll, weil du auf deine Sparbeiträge keine Steuern und Sozialausgaben zahlen musst. In vielen Fällen stockt der Arbeitgeber den Beitrag sogar noch auf.

Auch deine monatlichen Beiträge in die Riester Rente kannst du steuerlich absetzen. Eine Riester Förderung schließt du selbständig bei einer privaten Versicherung ab. Achte bei der Anbieterwahl unbedingt auf die Vertriebs-, Abschluss- und Verwaltungskosten. Um für das Alter bestmöglich vorzusorgen, ist es wichtig, keinen überteuerten Vertrag auszusuchen. Vor allem als Berufseinsteiger kannst du mit einem Riester Vertrag eine solide Vorsorge aufbauen, indem du früh beginnst zu sparen. Bei der VGH bekommst du bei Vertragsabschluss vor dem 25. Lebensjahr einen Startbonus von 200 Euro. Zudem erhältst du bereits bei niedrigen Sparbeträgen staatliche Zulagen, ebenso für Kinder. 

Ungeförderte Vorsorge

Die dritte und letzte Säule beinhaltet Sparmöglichkeiten, die weder vom Staat noch vom Arbeitgeber gefördert sind. Das heißt: Alle Beiträge für diese Anlageformen zahlst du vollständig aus eigener Tasche von deinem Nettogehalt. Dafür ist deine spätere Rente nur geringfügig besteuert. Meist musst du bei privaten Rentenversicherungen nur die Differenz zwischen dem von dir eingezahlten Betrag und der ausgezahlten Summe versteuern. Eine private Altersvorsorge macht vor allem für Elternteile Sinn, die sich um die Kinder kümmern und dadurch ihre Arbeitszeit verkürzen müssen. Aber auch als Selbständiger kann eine solche Vorsorge praktisch sein, um Altersarmut vorzubeugen. Du kannst hier selbst entscheiden, wieviel Geld du monatlich einzahlst und ob du dein Geld eher sicherer oder renditeorientierter anlegst.

Selbständigkeit absichern

Bist du nicht pflichtversichert, solltest du gerade als Selbständiger vorsorgen und monatlich in eine Lebens- oder Rentenversicherung einzahlen. Hast du darüber hinaus Geld übrig, dass du für später investieren möchtest, kannst du im nächsten Schritt über flexible Sparmöglichkeiten nachdenken. Du kannst zum Beispiel in Aktien oder Immobilien investieren, solltest aber bedenken, dass es hier keine speziellen Steuervorteile gibt und du alle Beiträge von deinem Nettoeinkommen zahlst. 

Flexible Altersvorsorge

Eine beliebte Anlagemöglichkeit sind Fonds und Aktien. Damit solltest du dich jedoch auskennen und vorsichtig starten. Gerade zu Beginn sind sogenannte ETF-Sparpläne (Exchange Trades Funds) ein erster Schritt, um in das Wertpapier-Geschäft einzusteigen. Das heißt, du kaufst keine Aktien von einem speziellen Unternehmen, sondern investierst in ETFs, die mehrere Unternehmen bündeln. So gibt es zum Beispiel einen ETF, der die 30 deutschen Unternehmen mit dem größten Börsenwert bündelt und damit den Börsenindex abbildet. 

Weil diese ETFs stumpf einen Index abbilden, müssen sie nicht aktiv verwaltet werden. Dadurch sparst du Verwaltungsgebühren für einen Fondsmanager. Ein ETF-Sparplan ist nicht nur kostengünstig, sondern auch relativ risikoarm. Gerade, wenn du einen indexabbildenden Fonds wählst, kann der Wertverlust eines Unternehmens durch andere im Fonds vertretene Unternehmen ausgeglichen werden. 

BasisRenteFrüh starten, smart sparen

Sparplan einrichten

Alles, was du für einen ETF-Sparplan brauchst, ist ein Online-Depot bei einer Bank. Dort werden deine Fondsanteile verwahrt und dort richtest du auch deinen Sparplan ein. Derzeit kostenlose Anbieter sind zum Beispiel ComdirectFlatex oder Maxblue. Nachdem du dein Depot errichtet hast, wählst du einen ETF aus, in den dein monatlicher Sparbetrag fließen soll (z.B. internationaler Weltmarktaktienfonds MSCI World). Und dann heißt es: Füße still halten und dem Geld beim zugegebenermaßen langsamen vermehren zuschauen. 

Rat holen

Selbständigkeit Altersarmut Rentenversicherung Altersvorsorge Riester Vertrag
Fabian Gruß, Co-Founder und CEO des Start-ups epap aus Hannover

Damit du bei den vielen verschiedenen Alternativen der Altersvorsorge den Überblick behältst, kann eine persönliche Beratung Sinn machen. „Vor allem in der Selbständigkeit bestehen einige Möglichkeiten, von denen man im normalen Berufsalltag vermutlich noch nicht so viel gehört hat und bei denen zwischen unterschiedlichen Risiken abzuwägen ist“, erklärt Fabian Gruß. Ob eine Rieser-Rente sinnvoll für dich ist, wie du Geld und Risiko in Aktien richtig streust und vieles mehr kannst du unter dem Stichwort „Altersvorsorge“ bei der Verbraucherzentrale nachschlagen. Auch die Deutsche Rentenversicherung bietet individuelle Beratungen zur Altersvorsorge an. In einem (telefonischen) Gespräch kannst du mit einem Experten besprechen, welche Form der Absicherung in deiner persönlichen Lebenslage am sinnvollsten ist.

Praktische Tipps für Sparer

  • Je früher du anfängst zu sparen, desto besser
  • Lege regelmäßig Geld zurück
  • Auch kleine monatliche Beträge machen sich bemerkbar
  • Überprüfe dein Sparmodell regelmäßig
  • Nutze sichere Geldanlagen (z.B. Tagesgeldkonto: höhere Verzinsung als beim Sparbuch, geringes Risiko, keine feste Laufzeit)
  • Setze auf verschiedene Anlagemöglichkeiten (z.B. Sparmix mit unterschiedlichen Zielen in Bezug auf Rentabilität, Sicherheit und Liquidität)
  • Denke und plane langfristig

Keine Angst vor Altersarmut

Ziel deiner Altersvorsorge sollte es sein, so viel Geld anzusparen, dass du deinen gewohnten oder gewünschten Lebensstandard auch nach dem Arbeitsleben noch aufrechterhalten kannst und keine Rentenlücke entsteht. Bedeutet: Die Differenz zwischen dem Geld, das du pro Monat brauchst und dem, was dein Rententopf hergibt, sollte möglichst klein bis gar nicht vorhanden sein. 

Dafür gibt es die verschiedenen Sparmaßnahmen. Sorgst du clever vor, wirst du merken, dass auch der Schluss „Heute Start-up, morgen Altersarmut“ kein logischer sein muss. Davon ist auch der Jungunternehmer Fabian Gruß überzeugt: „Meiner Meinung nach ist diese Angst unbegründet, wenn man sich nicht blauäugig in die Selbständigkeit stürzt, sondern die eigene Unternehmensgründung kontinuierlich reflektiert betrachtet.“

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